Berufsbildungszentrum Mölln
Regionales Berufsbildungszentrum
des Kreises Herzogtum Lauenburg
Rechtsfähige Anstalt des öffentlichen Rechts
| Berufs- und Berufsfachschulen |
| des Kreises Herzogtum Lauenburg |
| Festschrift zur Einweihung am 7. April 1967 |
| INHALTSÜBERSICHT |
| Wegen der Beschränkung des Speicherplatzes sind nur einige Fotos aus der Festschrift wiedergegeben. Einige redaktionelle Änderungen wurden vorgenommen, so fehlen z. B. die Übersicht der Räume und die dazugehörige Bauzeichnung. Der Text wurde jedoch nicht geändert. |
| Herausgegeben im Auftrage des Kreises Herzogtum Lauenburg von der Leitung der Berufs- und Berufsfachschulen. |
| Redaktion: Dr. Gerhard Schneider |
| Fotos [überwiegend von Hans Richter, Mölln] gescannt nach Druckvorlage [Kurt Hilbert, Ratzeburg] |
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| Eine Aufnahme des Modells der gesamten baulichen Anlage der Kreisberufsschule in Mölln, die sich wegen ihrer Vielgliedrigkeit nicht gut als Ganzes überschauen läßt (Blickrichtung von Nordwesten). Links oben die Kerschensteinerstraße mit dem (nicht sichtbaren) Haupteingang in der Mitte , links davon Trakt A, rechts Trakt B, als Anbau der Mehrzweckraum. Hierauf folgt (Bildmitte) als verbindendes Bauglied die Pausenhalle, die zugleich zum Festraum hergerichtet werden kann. Daran anschließend der jetzt fertiggestellte Trakt D, damit verbunden durch einen überdachten Gang die ebenfalls neue Bauhalle mit zugehörigen Räumen (Trakt E). |
Die Berufsschule hat infolge der raschen und umfangreichen Entwicklung der Technik eine ständig steigende Bedeutung erlangt. Der größte Teil unserer Jugend wird nach dem Verlassen der allgemeinbildenden Schulen noch einmal in einem wichtigen Lebensabschnitt in den berufsbildenden Schulen zusammengeführt. Sie leisten damit einen entscheidenden Beitrag zur Gesamtaufgabe unseres Schulwesens, unsere Jugend zu lebenstüchtigen, lebensfrohen, staatsbejahenden Menschen zu erziehen.
Für die berufsschulpflichtige Jugend aus dem gesamten Gebiet des Kreises Herzogtum Lauenburg wurde in Mölln eine zentrale Schule in drei Bauabschnitten errichtet. Nur durch die Zusammenfassung an einem Schulort konnten für die einzelnen Berufe auf-steigende Fachklassen gebildet und vorbildliche Demonstrations- und Versuchseinrichtungen sowie Werkstätten geschaffen werden. Berufsfach- und Fachschulen, wie eine Höhere Handelsschule, Höhere Frauenfachschule, Zweijährige Handelsschule, Haushaltungsschule und eine Berufsaufbauschule, ergänzen die Arbeit der Kreisberufsschule.
Möge das neue Gebäude eine Stätte sein, in der die Jugendlichen sich für den Beruf und das Leben freudig vorbereiten und erzogen werden, an der kulturellen Höherentwicklung unseres Volkes tatkräftig mitzuwirken.
Ratzeburg, im März 1967
Kreispräsident: gez. Drevs Landrat: gez. Wandschneider
| Die Abteilungen der Berufs- und Berufsfachschulen |
| des Kreises Herzogtum Lauenburg |
| Die Beiträge behandeln die |
| F a c h k l a s s e n f ü r L e h r l i n g e |
| der als Überschrift genannten Berufsrichtungen |
| (sowie für Schüler ohne Lehrvertrag) |
| Gewerbliche Abteilung | |
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| Kaufmännische Abteilung | |
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| Hauswirtschaftliche Abteilung | |
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| Landwirtschaftliche Abteilung | |
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| Die Berufsaufbauschule | |
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| Übergreifende Fächer | |
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Direktor Erich Westphal
Die Berufsbildung ist die Pforte der Menschenbildung. Diesen Leitspruch Georg Kerschensteiners möchte ich voranstellen, wenn ich hier zu Beginn einige Worte über die Bedeutung der Kreisberufsschule sage.
Mit der Vollendung des 2. und des 3. Bauabschnittes hat unsere Schule ihren vorläufigen baulichen Abschluss gefunden. In vielen Beratungen mit Vertretern des Handwerks, der Wirtschaft und mit Kollegen aller Fachrichtungen der Kreisberufsschule sind die zweckmäßigsten Formen der Klassen, Demonstrations- und Übungswerkstätten erarbeitet worden. So ist eine Bildungsstätte für die Jugend unseres Kreises geschaffen worden, die hier in den bedeutsamen Jahren des Heranwachsens eine Schule für das Leben durchläuft.
Die Unterstützung der Landesregierung und des Kreistages machte es möglich, die Kreisberufsschule Mölln zu einer der modernsten und besteingerichteten Berufsschulen des norddeutschen Raumes auszubauen. Der häufige Besuch von auswärtigen Direktoren, Dozenten und Studenten beweist die Richtigkeit der zukunftsweisenden Planung des Landrates und der Kommunalverwaltung. Durch die Verlagerung von Industriebetrieben in weniger dicht besiedelte Gebiete verliert die Kreisberufsschule ihren reinen handwerk-lich-landwirtschaftlichen Charakter und wird somit zu einer alle Berufszweige umfassenden Bildungseinrichtung. Unsere Kreisberufsschule, eine verhältnismäßig junge Unterrichts- und Erziehungsstätte, hat in der kurzen Zeit einer Generation den Vorsprung der städtischen Schulen aufgeholt und sich zur vollwertigen, stark spezialisierten Berufsschule entwickelt. Ihre Bedeutung wird vor allem durch die Tatsache gekennzeichnet, daß über 80% aller Jugendlichen auf die Ausbildung im technisch-wirtschaftlichen und im gesellschaftlich-politischen Bereich durch die Berufsschule angewiesen sind.
Für diejenigen Jugendlichen, die noch nicht durch ein Lehrlings- oder sonstiges Arbeitsverhältnis im Berufsleben stehen, sondern sich durch eine gründliche Vorbildung eine bessere Grundlage für ihren späteren Beruf schaffen wollen, bietet die Kreisberufsschule die Gelegenheit zum Besuch der Berufsfachschulen der verschiedensten Richtungen.
Durch die gleichzeitig eingerichtete Berufsaufbauschule haben junge Menschen mit LehrAbschluss die Möglichkeit, die Fachschulreife zu erwerben. Dadurch wird der Aufstieg über den Zweiten Bildungsweg möglich gemacht. Die ständig ansteigende Zahl der Bewerber für die Berufsfachschulen zeigt, daß sie im Kreis Herzogtum Lauenburg einen guten Ruf erlangt und sich vorzüqlich bewährt haben.
Neben dem eigentlichen Pflichtunterricht finden laufend Lehrgänge der überbetrieblichen praktischen und theoretischen Ausbildung für Lehrlinge und Gesellen in Verbindung mit den Ausbildern des Handwerks und der Industrie statt.
Es ist mein Wunsch, daß die enge Verbindung mit allen Kreisen der Wirtschaft sich noch vertiefen möge zum Wohle unserer heranwachsenden Jugend.
Aus Anlaß der offiziellen Einweihungsfeier möchte sich unsere Schule der Öffentlichkeit mit der hier vorgelegten Schrift vorstellen, die von einer großen Zahl von Kollegen mitverfaßt wurde und die die Vielfältigkeit des Organismus unserer Kreisberufsschule zeigen soll. Dabei ist es mir ein Bedürfnis, diese Gelegenheit zu benutzen, um im Namen aller an der Schule Tätigen unseren von ganzem Herzen kommenden Dank auszusprechen. Er gilt dem Architekten, dem Kreisbauamt und den Handwerkern ebenso wie den verantwortlichen Stellen des Kreises, vor allem dem Kreistag, die in weitschauender Erkenntnis der Bedeutung einer fundierten Berufsbildung das Bauprojekt jederzeit mit sehr viel Verständnis gefördert haben, nicht zuletzt durch die großzügige Bereitstellung der finanziellen Mittel. Die hiermit verbundenen Arbeiten fielen zum größten Teil in die Amtszeit meines Vorgängers, Herrn Professor Jennets, dem daher ebenso unser Dank gilt.
Ludwig Mayr
Aus Anlaß der Herausgabe dieser Schrift, mit der die Kreisberufsschule vor die Öffentlichkeit tritt, sollen auch einige Worte über Sinn und Zweck der Schulpflegschaft gesagt werden. Mit der offiziellen Einweihung des dritten Bauabschnitts der Schule wird eine Einrichtung vollendet, die schon seit Jahren weit über die Grenzen des Kreises Herzogtum Lauenburg hinaus besondere Beachtung findet.
Die Zeit, in der die Berufsschule in der Reihe der Schulgattungen ein Schattendasein führte, ist zum Glück vorüber, und die Verantwortlichen in Stadt, Kreis und Land sind der Überzeugung, daß gerade auf dem Gebiet des Berufsschulwesens jede Investition, die heute bewilligt wird, einen Aufwand darstellt, der sich auf lange Zeit hin lohnen wird.
Die Schulpflegschaft unserer Kreisberufaschule hat keine Mühe gescheut, sich für die Belange "ihrer" Schule einzusetzen. Alle ihre Mitglieder, ab aus Handwerk oder Landwirtschaft, aus Industrie oder Hondel, ob Kreistagsobgeordnete oder Arbeitnehmervertreter, waren und sind sich einig in dem Willen, keine Anstrengungen zu scheuen, denn für unsere berufstätige Jugend muß "das Beste gerade gut genug sein". Oft gehen in kleinen Dingen die Meinungen innerhalb der Schulpflegschaft auseinander, aber alle Diskussionen münden schließlich in Beschlüssen und Empfehlungen, die diesem Grundsatz gerecht werden.
Die Schulpflegschaft betrachtet ihre Arbeit, die in einem ministeriellen Erlaß von 1958 qenau geregelt ist, nicht als eine reine verwaltende Tätigkeit, sondern geht von der eigentlichen Bedeutung ihres Namens aus, der auf die Aufgabe der "Pflege" der Schule hinweist. Es kommt also auf den Geist an, aus dem heraus diese Aufgabe erfüllt wird. Mit den Regelungen dieses Erlasses wurde die alte Tradition der Schuldeputationen, die es in Preußen schon seit 1906 gab, wiederaufgenommen.
Als eine für jeweils 4 Jahre gewählte Einrichtung mit beratender Funktion soll die Schulpflegschaft alle interessierten Kreise zu aktiver Mitarbeit an den Aufgaben der Schulverwaltung heranziehen. Sie hat daher das Recht, über sämtliche wichtigen Angelegenheiten der Schule unterrichtet zu werden, insbesondere über Haushaltsangelegenheiten, Fragen des Schulbaus und der Schulorganisation. Die Schulpflegschaft besteht aus etwa 15 Personen, von denen ein Drittel Lehrkräfte der Schule (einschliefllich des Direktors) sind; ferner gehören ihr Vertreter des Kreises usw., der Kirchen, der Kammern, der Gewerkschaften sowie der Elternschaft an. Es besteht eine GeschäftsorÜnung, nach der der Vorsitzende mindestens zweimal jährlich Sitzungen einzuberufen hat. In diesen werden sowohl Empfehlungen an die Schulleitung beschlossen als auch etwaigen Wünschen aus Kreisen der Schule an den Schulträger mehr Gewicht gegeben.
Insgesamt: Die Schulpflegschaft ist glücklich, zur Erfüllung der großen Aufgaben, die die Kreisberufsschule zu bewältigen hat, durch eine vertrauensvolle Mitarbeit beitragen zu können.
V. Aus der Geschichte der Berufs- und Berufsfachschulenie
Otto Pommerening
Während die allgemeinbildenden Schulen auf einer jahrhundertelangen Entwicklung aufbauen, ist die Berufsschule noch eine sehr junge Schulform. Ihre Geschichte im Kreise Herzogtum Lauenburg begann vor knapp 100 Jahren mit der Gründung der Fortbildungsschulen. Da die Träger der Fortbildungsschulen die Gemeinden waren und eine Fortbildungsschulpflicht nach der Gewerbeordnung von 1869 nur für gewerbliche Arbeiter zur Pflicht gemacht werden konnte, war die Entwicklung dieser Schulart in den einzelnen Gemeinden sehr unterschiedlich. Vor allem in den Städten unseres Kreises wurde die Schaffung von Fortbildungsschulen durch den Handwerkerstand beantragt. So wurden in Mölln 1876, in Ratzeburg 1877, in Lauenburg 1877, in Schwarzenbek 1903, in Geestbacht 1905 und in Büchen 1913 die ersten Fortbildungsschulen eingerichtet. Erste Ansätze sind in Lauenburg bereits 1837 und 1865 nachweisbar. Geesthacht, das bis 1937 zur Hansestadt Hamburg gehörte, hat eine Fortbildungsschule vor 1905 mit Bergedorf gemeinsam gehabt.
Es muß in dieser kurzen Ubersicht auf die genauere Beschreibung der Entwicklung in den einzelnen Orten verzichtet werden. Jedoch soll versucht werden, einige Merkmale, die für diese Schulform typisch sind, darzustellen.
So heißt es zum Beispiel in der Schulchronik der Volksschule Mölln, geschrieben vor 1914 von dem Rektor Oetke, der nach den damaligen Bestimmungen auch die Leitung der Fortbildungsschule innehatte, daß erst nach zwei Eingaben von Bürgern der Stadt die Einrichtung der Fortbildungsschule in Mölln durchgesetzt werden konnte. Auch dauerte es geraume Zeit, bis sich Meister und Lehrlinge mit dem verpflichtenden Charakter dieser Schulart abfanden. So wird über Versäumnisse und die Nichtanschaffung von Lehrmitteln durch die Lehrlinge in den ersten Jahren der Fortbildungsschule berichtet.
Die Unterrichtsstunden lagen an Werktagen in den Abendstunden mit Ausnahme des Zeichenunterrichtes. Dieser wurde zunächst auf den Sonntagvormitfag, später auf den Sonntagnachmitiag von 13.30 bis 15.30 Uhr gelegt. Die Auswahl des zu vermittelnden Unterrichtsstoffes oblag dem Schulleiter bzw. dem Lehrer. Im Jahre 1891 wurde der erste Lehrplan für alle Fartbildungsschulen aufgestellt, der sich, wie auch alle späteren Lehrpläne, nach den Richtlinien des Ministers für Handel und Gewerbe richten mußte. An Unterrichtsfächern wurden deutsche Sprache, Rechnen, Schreiben mit Buchführung, Zeichnen, naturwissenschaftlicher Unterricht und allgemeine Weltkunde gelehrt. Die Unterrichtszeit war wöchentlich 4 Stunden, aber nur 30 Wochen im Jahr (von September bis Mai). Nach einem zu dieser Zeit bestehenden Ortsstatut waren die Arbeitgeber verpflichtet, je Lehrling 5 bis 10 Mark zu den Kosten der Fortbildungsschule beizutragen. Besonders zu erwähnen ist noch, daß im Jahre 1904 der erste Meisterkursus mit etwa 30 Meisteranwärtern von Neujahr bis Ostern durchgeführt wurde.
Erst im Jahre 1908 wurde die erste Klasse mit nur kaufmännischen Lehrlingen im Kreisgebiet eingerichtet. Hier wurden an Unterrichtsfächern außer den ebengenannten auch Englisch und Stenografie erteilt. Die Zahl der Schüler stieg jährlich, da in diesen Jahren auch die Lehrlinge aus den umliegenden Dörfern in den Fortbildungsschulen der Städte oder in den größeren Orten unterrichtet wurden. Diese Entwicklung wurde mit Beginn des ersten Welikrieges unterbrochen. Mit Ende des Jahres 1916 wurden alle Fortbildungsschulen im Kreis geschlossen, in einigen Orten schon 1915.
Im Jahre 1919/20 wurde ihre Arbeit wieder aufgenommen. Obwohl auf Anregung der Regierung auch die weiblichen Lehrlinge zum Schulbesuch verpflichtet werden sollten, wurde dies nicht an allen Orten eingeführt. Erst im Jahre 1926 wurden Schneiderinnen eingeschult. Am 1. April 1926 trat eine Verfügung in Kraft, die "die Mädchen unter 18 Jahren im Handwerker- und Kaufmannsstand" zum Schulbesuch verpflichtete. Da die Zahl der Lehrlinge daraufhin teilweise sehr anstieg, wurde an einigen Orten im Jahre 1930 eine Aufteilung nach verwandten Berufen vorgenommen. Von einer Gliederung nach Fachklassen im heutigen Sinne konnte aber nach nicht die Rede sein.
Zwei Beispiele mögen das verdeutlichen:
Als Schulräume dienten der Fortbildungsschule die Volksschulen. Allerdings wurden im Jahre 1933 der Fortbildungsschule zum Teil eigene Räume zugewiesen, die aber im allgemeinen Dachausbauten der Volksschulen waren. Der Unterricht wurde von Volksschullehrern und von Handwerksmeistern erteilt. Am 1. April 1924 wurde der erste hauptamtliche Gewerbelehrer in Lauenburg angestellt. Erst viele Jahre später folgte dann die Anstellung von weiteren Gewerbelehrern.
Die Forderung der Wirtschaft nach einer planmäßigen Ausbildung in speziellen Berufen wurde immer stärker. Ein Erlaß des Reichswirtschaftsministers über "Fachliche Vorschriften zur Regelung des Lehrlingswesens im Handwerk" und die Forderungen der Wirtschaft gaben den Anstoß dann zur Zentralisierung. Im Jahre 1936 wurde auf Veranlassung des Regierungspräsidenten die Vorarbeit für eine zentrale Schule eingeleitet.
Das bisher noch als Altbau von der kaufmännischen Abteilung benutzte Gebäude in Mölln, Gudower Weg. Es wurde 1938 vom damaligen Berufsschulzweckverband, dem Vorgänger der Kreisberufsschule bezogen.
Am 1. Mai 1938 wurde für den Kreis Herzogtum Lauenburg der Berufsschulzweckverband gegründet. Er umfaßte drei Abteilungen für gewerbliche, kaufmännische und hauswirtschaftliche Schüler, eine Trennung nach Fachklassen wurde angestrebt und teilweise auch gleich durchgeführt. Den Vorsitz führte der Landrat des Kreises. An die Stelle der bisher vorhandenen Fortbildungsschulen der einzelnen Gemeinden traten die Hauptschule des Verbandes in Mölln (Gebäude am Gudower Weg) und die Zweigschulen in Geesthacht und Lauenburg. Diese drei Schulorte wurden von etwa 1350 Schülern besucht. Lehrlinge aus zahlenmäßig kleineren Berufen wurden in entsprechende Fachklassen nach Lübeck oder Hamburg umgeschult. Hauptziel des Berufsschulzweckverbandes war die Errichtung von Fachklassen nach einzelnen Lehrjahren, der Einsatz von Lehrkräften in ihrem erlernten Fachgebiet sowie die bessere Ausnutzung der Lehrmittel und der noch zu schaffenden Werkstätten. Der Berufsschulzweckverband wurde nach zweijährigem Bestehen aufgelöst und seine Einrichtung am 1. Mai 1940 in die neugegründete Kreisberufsschule übergeführt. Zum Hauptschulort wurde Mölln gewählt, die Zweigschulen des Berufsschulzweckverbandes wurden zu Außenstellen der Kreisberufsschule. Dieser innere Ausbau der Kreisberufsschule wurde durch den Beginn des 2. Weltkrieges und dessen Ende unterbrochen.
Die Wiedereröffnung der Kreisberufsschule nach dem 2. Weltkrieg schien zunächst auf unüberwindliche Schwierigkeiten zu stoßen. Die Zahl der Berufsschüler hatte durch die große Zahl der Flüchtlinge stark zugenommen. Die Berufsschulgebäude waren durch Kriegseinwirkung zerstört oder als Lararett belegt, die Lehrmittel waren zum großen Teil durch die Kriegswirren verlorengegangen. Dies wirkte sich besonders erschwerend in der hauswirtschaftlichen Abteilung der Kreisberufsschule aus. Trotzdem wurde der Unterricht bald wieder aufgenommen, oft in einfachsten Verhältnissen. In Mölln konnte das Gebäude am Gudower Weg im Mai 1946 der Berufsschule wieder übergeben werden, in Lauenburg mietete der Kreis ein Gebäude der ehemaligen Modellbauschule und in Geesthacht ein Gebäude im Werkgelände Düneberg. Damit waren wenigstens die räumlichen Verhältnisse für den theoretischen Unterricht wieder gegeben.
Das neue Berufeschulgesetz für Schleswig-Holstein vom Februar 1950 brachte starke Veränderungen im Berufsschulwesen. Der achtstündige Berufsschultag war schon vorher gesetzlich verankert; die praktische Fachkunde sollte den Unterricht vertiefen. Außerdem wurde 1950 für alle Lehrlinge und Jugendliche aus der Landwirtschaft der Berufsschulunterricht zur Pflicht Der Unterricht der landwirtschaftlichen Klassen wurde zunächst sehr dezentralisiert auf den Dörfern in Volksschulen am Nachmittag durchgeführt. Erst im Jahre 1955 gelang es, die Landwirtschaftslehrlinge zentral aus dem ganzen Kreisgebiet in aufsteigenden Klassen in Mölln zusammenzufassen. Die Nichtlehrlinge der Landwirtschaft und die Jungarbeiter der gewerblich-kaufmännischen Wirtschaft wurden in den Schulorten Mölln, Ratzeburg, Sandesneben, Schwarzenbek und Geesthacht zentralisiert. Damit wurde auch für diese Jugendlichen eine Beschulung nach Jahrgängen möglich. Bei den Mädchen war die Zentralisierung in den genannten Orten deshalb notwendig, weil Küchen und Nebenräume für den Unterricht erforderlich waren.
In Mölln wurde im April 1949 eine Klasse der Haushaltungsschule an der Kreisberufsschule eingerichtet, in Geesthacht wurde eine Klasse dieser Schulart 1954 eröffnet. Im April 1950 beschloß der Kreistag die Errichtung einer Zweijährigen Handelsschule in Mölln und 1954 die Errichtung einer Höheren Handelsschule. Außerdem wurde im Jahre 1950 der Kreisberufsschule das Jugendaufbauwerk in Ratzeburg, Geesthacht und Wentorf bei Hamburg angegliedert. Eine weitere Ausbildungsmöglichkeit für Mädchen ist seit dem Jahre 1958 die Höhere Frauenfachschule in Mölln
Für die Weiterbildung der Jungen und Mädchen bis zur Fachschulreife ist die 1952 eingerichtete Berufsaufbauschule von großer Bedeutung. Diese wurde zunächst in Abendkursen durchgeführt. Nunmehr bekommt sie als Tagesschule einen festen Platz in der Berufsschule. Im April 1966 wurde ferner an der Kreisberufsschule in Mölln das hauswirtschaftliche Vollschuljahr als neuer Bildungszweig für Mädchen geschaffen.
Dieser innere Aufbau der Schule wäre nicht möglich gewesen, wenn nicht von seiten des Kreistages, der Kreisverwaltung, der wirtschaftlichen Verbände und der Organisationen unserer Schule großes Interesse und Hilfe zuteil geworden wären. Mit dem Beginn des Berufsschulneubaues im Jahre 1954 und der Fertigstellung im Jahre 1966 sind nunmehr auch alle äußeren Voraussetzungen für die Bildung und Ausbildung der berufstätigen Jugend geschaffen worden.
VI. Die Kreisberufsschule als Bauwerk
Dr. Ing. Fritz Nohse
Planung und Bau der Berufs- und Berufsfachschulen in Mölln, der zentralen Berufsschule des Kreises, sind in der Zeit von 1951 bis 1966, also in 15 Jahren, durchgeführt worden. Sie stellen eine Gebäudegruppe dar, die in drei Bauabschnitten errichtet wurde. Die Bestimmung der einzelnen Gebäudetrakte entspricht jeweils den Funktionen der Schule, die sich nach gewerblichen, hauswirtschaftlichen, kaufmännischen und landwirtschaftlichen Berufen gliedert. Zwischen den einzelnen Bauabschnitten waren mehrjährige Unterbrechungen notwendig. Die Finanzkraft des Kreises, der vielen gleichbedeutenden Aufgaben nachzukommen hat, erforderte diese Pausen.
Trotz der langen Zeitspanne von 15 Jahren und trotz der durch die Bauunterbrechungen getrennten einzelnen Bauphasen ist der Gebäudekomplex in seiner Erscheinungsform und in seiner architektonischen Haltung zu einem organischen Ganzen in harmonischer Weise gewachsen. Das war nur möglich, weil die Planung von Anfang an in engster, verständnisvoller Zusammenarbeit zwischen Schulleitung und Kreisbauamt durchgeführt wurde und sowohl die Schulleitung von der Funktion her als auch das Kreisbauomt von der Gestaltung her klare Vorstellungen hatten, die durch unsachliche Kritik nicht zu erschüttern waren. Die Marschrichtung auf das gemeinsam gesteckte große Ziel ist zu keiner Zeit geändert worden.
Ich habe hier wieder - wie früher schon insbesondere beim Krankenhausbau - bestätigt gefunden, daß jedes Gebäude nur dann auch gestalterisch zufriedenstellend erscheinen kann, wenn es von der Zweckbestimmung her richtig entworfen wurde. Die funktionelle Ordnung ist die Grundlage für die überzeugende Planung eines Gebäudes oder einer Gebäudegruppe - eine Bestätigung für Ostendorfs Theorie des Entwerfens: ein umfangreiches Raumprogramm in eine unkomplizierte Erscheinungsform zu bringen.
So ist auch beim Entwurf der Kreisberufsschule in Mölln folgerichtig verfahren worden. Als ich 1951 den Planungsauftrag erhielt, habe ich sogleich die Schulleitung aufgesucht. Diese stellte ihre räumlichen Anforderungen in organischer Abstimmung zueinander auf. Es ergab sich, daß durch eine zentrale Eingangshalle drei Gebäudetrakte miteinander verbunden werden sollten, die etwa den einzelnen Sparten der Schule entsprechen. Sie sollten auf kürzesten Wegen von der Halle aus unabhängig voneinander zugänglich sein, möglichst auch durch besondere Nebeneingänge. Verwaltung,Mehrzweckeraum, Pausenhalle und Pausenhof sollten ebenfalls auf nächstem Wege von der Halle aus erreicht werden können. So wurde die Empfangshalle mit ihrer schraubenförmigen Treppe zum Mittelpunkt der gesamten Anlage. Sie sichert einen reibungslosen Ablauf des Schulbetriebes.
Der 1. Bauabschnitt war in der Planung so weit fertig, daß am 15. April 1953 die Grundsteinlequng und am 22. Mai 1954 die Einweihung stattfinden konnten. Unter einem Dach wurden in zweigeschossiger und zweihüftiger Bauweise die Verwaltung, das Lehrerzimmer, die Heizungsanlage sowie die Räume für den Unterricht der Klassen des Zimmerer-, Tischler-, Schlachter-, Bäcker- und Friseurhandwerks, ferner für die Frauenberufe mit ihren Lehrküchen und Waschküchen untergebracht. Außerdem wurde ein eingeschossiger Anbau mit Fahrradraum und Mehrzweckesaal angegliedert.
Die Baukosten des 1. Bauabschnittes betrugen 684.000,- DM bei 48,- DM für den Kubikmeter umbauten Raum des Hauptgebäudes und 62,- DM für den Kubikmeter umbauten Raum des eingeschassigen Anbaus. Die zweihüftige Anlage (Mittelflur mit beiderseitigen Unterrichtsräumen) und die Bauweise lassen die Entstehungszeit erkennen. Mit einfachen Mitteln wurde versucht, eine klare Architektur zu erreichen. Herr Dipl.-Ing. Bentsch, der mir bei diesem Bauabschnitt zur Seite stand, hat viel Zeit und Mühe verwenden müssen, bis wir eine wohlabgewogene Proportion der Fenster- und Mauerflächen zueinander gefunden haben. Das war nur auf Grund eines sicheren Gefühls für gute Proportionen möglich.
Nach seiner Fertigstellung hat dieser 1. Bauabschnitt infolge weitergehender Raumansprüche einige kleinere Umbauten erfahren.
Haupteingang Kerschensteinerstraße. Rechts Trakt A, links Mehrzweckraum, dahinter Trakt B
Der 2. Bauabschnitt wurde vier Jahre danach am 25. August 1958 begonnen und Ostern 1960 seiner Bestimmung übergeben. Der viergeschossige Baukörper wurde für die Unterbringung des Metallgewerbes, d. h. Maschinenschlosser, Werkzeugmacher, Schmiede, Kfz-Mechaniker, Landmaschinenmechaniker, Elektriker und Klempner geschaffen. Hiermit zusammen wurde auch die zentrale Eingangshalle mit der Haupttreppe gebaut. Es ist wiederum, wie beim ersten Bauabschnitt, die beispielhafte Forderung der Schulleitung, Theorie- und Übungsräume unmittelbar nebeneinander zu gruppieren, konsequent durchgeführt worden. Diese Anlage ermöglicht einen intensiveren Unterricht, als er bei der Unterbringung der Übungsräume in einem besonderen Werkstättengebäude weit von den Klassenräumen entfernt möglich wäre. Selbst der Prüfstand für Otto- und Dieselmotoren wurde innerhalb des Gebäudes auf der Decke über dem Erdgeschoß eingebaut, was sich trotz mancher Bedenken bewährt hat.
Bei diesem Teil des Baues war es mein Bestreben, den gesamten Gebäudekomplex mit seinen zahlreichen Bauelementen so zu gestalten, daß er zugleich für die Fachklassen, die zum Baugewerbe gehören, selbst einen Beitrag zum Unterricht bilden kann. So wechseln z. B. die Türblätter und die Verblender des Flurmauerwerks in Holz- oder Steinarten. Die Heizkörper wurden anders als im ersten Bauabschnitt als Konvektoren und nicht als Radiatoren angelegt. Die im Gebäudetrakt des ersten Bauabschnittes liegende Heizungsanlage mußte für den gesamten Komplex vergrößert werden und wurde auf Öl umgestellt. Sie wurde so eingerichtet, daß sie in allen ihren Konstruktionen auch dem Unterricht dienen kann. Natürlich waren hier die Baukosten wegen des Einbaues eines sehr umfangreichen, komplizierten Leitungssystems erheblich größer. Auch die allgemeinen Lohn- und Preiserhöhungen haben zu einer Steigerung der Baukosten bei-getragen Sie stellten sich auf 1.078.000,- DM bei 87,- DM für den Kubikmeter umbauten Raum.
Blick von der katholischen Kirche: In der Mitte Trakt B, links einTeil von Trakt D, rechts Mehrzweckraum vor dem Trakt A
Beim 2. Bauabschnitt war mir Herr Dipl.-Ing. Kreuzberg ein zuverlässiger Helfer.
Wiederum mußten vier Jahre vergehen, bis der dritte - der letzte - Bauabschnitt als umfangreichster am 3. Juni 1964 begonnen werden konnte. In seinem Hauptteil waren die kaufmännische Berufsschule mit Handelsschule sowie die landwirtschaftliche Berufsschule unterzubringen, in einem besonderen, durch einen gedeckten Gang mit dem Hauptbau verbundenen Trakt die Bauballe mit den Räumen für Maurer, Maler und Metallgewerbe. Daneben wurde die Hausmeisterwohnung als Einfamilienhaus erbaut. Schließlich erforderte der endgültige Abschluss der Bauarbeiten die Vollendung der Gartenanlagen und den Ausbau des Pausenhofes. Am 10. August 1966 ist dieser Bauabschnitt bezugsfertig übergeben worden. Die Baukosten betrugen 2,2 Millionen DM bei 110,- DM für den Kubikmeter umbauten Raum.
Bei diesem Bauabschnitt hat sich Herr Kreisbauoberinspektor Willhöft als versierter Schulbaufachmann bewährt.
Ansicht vom Hof aus, die wenigstens annähernd einen Blick auf alle Bauteile ermöglicht (Blickrichtung wie bei der Modellaufnahme)
Den einzelnen Bauabschnitten ist anzusehen, daß sie ihre Entstehung verschiedenen Zeiten verdanken. Es ist auch die Hand meines jeweiligen Mitarbeiters zu erkennen. Die Bauteile ordnen sich aber harmonisch in das Gesamtbild der zielbewußt durchgeführten Grundkonzeption ein. Die Verteilung der einzelnen Räume im gesamten Baukomplex ist der beigefügten Grundrißzeichnung mit der zugehörigen Ubersicht zu entnehmen. Erwähnt sei noch, daß zu den also sich insgesamt auf rund 4 Millionen DM belaufenden Baukosten noch die - für Berufsschulen stets überdurchschnittlichen hohen - Einrichtungskosten kommen, die insgesamt bis jetzt rund 660.000,- DM ausmachen.
Zum Abschluss möchte ich hervorheben, daß die Zusammenarbeit mit der Schulleitung, die klare und bestimmte Vorstellungen von der erforderlichen Raumdisponierung hatte, mir sehr viel Freude bereitete. Die räumliche Verbindung von Theorie- und Übungsräumen ist in schulischer Hinsicht sehr gut gelungen. Oberster Grundsatz bei der Errichtung dieser Kreisberufsschule mußte hier wie überall die Zweckbestimmung des Bauwerkes sein. Wenn bei angemessenen Baukosten hierfür eine mustergültige Form gefunden worden ist, dann dürfte dem Auftrag Genüge getan sein.
Bitte genau hinsehen: Die elegante Linienführung der Treppe in der Eingangshalle ermöglichte dem Fotografen dieses reizvolle Bild
VII. Die organisatorische Gliederung der Berufs- und Berufsfachschulen
Otto Pommerening
Unser Kreis verfügt über ein gut ausgebautes Berufsschulwesen. Der vielfach als abgekürzte Sammelbezeichnung verwendete Name Kreisberufsschule umfaßt nicht nur die Pflichtberufsschule, sondern auch die freiwillig zu besuchenden Berufsfach- und Fachschulen. Ihr Bildungsziel ist die allgemeine Menschenbildung, die staatsbürgerliche Erziehung und die Fachbildung für den jeweiligen Beruf. Der Beruf steht im Mittelpunkt des gesamten Unterrichts. der durch ihn lebensnah gestaltet wird.
Die hohen Berufsanforderungen des Handwerks, der Industrie, der kaufmännischen Berufe, der Landwirtschaft und der Hauswirtschaft verlangen heute immer mehr nicht nur die qualifizierte Fachkraft, sondern auch den verantwortungsbewußten Menschen. Ein besonderes Merkmal der Berufsschule ist die enge Zusammenarbeit in der betrieblichen und der schulischen Berufsausbildung. Dadurch werden sowohl das Bildungsziel als auch der äußere und der innere Aufbau der Schule bestimmt. Dem Jugendlichen muß auch im theoretischen Unterricht das Arbeitsgeschehen möglichst praxisnah demonstriert werden, damit er zu tieferen Erkenntnissen gelangt. Um dieses Ziel zu erreichen, sind die vielfältigsten Demonstrationsräume, Lehrwerkstätten, Physik- und Chemieräume, Lehrküchen, Schreibmaschinen-, Büromaschinen- und Nähräume sowie umfangreiche Lehrmittelsammlungen geschaffen worden.
Die Organisatian der Kreisberufsschule ergibt sich aus der grundsätzlichen Gliederung in die gewerbliche, die kaufmännische. die hauswirtschaftliche und die landwirtschaftliche Abteilung. Innerhalb dieser Abteilungen besteht eine weitere Untergliederung nach Fachrichtungen.
So umfaßt die gewerbliche Abteilung im einzelnen im Metallgewerbe Fachklassen für Werkzeugmacher, Dreher, Technische Zeichner, Maschinenbauer, Maschinenschlosser, Bau- und Betriebsschlosser, Mechaniker, Blechschlosser, Schmiede, Landmaschinenmechaniker, Kraftfahrzeugmechaniker, Elektroinstallateure, Gas- und Wasserinstallateure, Klempner und Zentralheizungsbauer. Im Baugewerbe gibt es Fachklassen für Maurer, Zimmerer, Tischler und Maler. Für die nichtkonstruierenden Berufe sind Fachklassen für Bäcker, Schlachter, Bäcker- und Schlachterverkäuferinnen, Schneiderinnen und Näherinnen und für Friseure vorhanden.
Die kaufmännische Abteilung besteht aus Fachklassen für den Einzelhandel (unterteilt nach Lebensmittel-, Textil und sonstigem Einzelhandel), Fachklassen der Lehrlinge für die Berufe des Großhandels-, des Industrie-, des Bank-und des Bürokaufmanns, der Verwaltungsangestellten, der Bürogehilfinnen, ferner der Apothekenhelferinnen.
Die hauswirtschaftliche Abteilung vereinigt Fachklassen für die in der städtischen Hauswirtschaft tätigen Mädchen, auch wenn sie im elterlichen Haushalt beschäftigt sind, außerdem für Mädchen, die in gewerblichen Betrieben und Fabriken arbeiten. Auch das Hauswirtschaftliche Vollschullahr und die Fachklasse für den hauswirtschaftlichen Grundausbildungslehrgang im Jugendaufbauwerk Domhof in Ratzeburg gehören dazu.
Die landwirtschaftliche Abteilung weist Fachklassen für Landwirtschaftslehrlinge und für Lehrlinge der ländlichen Hauswirtschaft auf. Jungen und Mädchen ohne Lehrvertrag, die in der Landwirtschaft arbeiten, werden in gesonderten Klassen unterrichtet, ebenfalls Jugendliche ohne Lehrvertrog der gewerblichen und kaufmännischen Wirtschaft (Jungarbeiter).
Zu den Berufsfach- und Fachschulen gehören die Zwei jährige Handelsschule, die Höhere Handelsschule, die Höhere Frauenfachschule und die Haushaltungsschule mit Aufbauklasse, außerdem die Berufsaufbauschule.
Grundlage des Besuches der Berufsschule als berufsbegleitende Schule ist die bis zur Vollendung des 18. Lebenslahres bestehende gesetzliche Schulpflicht. Hiernach läßt sich eine Einteilung in Berufsschüler mit und ohne Lehrvertrag vornehmen.
Berufsschüler mit Lehrvertrag haben noch dem Abschluss der allgemeinbildenden Schule einen Lehr- oder einen Anlernvertrag abgeschlossen, oder es wird eine Lehranzeige an die Schule erteilt. Die Berufsschulpflicht beginnt mit dem Antritt der Lehre und endet mit der LehrAbschlussprüfung. Auch bei einem Alter über 18 Jahre oder nach einem Realschul- oder Gymnasiumsbesuch tritt keine vorzeitige Beendigung der Berufsschulpflicht ein. Die Lehrzeit dauert für Lehrlinge 3 oder 3½ Jahre, für An-lernlinge 1½ oder 2 Jahre. Für Lehrlinge ist ein acht stündiger Berufsschultag in jährlich 40 Unterrichtswochen vorgeschrieben, die Anlernlinge müssen zur Erfüllung ihrer Berufsschulpflicht 10 bzw. 12 Unterrichtsstunden wöchentlich unterrichtet werden. Lehrlinne eines Berufes werden nach Lehrjahren getrennt in aufsteigenden Fachklassen unterrichtet. Durch die weitgehende fachliche Gliederung der Klassen soll insbesondere ein möglichst speziell ausgerichteter Unterricht in den berufsbezogenen Fächern durchgetührt werden. Dies setzt aber die Zentralisierung des Berufsschulwesens in unserm Kreis voraus. Hierfür war die Lösung mancher verkehrsmäßigen Schwierigkei-ten notwendig, um längere Wartezeiten der Schüler vor und nach der Schule zu vermeiden. Lehrlinge aus zahlenmäßig kleineren Berufen werden weiterhin in Bezirks- oder Landesberufsschulen eingeschult.
Für Berufsschüler ohne Lehrvertrag beginnt die Berufsschulpflicht auch mit dem Abschluss der allgemeinbildenden Schule, sie endet jedoch nach einem dreijährigen Be-such oder mit dem Ende des Schulhalbjahres, in dem der Jugendliche das 18. Lebensjahr vollendet, außerdem durch den Besuch einer gleichwertigen anderen Schule oder bei Mädchen mit der Heirat. Diese Jugendlichen werden im Kreisgebiet außer in Mölln dezentralisiert in den Orten Geesthacht, Schwarzenbek, Ratzeburg und Sandesneben beschult. Auch hier werden, wenn es die Anzahl der Schüler erlaubt, aufsteigende Fachklassen nach Jahrgängen gebildet. Die erforderlichen Nebenräume sind in allen Schulorten vorhanden, müssen allerdings teilweise mit den allgemeinbildenden Schulen benutzt werden. Besonders zu erwähnen ist das hauswirtschaftliche Vollschulichr, das junge Mädchen auf das Berufsleben vorbereitet.
Eine wichtige Einrichtung ist die überbetriebliche Schulung der Lehrlinge. Hier werden zusatzlich zum Berufsschul-unterricht Lehrgänge zur weiteren praktischen Ausbildung abgehalten. Ein Teil dieser Lehrgänge wird von den Innungen in mehreren Wochen für die einzelnen Lehrjahre während der Lehrzeit durchgeführt. Eine gut eingerichtete Autogen- und Elektroschweißwerkstatt bietet den Lehrlingen eine praktische Weiterbildung oder eine zusätzliche Ausbildung. Diese Lehrgänge werden von Lehrwerkmeistern am Sonnabend oder nach Berufsschulunterricht in 40 bis 80 Stunden erteilt. Auch werden der Volkshochschule Räume für die praktischen Fächer wie Kochen, Nähen, Kurzschrift und Maschinenschreiben und die erforderlichen Einrichtungen zur Verfügung gestellt.
Im Gegensatz zur bisher dargestellten Pflichtberufsschule werden die Berufsfach- und Fachschulen von den Jugendlichen freiwillig besucht. Für die Aufnahme sind bestimmte Anforderunaen zu erfüllen. So verlangt die Berufsaufbauschule mindestens den VolksSchulabschluss und eine abgeschlossene Lehre, die Zweijährige Handelsschule und die Haushaltungsschule den VolksSchulabschluss. Bei allen drei Schularten ist die Abschlussprüfung vor einer staatlichen Prüfungskommission abzulegen. Die Höhere Handelsschule und die Höhere Frauenfachschule erfordern zur Aufnahme die sogenannte "Mittlere Reife".
Eng mit der Berufsschule in Verbindung stehen die LehrAbschlussprüfungen vor den Innungen, der Industrie- und Handelskammer sowie der Landwirtschaftskammer. Diese Prüfungen gliedern sich in einen schriftlichen sowie einen mündlichen und praktischen Teil. Die Lehrkräfte wirken daran als Prüfer im Auftrage der Kammern mit, die Schule stellt ihre Räume dafür bereit.
VIII. Das Kollegium der Berufs- und Berufsfachschulen
(Stand vom 1. April 1967)
Ein Teil der Kollegen unterrichtet in verschiedenen Fachrichtungen; angegeben ist dann nur diejenige, in der vorwiegend Unterricht erteilt wird.
| Hauptamtlich tätige Lehrkräfte | ||
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| Nebenamtlich tätige Lehrkräfte | ||
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| Sonstige Angestellte | ||
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X. Die Entwicklung der Schülerzahlen 1945 - 1966
[Graphik: Willi Rump]Entschuldigung! Noch nicht übertragen
XI. Die Schülermitverantwortung
Hermann Richter
Wie in den allgemeinbildenden Schuien wurde auch an der Kreisberufsschule vor einer Reihe von Jahren die SMV ins Leben gerufen. Diese Abkürzung ist als Name heute schon weithin bekannt geworden, allerdings wurde lange darüber diskutiert, ob diese Buchstaben SMV als "Schülermitverwaltung" oder "Schülermitverantwortung" gedeutet werden sollten. Man ist schließlich zu dem Ergebnis gelangt, daß der Begriff der Schülermitverantwortung das Wesen des mit dieser Einrichtung verfolgten Ziels viel besser kennzeichnet, denn Mitverantwortung stellt das Verantwortungsbewußtsein in den Vordergrund, bedeutet Mitdenken in Verantwortung für die große "Schulgemeinde Berufsschule" in der Vielfalt ihrer Zusammensetzung. Sie hilft es ermöglichen, daß die Berufsschule keine bloße Unterrichtseinrichtung bleibt, sondern auch eine innere Bindung der Schüler zu ihr geschaffen wird.
In diesem Sinne arbeitet die Schülermitverantwortung unserer Schule. Ihre Bemühungen, die Mitschüler außerhalb des Unterrichts zur Mitarbeit zu gewinnen, sind trotz hemmend wirkender Verkehrsverbindungen von stetigem Erfolg gekrönt. In zäher Beharrlichkeit widmet sich der Schülerrat der Mitverantwortung vordringlich der Auf-gabe, das demokratische Gedankengut - wie es in den Bürgerkundestunden theoretisch gelehrt wird - in die Tat umzusetzen. So werden junge Menschen in der Ausbildung an die Probleme herangeführt, die den Berufsschüler von heute zum Staatsbürger von morgen formen sollen, der sich auch verantwortlich für unseren demokratischen Staat fühlen wird.
Nach außen hin kommt die Arbeit der SMV durch mancherlei Veranstaltungen zum Ausdruck. So betrachtet die SMV es als eine besondere Verpflichtung, den Berufs- und Berufsfachschülern aus den verkehrsungünstig gelegenen Orten des Kreises den Besuch kultureller Veranstaltungen, besonders durch regelmäßige Durchführung von Theaterfahrten, zu ermöglichen. Ferner wird die Teilnahme an den vielfältigsten Sportveranstaltungen, vor allem auch an den Landesmeisterschaften, organisatorisch durchgeführt. In jedem Jahr steht die Teilnahme an mindestens einer sozialen Betreuungsaktion auf dem Programm, durch die der Gedanke des Helfens in unserer Gesellschaft vertieft werden soll. Auch durch die Organisation von Vortragsveranstaltungen und Festlichkeiten für alle Schüler tritt die SMV hervor. Nicht zuletzt ist die Schülerzeitschrift "Die Blende" zu erwähnen, deren Herausgabe allerdings mit vielerlei Schwierigkeiten verbunden ist und die bisher noch nicht regelmäßiq erscheinen konnte.
Die Anerkennung, die die SMV innerhalb der Schule gefunden hat, kommt dadurch zum Ausdruck, daß ihr ein eigener Versammlungsraum eingerichtet wurde, den sie als "Heimat" betrachten kann. Getragen wird die SMV vor allem durch die einmal wöchentlich hier stattfindenden Zusammenkünfte der in allen Klassen gewählten Klassensprecher. Hier wird durch Besprechung aller wesentlichen Fragen die Arbeit der SMV geplant.
XII. Die Abteilungen der Berufs- und Berufsfachschulen des Kreises Herzogtum Lauenburg
A. Gewerbliche Abteilung
Die meisten Industriezweige sind auf die Arbeit des Werkzeugmachers angewiesen. Dieser Beruf nimmt somit innerhalb des Metallgewerbes eine besondere Stellung ein. Der erfolgreiche Ablauf einer Produktion kann von der Arbeit des Werkzeugmachers abhängen. Arbeitet er ungenau, so kann ein großer Teil der Werkzeuge unbrauchbar werden, und dem Betrieb können hierdurch hohe Kosten entstehen.
Vom Werkzeugmacher wird vor allem eine genaue und sorgfältige Arbeitsweise verlangt, muß er doch sehr oft Fertigungstoleranzen von 1/1000 mm einhalten. Er soll eine gründliche Materialkenntnis besitzen und die üblichen Techniken der Metallbearbeitung beherrschen, aber auch Arbeiten an Spezialmaschinen ausführen können.
Der Werkzeugmacher stellt Schnittwerkzeuge, Stanzwerkzeuge, Formen, Vorrichtungen sowie Lehren und Meßwerkzeuge her, die hauptsächlich in der Reihen- und Massenfertigung von Bedeutung sind. Der große Mangel an Facharbeitern und sonstigen Arbeitskräften stellt an den Werkzeugbau die Anforderung, mittels der Werkzeuge und Vorrichtungen die Anwendung der günstigsten Fertigungsverfahren zu ermöglichen und bei neu zu entwickelnden Fabrikationsverfahren maßgebend mitzuwirken. Die Herstellungszeit der Werkstücke kann verkürzt werden, damit lassen sich die Herstellungskosten der Gesamterzeugung senken, und es kann eine Güteverbesserung der Werkstücke erreicht werden.
Die Berufsschule hat die Aufgabe, das für diese Tätigkeit erforderliche fachtheoretische Wissen zu vermitteln und zu erarbeiten. Da der Werkzeugmacher in Betrieben, wo kein Werkzeugkonstrukteur vorhanden ist, oft selbständig Vorrichtungen und Werkzeuge entwerfen muß, d. h. also auch konstruktiv tätig ist, legt die Berufsschule besonderen Wert auf den Unterricht im Technischen Rechnen sowie im Fachzeichnen. Im letzten Schuljahr wird auf die Entwicklung und Gestaltung von einfachen Vorrichtungen sowie von Schnitt- und Stanzwerkzeugen besonders eingegangen.
Um den fachtheoretischen Unterricht zu vertiefen, ist ein eigener Demonstrationsraum eingerichtet worden. Hier wird an dem wirklichen Objekt, z. B. einer Drehmaschine oder einer Fräsmaschine, an Hand von Versuchen gezeigt, warum dieser oder jener Arbeitsgang so ausgeführt wird oder warum das Werkzeug so oder so gestaltet sein muß. Auch kann durch die nähere Betrachtung von Arbeitsvorgängen festgestellt werden, welches Fertigungsverfahren für ein Werkstück das vorteilhaftere ist. Weiterhin können viele technische Berechnungen wie Drehzahlen, Schnittgeschwindigkeiten, Maschinenzeiten u. a. m. an den verschiedenen Werkzeugmaschinen durch nachträgliche Messungen der Schüler bestätigt werden. Wir besitzen an unserer Schule ferner eine moderne Zerreißmaschine und ein Universal-Härteprüfgerät und sind dadurch in der Lage, Werkstoffprüfungen vorzunehmen und auszuwerten.
Selbstverständlich steht dieser Demonstrationsraum auch für den Unterricht in den anderen Klassen des Metallgewerbes zur Verfügung.
Die Werkzeugmacherlehrlinge werden mit den z. Z. an Zahl geringeren Dreherlehrlingen gemeinsam unterrichtet. Außerdem befinden sich in den Klassen der Werkzeugmacher und Dreher einige Universalfräser und Feinschleifer. Diese letztgenannten Berufe sind erst in letzter Zeit zu Lehrberufen mit dreijähriger Lehrzeit erklärt worden.
Unsere Schule ist ständig bemüht, die Versuche der technischen Entwicklung entsprechend weiter zu vervollständi-gen und auszubauen. Für die Versuche steht dem Lehrer bei Bedarf ein Werkmeister zur Seite, der außerdem mit der Aufgabe betraut ist, neue Anschauungsmittel anzufertigen. Auch die Ausführung von Versuchen wird vorher gemeinsam beraten und festgelegt.
A. Gewerbliche Abteilung
2. Maschinenschlosser und Maschinenbauer
In unserer technischen Zeit steht der Maschinenbau an einer bedeutsamen Stelle. Ohne Maschinen ist heute unser Leben kaum noch denkbar. Sie ersparen uns, wo auch immer, körperliche Arbeit und viel Zeit. Darüber hinaus arbeiten sie oft genauer als der Mensch.
Die Hauptaufgabe des Maschinenschlossers (Industrie) und des Maschinenbauers (Handwerk) ist es, aus vielen Einzelteilen oder Maschinenelementen eine Maschine zusammenzubauen. Diese Tätigkeit verlangt sehr genaue und ausdauernde Arbeit. Hierin den jungen Menschen zu erziehen, ist eine der wesentlichen Aufgaben von Schule und Betrieb. Berechnungen mit Abmessungen von Millimeterbruchteilen sind keine Seltenheit. Maschinenschlosser und Maschinenbauer müssen sich in der Bearbeitung und Behandlung der vielen verwendeten Metalle und Kunststoffe auskennen. Ihr Arbeitsplatz ist oft die Werkbank, die Maschinenhalle und der Montageplatz außerhalb des Betriebes. Diese Tätigkeit ist mit sorgfältigster Einpaßarbeit verbunden, die ein exaktes Lesen von Zeichnungen und aenaues Berechnen erfordert.
Die Berufe des Maschinenschlossers und des Maschinenbauers gehören zu den wichtigsten Metallberufen und erfordern daher eine umfassende Ausbildung. In der 3½jährigen Lehrzeit, die mit der Facharbeiter- bzw. Gesellenprüfung abschließt, werden in praktischer und theoretischer Hinsicht vielseitige Kenntnisse vermittelt. Es sollten nur solche Jungen diesen Beruf ergreifen, die mindestens den Abschluss der Volksschule nachweisen können.
Die Ausbildung der Lehrlinge - es gibt zur Zeit je zwei Parallelklassen für die aufsteigenden Jahrgänge - erfolgt durch fachlich und pädagogisch gut vorgebildete Lehrer und Meister. Da ein Unterricht stets zeit- und lebensnah zu erfolgen hat, müßte den Lehrern in bestimmten Zeitabständen die Möglichkeit gegeben werden, sich fachlich weiterzubilden.
Die Ausbildung in der Schule befaßt sich in der Fachkunde mit den Arbeitsverfahren, Werkzeugen, Werkstoffen und der Unfallverhütung. Ergänzt wird dieser Unterricht durch das Fachrechnen. Hier werden die in der Berufsarbeit vorkommenden fachlichen Berechnungen durch Kopfrechnen, Schätzen, formelmäßiges Ausrechnen, Ablesen aus Zahlentafeln und Tabellenbüchern geübt.
Das Fachrechnen ist die naturgesetzmäßige Durchdringung und Vertiefung der Fachkunde und daher mit dieser untrennbar verbunden. Das wichtigste Fach dürfte jedoch das Fachzeichnen sein, da hierin neben der Vermittlung berufsbedingter Kenntnisse auch sehr große erziehliche Werte liegen. Die Aufgabe dieses Faches liegt im Lesen und Fertigen von Zeichnungen. Erreicht wird dies durch Anfertigen von Skizzen, genauen Zeichnungen, Umzeichnungsübungen sowie durch Vermittlung der DlN-Vorschrif-ten, Zeichenregeln und geometrischen Konstruktionen. Fachzeichnen sollte niemals unabhängig von der Fachkunde und dem Fachrechnen unterrichtet werden.
Damit ein Erfolg der Ausbildung erreicht wird, sind vielseitige methodische Hilfsmittel, wie Bild, Film und praktische Anschauungsstücke notwendig. Unsere Schule ist in dieser Hinsicht verhältnismäßig gut ausgerüstet. Daneben werden zur Ergänzung praktische Unterrichtsversuche durchgeführt. Sie dienen ebenfalls der Anschauung und vertiefen den Unterrichtsstoff. Dafür stehen dem Metallgewerbe verschiedene Demonstrationsräume zur Verfügung. Ergänzt wird die Erziehungsarbeit durch häufigere Konsultationen von Lehrer und Ausbildungsleitern.
Nach Bestehen der LehrAbschlussprüfung kann sich der Maschinenschlosser bzw. Maschinenbauer spezialisieren oder in andersgeartete Betriebe auf Grund der vielseitigen Ausbildung überwechseln. Bei Eignung ist es ihm möglich, als Monteur eines Betriebes im Ausland zu arbeiten. Nach Einarbeitung in den Antriebsmaschinenbau besteht für ihn die Möglichkeit, als Maschinist zur See zu fahren. Durch eine zusätzliche Ausbildung kann er Kalkulator, Arbeitsvorbereiter, Maschinenmeister oder Meister werden. Bei guter Begabung und Fleiß steht ihm der Weg über die staatlichen Ingenieurschulen zum Ingenieur offen.
A. Gewerbliche Abteilung
3. Kraftfahrzeugmechaniker und Landmaschinenmechaniker
Die technische Entwicklung hat ein atemberaubendes Tempo angenommen. Das hat zur Folge, daß die an den Menschen gestellten Anforderungen immer größer werden. Denken wir nur etwa daran, wie kompliziert ein moderner Fahrzeugmotor ist, dann werden wir sehr schnell einsehen, daß wir ohne eine solide Grundausbildung der Technik einfach nicht mehr folgen können. Die Vielfalt der Anforderungen zwingt uns auch zu einer Intensivierung der Berufsausbildung. Daher ist die Arbeit von Betrieb und Berufsschule heute so verzahnt, daß ein Teil ohne den anderen nicht arbeiten kann.
Zwei Berufe, die für Jungen eine besonders große Anziehungskraft besitzen, sind der Kfz-Mechaniker und der Landmaschinen-Mechaniker. Zu den letzteren sind auch z. T. die Schmiede zu rechnen. Der Ansturm auf diese technisch hochinteressanten Berufe ist so stark, daß wir in der Berufsschule in Mölln zwischen 9 und 12 Fachklassen für diese beiden Berufsgruppen haben, jeweils 2 Parallelklassen für Kfz-Mechaniker und eine Klasse je Jahrgang für die Landmaschinen-Mechaniker und Schmiede, in der Regel also stets mehrere aufsteigende Parallelklassen.
Soll die Berufsschule ihrem Auftrag gerecht werden, diese jungen Menschen zu erziehen und fachlich zu bilden, so muß sie modern eingerichtet sein. Dank dem Verständnis unseres Kreises sind wir in der glücklichen Lage, weitgehend die Voraussetzungen für einen möglichst anschaulichen Unterricht in den Fachklassen der Kfz-Mechaniker und Landmaschinen-Mechaniker zu besitzen.
Neben den eigentlichen Klassenräumen steht ein Kraftmaschinenraum zur Verfügung. Dieser enthält eine Dampfmaschine, eine Turbine, einen Otto- und einen Dieselmotor sowie eine Pumpenanlage. Alle Maschinen sind so eingerichtet, daß die verschiedensten Messungen durchgeführt werden können. Besonders hervorzuheben ist die Wasserwirbelbremse, die für die beiden Motoren installiert ist. Hier können die Motoren genau überprüft und ihre Leistung gemessen werden.
Von großem Wert ist auch die umfangreiche Lehrmittelsammlung. Sie enthält sehr viele Teile, die im Unterricht eingesetzt werden, wie z. B. Motorenteile, Kolben, Filter, Kraftstoffpumpen, Schnittmodelle, Bildtafeln usw.
Neben dem Kraftmaschinenraum stehen den Schülern dieser Klassen natürlich auch alle anderen Demonstrationsräume der Schule (Schmiede, Schweißwerkstatt, Kunststoffraum usw.) zur Verfügung. So ist es uns also möglich, die Theorie durch die Demonstration praktischer Versuche zu untermauern.
A. Gewerbliche Abteilung
Die Fachklassen für Elektriker umfassen in jedem Jahrgang zwei Parallelklassen zu durchschnittlich 25 Schülern. Dieser Beruf gehört zu denjenigen, deren Lehrzeit wegen der nötigen vielseitigen Kenntnisse auf 3½ Jahre ausgedehnt wurde. In den Fachklassen der Elektroinstallateure erhalten die Lehrlinge der elektrotechnischen Berufe aus Handwerk (Elektroinstallateure) und Industrie (Starkstrom-Elektriker) ihren wöchentlichen achtstündige Berufsschulunterricht. Im 1. und 2. Lehrjahr kommen hierzu noch die handwerklichen Elektromaschinenbauer-Lehrlinge unseres Kreises.
Angesichts der großen Bedeutung der Elektrotechnik und der daraus erwachsenden Aufgaben der genannten Berufe ist es das Ziel der Berufsschule, dem jungen Menschen, der den Beruf des Elektrikers gewählt hat, neben dem unumgänglichen technischen Wissen seine Stellung als Fachmann und Staatsbürger in der modernen Industriegesellschaft bewußt zu machen. Diese Ziele können nur in enger Zusammenarbeit mit den Lehrbetrieben erreicht werden.
Für den Unterricht sind 2 Klassenräume vorhanden, die die technischen Voraussetzungen für die Durchführung und den weiteren Ausbau der Anlagen bieten. Elektrotechnisch ist besonders hervorzuheben eine umfassende Stromversorgung mit allen erforderlichen Spannungsarten und einer der Praxis entsprechenden Leistung (Drehstrom 400 V; Gleichstrom 250 V; jeweils bis 25 kW). Wandauslässe mit Anschlußtafeln ermöglichen die Bildung von Schülerarbeitsgruppen, sodaß weitgehende Eigentätigkeit der Schüler im Sinne der "Praktischen Fachkunde" möglich ist. Ein weiterer Ausbau ist wünschenswert, weil der Schüler in diesem Unterrichtsverfahren die für ihn wichtigen Naturgesetze "nachentdeckt", ihre technische Anwendung "nacherfindet" und die speziellen Arbeitsverfahren verstehend handhabt. Die Überfülle der hierzu nötigen Geräte verschiedenster Art für Vorbereitung und Durchführung des Unterrichts erfordert einen Lehrmittelraum, der in der neuen Schule schon jetzt bis zur Decke ausgenutzt ist. Im übrigen steht auch für die Elektriker die Mehrzweckwerkstatt der Metallberufe mit ihren Einrichtungen bereit.
A. Gewerbliche Abteilung
Im Rahmen der gewerblichen Abteilung werden an der Kreisberufsschule durchschnittlich 75 Lehrlinge des Klempner- und Installateurhandwerks unterrichtet. Diese Lehrlingszahl erlaubt die Ausbildung in aufsteigenden Fachklassen, der theoretische Unterricht kann sich daher fortlaufend über die ganze Lehrzeit erstrecken.
Der Doppelberuf Klempner und Installateur wird in 3½'/2 Jahren erlernt, während für die Klempner- oder Installateurlehre 3 Jahre vorgeschrieben sind. Der "Nur-Klempner" gehört heute zu den Ausnahmen, dagegen beträgt der Anteil der Installateure für Gas und Wasser und für den Zentralheizungsbau in jedem Lehrjahr etwa ein Fünftel. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, zweimal im Jahr LehrAbschlussprüfungen durchzuführen. Die Vorbereitung erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Prüfungsausschuß der Innung. Abgenommen werden die Prüfungen in den Räumen der Schule, und zwar sowohl der fachtheoretische als auch der praktische Teil.
Außerdem dienen der praktischen Ausbildung der Lehrlinge die von der Innung zur Verfügung gestellten Maschinen, Werkzeuge und Materialien. In zusätzlichen, nach der Schulzeit stattfindenden Lehrgängen werden Arbeiten ausgeführt, die im normalen Ablauf der Lehre zu kurz kommen und einer Vertiefung bedürfen. Vor allem ist hier die Grundausbildung in der modernen Schweißlehrwerkstatt zu nennen.
Zur Schule gehört außerdem eine Demonstrationswerkstatt. Hier sollen keine Fertigkeiten erworben und geübt werden, vielmehr dient diese Werkstatt der sogenannten Praktischen Fachkunde, die in methodisch ganz anderer Gestaltung aus dem Klassenraum hierher verlegt worden ist. Unter der Leitung des Lehrers, unterstützt vom Werkmeister, sollen die Lehrlinge bestimmte Gesetzmäßigkeiten technologischer und naturwissenschaftlicher Art erkennen, die im Klassenunterricht nicht gut zu veranschaulichen sind. Die Selbsttätigkeit der Schüler in Verbindung mit weitgehender Einheit von Theorie und Praxis ist ein wesentliches Merkmal dieses Unterrichts.
Den Klempner- und Installateurlehrlingen steht ein dem Klassenraum zugeordneter etwa 60 m2 großer Demonstrations- und Übungsraum zur Verfügung. Er ist mit zahlreichen Geräten und Einrichtungen der Gas- und Wasserinstallation ausgestattet. Hier wird z. B. das Einstellen der Gaswasserheizer geübt, hier werden die Wirkungsgrade der Geräte gemessen und berechnet. Für Klempnerarbeiten stehen Werkbänke bereit, damit z. B. im Unterricht gezeichnete Abwicklungen auf Zinkblech angerissen und zugeschnitten werden können.
A. Gewerbliche Abteilung
Für den Gesellen bestand früher, zur Zeit der Zünfte, Wanderzwang, damit er seine Kenntnisse erweitern konnte, um später die Meisterprüfung ablegen zu können. Der Schlosser fertigte damals nicht nur Schlösser an, sondern auch Kunstgegenstände, wie Gitter, Tore, Türen und vieles mehr. Durch die fortschreitende Technik entwickelten sich immer mehr Schlosserberufe. Einige Hauptgruppen sind Betriebsschlosser, Maschinenschlosser, Maschinenbauer, Reparaturschlosser, Blechschlosser, Stahlbauschlosser Drahtschlosser usw.
Der Bauschlosser ist wohl der eigentliche Nachfolger des Schloßbauers. Allerdings hat sich sein Berufsbild sehr geändert. Schlösser und Beschläge werden heute von Fabriken hergestellt. Der Bauschlosser ist dagegen mehr mit der Bauwirtschaft verbunden. Zu seinen Haupttätigkeiten zählt das Anfertigen von Türen, Toren, Gittern, Beschlägen, Markisen, Treppen, Geländern für Balkone, Kunstschmiedegegenständen usw. Von der Anfertigung der Schlösser selbst ist wenig geblieben, fast nur die Reparatur.
Um alle diese Arbeiten ausführen zu können, müssen umfangreiche Kenntnisse von den Werkstoffen und deren Verarbeitung erworben werden. Diese Kenntnisse werden in einer dreijährigen Lehrzeit vermittelt. Zur theoretischen Ergänzung besucht der Lehrling die Berufsschule. Es be-stehen hier aufsteigende Fachklassen für Bauschlosser. Neben dem theoretischen Unterricht erhält der Lehrling auch eine Unterweisung an Maschinen, um in fachpraktischen Versuchen die Theorie zu vertiefen. So lernt er z. B. Schnittgeschwindigkeit, Standzeit, Festigkeit usw. kennen. Hierfür werden die Räume des Metallgewerbes mit benutzt.
Nach Bestehen der Gesellenprüfung besteht die Möglichkeit, an einer Ausbildung im Schweißen teilzunehmen, die zur Schweißfachmannprüfung führt. Auch kann der Schlossergeselle die Meisterprüfung ablegen, um sich später selbständig zu machen.
A. Gewerbliche Abteilung
Der Mensch, er sei behaust oder unbehaust, braucht das Haus. Moderne Häuser zu bauen: darauf ruht die Tradition des Bauhandwerks.
Nach wie vor liegt die Ausbildung beim Handwerksmeister in guten Händen. Die Berufsschule bemüht sich um die Theorie. Im Mittelpunkt des Unterrichts steht die Fachkunde, dazu treten Fachrechnen und Fachzeichnen. Das Bauhandwerk umfaßt die verschiedenen traditionellen Handwerksberufe, die an der Kreisberufsschule durch die Maurer und Zimmerer vertreten sind. Aus Gründen der Arbeitstechnik sind im Rahmen der Schule auch die Fachklassen der Maler den Bauhandwerkern angeschlossen.
Der Maurerlehrling lernt das Material kennen, mit dem er arbeitet Mörtel, Mauersteine, Beton. Wichtiger noch ist die Herstellung der Bauteile Mauerwerk aller Art, Putz, Beton- und Stahlbeton-Bauteile. um nur die wichtigsten zu nennen. Dazu treten Arbeiten, die nur mittelbar der Herstellung des Werkstücks dienen: Pflege des Werkzeugs, Gerüstbau, Einrichten der Baustelle u. a.
Tafel und Kreide treten bei der Veranschaulichung mehr und mehr zugunsten praxisnaher Mittel zurück, nachdem die Maurer und die Maler den eigens für ihre Ausbildung errichteten Gebäudeteil der Kreisberufsschule bezogen haben. In dem unmittelbar neben dem Klassenraum gelegenen Baustoffprüfraum können chemische und physikalische Versuche, Druck- und Biegezugprüfungen, wie die Praxis sie verlangt, ausgeführt werden. In der mehr als 300 m2 großen Werkstatt ist sowohl Demonstrieren als auch Üben möglich. Das Werkstück selbst, dessen sachgerechte, rationelle Herstellung das Ziel der Ausbildung ist, bildet den Ausgangspunkt. Der Wert dieses jüngsten Bauabschnittes der Kreisberufsschule liegt nicht zuletzt in dem glücklichen Zusammenhang seiner Räume, zu denen auch Umkleideraum, Duschraum und Toiletten gehören.
A. Gewerbliche Abteilung
Nicht durch Material und Arbeitstechnik, wohl aber durch die Arbeit auf der Baustelle fühlen sich die Zimmerer mit den Maurern verbunden als die Handwerker, welche den Rohbau errichten, der allen anderen am Bau beteiligten Handwerkern die Voraussetzung ihrer Tätigkeit gibt.
Der Beruf des Zimmermanns ist eines der ältesten Ge-werbe. Heute umfassen seine Tätigkeitsgebiete das Bearbeiten der Hölzer und von deren Verbindungen in der Längs- und Querrichtung, ferner das Vorrichten und das Aufstellen von Fachwerkbauten und Dächern. Der Zimmerer stellt hölzerne Tore und Holzwände her. Ein umfangreiches Aufgabengebiet ist in zunehmendem Maße das Anfertigen und Aufstellen von Einschalungen für Eisenbetonbauten geworden. Ein besonderes Können wird vom Zimmerer auch beim Bau von hölzernen geraden und gewendelten Treppen verlangt. Die hohe Schule aber bleibt das Austragen von Graten, Kehlen und Schiftern bei mehrflächigen Dächern.
Die Kreisberufsschule ist heute in der Lage, dem Zimmererlehrling das Wissen auf allen diesen Arbeitsgebieten in Fachkunde, im Fachrechnen- und im Fachzeichnenunterricht zu vermitteln und es in den neugeschaffenen Demonstrations- und Werkräumen mit Hilfe zahlreicher Versuche zu vertiefen.
Im Maschinenraum kann der Lehrling die Handhabung sowie auch die Unfallgefahren und die Verwendungsmöglichkeiten modernster stationärer und neuzeitlicher Kleinmaschinen erlernen. Ein Anreißraum dient dem praxisnahen Aufreißen von Treppen und dem Austragen von Schiftungen.
A. Gewerbliche Abteilung
Manchmal berühren sich die Arbeitsgebiete von Tischler und Zimmerer - die aber zum Bauhandwerk gehören -, etwa bei Dachausbauten und beim Treppenbau. Die Arbeit am Haus stellt aber nur einen Teil der Tätigkeit der Tischler dar, die heute nur nach als Bau- und Möbeltischler das Holzgewerbe an der Kreisberufsschule vertreten. Dies liegt daran, daß in Norddeutschland nicht mehr die in anderen Gebieten noch anzutreffende Vielfalt der holzverarbeitenden Berufe, wie Fensterbauer, Wagenbauer, Stuhlbauer, Büttner u. a. besteht.
Noch um die Mitte der fünfziger Jahre gab es an unserer Kreisberufsschule 9 Tischlerklassen je 3 Unter-, Mittel- und Oberstufen bei einer durchschnittlichen Klassenstärke von 30 Schülern. Infolge der geburtenschwachen Kriegsjahrgänge und durch Abwanderung zahlreicher Flüchtlingsfamilien in andere Bundesländer ging die Zahl der Lehrlinge immer mehr zurück, die Zahl der Tischlerlehrlinge nahm durch die Verlagerung der Berufswünsche auf andere Berufe, z. B. Metall und Kfz, besonders stark ab. Daher gibt es heute an unserer Schule nur noch 3 Klassen mit insgesamt rund 45 Schülern. Nach einem Tiefstand Anfang der sechziger Jahre ist diese Zahl in den letzten Jahren annähernd gleichgeblieben.
Im umgekehrten Verhältnis zu dem zahlenmäßigen Rückgang steht allerdings die Verbesserung der materiellen Bedingungen des Unterrichts in den Tischlerfachklassen. Gab es bis zum Einzug in das jetzige Gebäude im Jahre 1954 noch nicht eine einzige Hobelbank, kaum Lehr- und Anschauungsmittel, kein Reißbrett DIN A 1, so ist die Abteilung Holzgewerbe heute vorzüglich ausgestattet.
In einem geräumigen Maschinenraum stehen folgende moderne Tischlereimaschinen eine Kreissäge, eine Tischfräsmaschine, eine Bandsäge, eine Bandschleifmaschine, eine Kettenfräse, eine Furniereinrichtung, eine Abrichte, ein Dicktenhobel, dazu verschiedene Schärfmaschinen. Ein weiterer Raum ist jetzt gerade neu mit 10 Hobelbänken und komplett mit Werkzeug ausgestattet worden. Aus dieser kurzen Aufstellung ergibt sich schon, daß bei der Ausstattung ein recht hoher Aufwand an Investitionen nicht gescheut wurde.
In der Klasse stehen außer reichhaltigen Lehrmitteln für jeden Schüler Reißbretter DIN A 2 und DIN A 1 bereit. Besonders begabte Zeichner können ihre Fähigkeiten an einer Nestler-Zeichenmaschine vervollkommnen. Auf Grund dieser günstigen Bedingungen wird in absehbarer Zeit auch für die Tischlerlehrlinge die Praktische Fachkunde verwirklicht werden können. Zu erwähnen sind ferner die jährlichen Maschinenlehrgänge (Dauer 8 Tage) der Holzberufsgenossenschaft, die es seit etwa zehn Jahren gibt. Außerdem ist eine vierwöchige Grundausbildung für das 1. Lehrjahr und eine überbetriebliche Schulung für das 2. und 3. Lehrjahr durch die Innung neu eingeführt worden.
A. Gewerbliche Abteilung
Die Tätigkeit des Malers umfaßt vier Aufgabenbereiche Sachwerterhaltung, Schmuck und Dekoration, Hygiene und Orientierung. Niemand würde sich in Wohnräumen mit gekalkten Wänden heimisch fühlen. In manchen Gegenden Deutschlands werden auch Giebel und Fassaden, Fensterumrahmungen und Nischen dekorativ mit Bild und Schrift geschmückt. Überall dort, wo hygienische Gesichtspunkte berücksichtigt werden müssen, wie z. B. in Krankenhäusern, Küchen und Toiletten, kann der Maler durch geeignete Anstriche und Anstrichtechniken helfen. Viel zu wenig aber ist bekannt, daß die Tätigkeit des Malers auch durch Farbgebung, Beschriftung und durch die verschiedensten Hinweisschilder uns allen die Orientierung erleichtert und, besonders im Industriebereich, zur Verhütung von Unfällen beiträgt.
Alle aufgezählten Tätigkeiten des Malers finden ihre geistige Durchdringung in unserer Schule. Die Unterrichtsfächer Fachkunde, Fachrechnen, Schrift und Fachzeichnen bezwecken, daß der Lehrling mit Material, Arbeits- und Schmucktechniken, Werkzeugen und Geräten vertraut wird. Sowohl im theoretischen Unterricht als auch in Demonstrationsübungen lernt er die Möglichkeiten seines Handwerks kennen und wird gleichzeitig zum Verantwortungsbewußtsein erzogen, indem er immer wieder zu gewissenhafter und sauberer Ausführung seiner Arbeiten ermahnt wird.
Die großzügige Anlage des Neubaues der Kreisberufsschule erleichtert den Lehrkräften die Unterweisung der Lehrlinge. Neben einem Klassenraum umfaßt die Malerabteilung Lehrmittel- und Geräteräume, einen Lackierraum, eine große Werkstatt und einen Duschraum. Die Werkstatt ist mit elf beweglichen Stellwänden ausgestattet. An jeder von ihnen befindet sich ein Türmodell. Diese Wände können zu Zimmerdecken zusammengestellt werden. Dadurch wird für den Lehrling ein wirklichkeitsnahes Üben in den Anstrich- und Tapeziertechniken ermöglicht. Die Malerabteilung ist raum- und einrichtungsmäßig so ausgestattet, daß auch überbetriebliche Schulungen durchgeführt werden können.
A. Gewerbliche Abteilung
Das Bedürfnis der Menschen, schön und gepflegt zu sein, wird von den Friseuren seit Tausenden von Jahren verwirklicht. Die Frisuren haben sich im Laufe der Zeit oft gewandelt und mit ihnen auch der Friseurberuf. Er umfaßt heute neben Damen- und Herrenfriseur auch Kosmetiker, Pediküre, Perückenmacher, Film-, Theater- und Fernsehfriseure.
Im Berufsschulunterricht vermitteln wir den Friseurlehrlingen ein genaues Bild vom anatomischen Bau und von den Lebensvorgängen des Haares und der Haut. Kenntnisse in Histologie und Physiologie lassen den Friseur nicht nur zum Haarkünstler, sondern zugleich auch zum Haarpfleger werden, zu dessen Arbeiten Dauerwellen, Haarfärben, Tönen und Blondieren gehören. Natürlich lernt er auch, modern zu frisieren; dazu schulen wir Geschmacks- und Farbensinn und Formgefühl. Chemische und kosmetische Schulversuche und die Grundzüge der Chemie dienen zur tieferen Begründung der praktischen Arbeit, zum besseren Verstehen des chemischen Ablaufes und der Gebrauchsanweisungen sowie zur verständnisvollen Uberwachung der Arbeit in den Friseurkabinen.
Zur Erfüllung aller praktischen Arbeiten und Aufgaben steht uns ein modern eingerichteter Übungs- und Demonstrationsraum mit 9 Bedienungsplätzen und ca. 14 weiteren Arbeitsplätzen mit Spiegeln zur Verfügung. Auch Haar- und Perückenarbeiten können wir hier ausführen lassen. Neben diesem Raum liegt der neue Kosmetik- und Verkaufsraum, in dem wir kosmetische [Übungen abhalten und nach Bedarf Verkaufsgespräche praktisch durchführen.
Zwei Stunden je Woche gehören der Praktischen Fachkunde, 6 bzw. 7 Stunden dem theoretischen Teil der Ausbildung. Neben der Fachkunde werden die Fächer Fachzeichnen, Fachrechnen sowie Bürger- und Geschäftskunde unterrichtet. Die zahlenmäßig weit überwiegenden weiblichen Lehrlinge erhalten außerdem eine Ausbildung in Heim- und Familienpflege, ein Fach, das Ernährungslehre, Kochen, Kabinettpflege, Gesundheitslehre sowie Kranken- -und Säuglingspflege umfaßt, außerdem Ausgleichsgymnastik. Theorie und Praxis ergänzen sich also in diesen Unterrichtsgebieten.
An unserer Schule werden in 2 mal drei aufsteigenden Klassen (1., 2. und 3. Lehrjahr) rund 150 Friseurlehrlinge beschult, etwa 95% davon sind weibliche. Diese Zahl ist seit Jahren ungefähr konstant. Unsere Räume stellen wir auf Wunsch der Friseurinnung des Kreises, mit der wir gut zusammenarbeiten, für weiterführende Kurse und für Gesellen- und Zwischenprüfungen zur Verfügung.
A. Gewerbliche Abteilung
Dieser Berufszweig umfaßt die Berufe Bäcker, Konditor, Müller, Schlachter, Kellner, Koch sowie Bäckerei- und Schlachtereiverkaufslehrlinge. Wegen der sehr geringen Zahl der Konditoren-, Kellner-, Koch- und Müllerlehrlinge im Kreisgebiet werden diese umgeschult oder besuchen die Landesberufsschule, während Bäcker- und Schlachterlehrlinge in Mölln unterrichtet werden.
Der Fachkundeunterricht erfordert in starkem Maße eine Veranschaulichung zur Erreichung klarer Vorstellungen beim Jugendlichen. Zu diesem Zweck werden Demonstrationsversuche durchgeführt. Für die meisten Versuche in Bäckerfachklassen sind naturgesetzliche Abläufe der Biologie, der Physik und der Chemie die Grundlage. Daher ist im Klassenraum ein Experimentiertisch für Stoff- sowie für mikroskopische und chemische Untersuchungen vorhanden. Neben diesem Raum befindet sich der Demonstrationsraum. Er ist in seiner Größe und Ausstattung außer für Demonstrationsversuche von Schülern oder Schülergruppen auch für außerschulische Fortbildungsveranstaltungen des Bäckerhandwerks geeignet. Hier finden die praktischen Zwischenprüfungen, Backvorführungen von Firmen, Brotprüfungen und Kurse statt.
Es ist nicht das Ziel der Schule, sondern Aufgabe der Meister, die Handfertigkeiten zu fördern und für die praktische Ausbildung zu sorgen. Für die handwerklich-technische Durchführung des Unterrichts stellt sich aber stundenweise ein Bäckermeister zur Verfügung. Die Ergebnisse der Versuche werden dann im Unterricht ausgewertet. Alle Untersuchungen sollen möglichst praxisnah sein. Durch Lehrversuche im Demonstrationsraum lernen die Schüler beobachten, erkennen und urteilen. Die exakte Erfassung des Versuchsablaufes und seiner Ergebnisse bilden dann die Grundlage für die Auswertung im Fachkundeunterricht und die Erarbeitung von Erkenntnissen über die naturgesetzlichen Abläufe im Werkgeschehen.
Nach dem gleichen Prinzip sind auch Klasse und Demonstrationsraum für Schlachterlehrlinge ausgestattet. Für mikroskopische und chemische Untersuchungen ist im Klassenraum der Versuchstisch mit den erforderlichen Anschlüssen vorhanden, im Demonstrationsraum ist eine gut und modern eingerichtete Wurstküche mit Wolf, Kutter, Spritze, Rauch, Kochkessel und Alu-Tischen eingerichtet. Dieser Raum ist auch für eine zusätzliche Beschulung des Nachwuchses im Schlachterhandwerk geeignet und dient für die praktischen Zwischenprüfungen.
Die Verkaufslehrlinge im Bäcker- und Schlachterhandwerk erhalten neben den üblichen Fächern auch Unterricht in Plakatschrift, Buchführung, Verkaufskunde, berufsbezogenem Backen und Kochen sowie in Gesundheits- und Säuglingspflege. In den berufsbezogenen back- und kochtechnischen Übungen gewinnen sie Kenntnisse, die zur Beratung der Kunden erforderlich sind. Bandaufnahmegeräte dienen zur Übung und Korrektur von Verkaufs-gesprächen, und ein eingebautes Schaufenster wird für Dekorationsübungen benutzt.
A. Gewerbliche Abteilung
Viele Berufe im Bekleidungsgewerbe werden in der Hauptsache von Frauen ausgeübt Schneiderinnen für Damenoberbekleidung, Industrieschneiderinnen für Damen- und Herrenoberbekleidung, Wäscheschneiderinnen und Näherinnen für alle Sparten.
Die Kreisberufsschule Mölln unterrichtet Schneiderinnen für Damenoberbekleidung, Industrieschneiderinnen für Damenoberbekleidung und Näherinnen der Kleider- und Mantelkonfektion. Die Schneiderinnen und die Industrieschneiderinnen werden unter Berücksichtigung der Besonderheiten ihres Berufes in einer Klasse gemeinsam unterrichtet. Da der Näherinnenberuf ein Anlernberuf mit einer kürzeren Ausbildungszeit von 1½ Jahren ist, werden diese Schülerinnen für sich in einer besonderen Fachklasse zusammengefaßt. Diese Schülerinnen werden in der gewerblichen Abteilung in folgenden Fächern unterrichtet: Bürger-, Geschäfts-, Fachkunde, Fachrechnen, Fachzeichnen, Facharbeit, Heim- und Familienpflege und Gymnastik. Bei der Ausbildung des Nachwuchses arbeiten Handwerk, Industrie und Schule eng zusammen. Die Schule bemüht sich im Unterricht um eine möglichst gründliche Erfassung und Beherrschung aller Kenntnisse und Fertigkeiten, die mit der Berufsarbeit in Zusammenhang stehen.
Der Fachunterricht vermittelt die Kenntnisse über die Materialien, mit denen der Lehrling zu tun hat, und macht die Schülerinnen mit den einschlägigen Werkzeugen und Maschinen bekannt. Die Geschmacksbildung erfolgt nicht nur theoretisch, sondern anschauliche Erläuterungen am Gegenstand sorgen auch für eine wirksame Verbindung von Theorie und Praxis. Für die praktische Arbeit in der Schule stehen Schmuck- und Verzierungstechniken im Rahmen der Geschmacksbildung im Vordergrund, weil in der Lehrwerkstatt aus Zeitmangel diese Schulung meist nicht genügend berücksichtigt werden kann und die Schmucktechnik sehr stark dem Zeitgeschmack unterworfen ist. Der Lehrplan dieses Faches muß deshalb auch auf Zeit- und Modeströmungen eingehen - es ist wichtig, die Schülerinnen zur Urteilsfähigkeit und zur gesunden Kritik zu erziehen; denn junge Menschen neigen nun einmal dazu, alles schön zu finden, was Modezeitschriften und Massenmedien usw. ihnen vorführen
A. Gewerbliche Abteilung
Alle Berufsschüler, die nicht in einem Lehr- oder Anlernverhältnis stehen, besuchen die Jungarbeiterklassen (z. Z. 3 Klassen) unserer Berufsschule.
Man kann diese Jugendlichen in drei Gruppen einteilen: zunächst Jungen, die aus den verschiedensten Gründen keine Lehre erfolgreich beenden können oder auch nicht dazu imstande sind, ferner solche, die möglichst schnell Geld verdienen wollen oder müssen und daher eine Arbeit ohne vorherige Lehre angenommen haben sowie schließlich Jungen, die nur vorübergehend noch keine Lehrstelle haben, also nur zeitweilig am Unterricht teilnehmen.
Fast alle befinden sich in einem festen Arbeitsverhältnis als Hilfsarbeiter, Handlanger, Boten, Beifahrer usw., kommen also aus den verschiedensten, vor allem gewerblichen Berufen. Sie sind schulpflichtig bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres. Aus dem Charakter der beruflichen Arbeit der Schüler ergibt sich, daß an die Erzieher sowohl vom Pädagogischen als auch vom Inhalt des Unterrichts her besondere Anforderungen gestellt werden. Das Ziel der Bildungsarbeit besteht darin, die Jugendlichen zu verantwortungsbewußten und für die Mitarbeit im Leben der Gemeinschaft aufgeschlossenen Bürgern zu erziehen, wobei auf die Tätigkeit des einzelnen Rücksicht genommen werden muß.
Außer in Bürgerkunde, Rechnen und Geschäftskunde werden die Jungen in Berufs- und Werkkunde unterrichtet. Dieser Unterricht wird je nach der Zusammensetzung der Klassen und entsprechend dem Einsatz der Jugendlichen im Betrieb gestaltet.
Ergänzt wird der Unterricht durch praktische Werkarbeit, wobei Holz, Metall und sonstige Werkstoffe be- und verarbeitet werden. Hier kommen die in der Berufs- und Werkkunde und im Rechnen erworbenen Kenntnisse zur Anwendung. Die Schüler erleben die Entstehung eines Werkstückes vom Entwurf bis zum Fertigteil. Im Zeitalter der Arbeitsteilung gewinnt dieser Unterricht ständig an Bedeutung. Manch einer entdeckt hier ganz neue Begabungen; auch wird bei vielen erstmals die eigene Schaffensfreude geweckt.
Durch vielseitige Schulung in den grundlegenden Handfertigkeiten wird versucht, den Bedürfnissen möglichst vieler zu entsprechen, zumal häufiger Arbeitsplatzwechsel dieser Jugendlichen an der Tagesordnung ist. Weil die Berufsschule für fast alle Jungarbeiter der letzte Teil ihres Ausbildungsweges ist, kommt der Erziehungsarbeit in den Jungarbeiterklassen eine besondere Bedeutung zu.
A. Gewerbliche Abteilung
15. Die Kursstätte des Deutschen Verbandes für Schweißtechnik
Der Facharbeiter und der Lehrling, besonders aber der Meister, müssen über eine vielseitige Ausbildung verfügen, um sich ihren Arbeitsplatz zu sichern. Hierzu gehören auch umfangreiche Kenntnisse in der Schweißtechnik. Als Verfahren zur Herstellung einer unlösbaren Verbindung ist das Schweißen heute unentbehrlich geworden. Wollte man vor Erfindung des Schweißens einen Behälter bauen, mußte man viele Löcher bohren, um die Teile durch Schrauben oder Nieten zu verbinden. Durch Schweißen läßt sich ein Werkstück oder Ähnliches viel schneller und mit weniger Material herstellen, von den Reparaturarbeiten ganz abgesehen. Als vor etwa 60 Jahren der erste Schweißbrenner gebaut wurde, ahnte man nicht, welche Entwicklung die Schweißtechnik nehmen würde.
Alle diese Vorteile können aber nur genutzt werden, wenn Fachkräfte da sind, die mit dem Schweißbrenner und mit den Elektro-Schweißgeräten umgehen können und diese vielseitige Technik beherrschen. Die Technik des Schweißens kann jeder, der Interesse hat, in Lehrgängen an einer zugelassenen Kursstätte des Deutschen Verbandes für Schweißtechnik (DVS) erlernen. Nach einem einheitlichen Lehrplan werden die Teilnehmer praktisch und theoretisch ausgebildet und erhalten darüber eine Bescheinigung oder ein Prüfungszeugnis je nach Art des Lehrganges. Die Unkosten sind nach einer Gebührenordnung festgesetzt und vom Teilnehmer zu tragen.
An der Kreisberufsschule in Mölln wird eine solche Kursstätte unterhalten, an der laufend Tages- und Abendlehrgänge durchgeführt werden. Die Kenntnisse der Schweißtechnik wurden schon lange vor dem letzten Krieg in besonderen Lehrgängen vermittelt und als überbetriebliche Ausbildung in den Kellerräumen der damaligen Kreisberufsschule am Gudower Weg durchgeführt. Es waren sogenannte Wanderlehrgänge der Gewerbeförderungsanstalt Hamburg-Altona; an dort wurden auch die Geräte und das Lehrpersonal zur Verfügung gestellt. Diese Lehrgänge waren immer gut besucht, besonders von den metallverarbeitenden Berufen, und wurden nach dem 2. Weltkrieg mit Unterstützung der Handwerkskammer Lübeck wieder aufgenommen.
Innerhalb des 2. Bauabschnittes der Kreisberufsschule wurde eine Autogen- und Elektro-Schweißwerkstatt mit einem Unterrichtsraum sowie Nebenräumen als eigene Kursstätte eingerichtet. Mit dem DVS-Landesverband Hamburg wurde hierüber ein Vertrag abgeschlossen.
Wir verfügen heute über einen E-Schweißraum mit 8 Arbeitsplätzen. Der Raum hat eine moderne Klimaanlage, Transformatoren, Gleichrichter und Umformer sowie Schneidemaschinen, eine Prüfmaschine usw. Der Autogen-Schweißraum hat 15 Arbeitsplätze mit den erforderlichen Geräten und Maschinen. Für den theoretischen Unterricht steht ein mit neuzeitlichen Lehrmitteln eingerichteter Klassenraum zur Verfügung. Zu den Nebenräumen gehören Flaschenlager, Materiallager, Waschräume usw. Die Schule besitzt hiermit eine der modernsten Kursstätten.
Ausgebildet wurden seit Bestehen der Kursstätte etwa 1000 Lehrlinge und Gesellen. Es zeichnet sich in letzter Zeit ein sehr starker Aufschwung ab, besonders bei den Lehrlingen, die zur Gesellenprüfung eine Teilnahmebescheinigung vorlegen müssen. Hierzu gehören Klempner-, Installateur-, Heizungsbauer- und Schmiedelehrlinge. Die übrigen Teilnehmer setzen sich vorwiegend aus Kraftfahrzeugmechanikern, Landmaschinenmechanikern, Ma-schinenschlossern, Bau- und Betriebsschlossern u. a. zusammen. Daneben werden auch Schulungen und Lehrgänge für einzelne Firmen durchgeführt.
B. Kaufmännische Abteilung
1. Die bürotechnische Ausbildung in den kaufmännischen Klassen
Im Vorstehenden sind die verschiedenen Sparten der gewerblichen Abteilung unserer Schule in ihrer Vielfalt dargestellt worden. Wenn ähnliche Ausführungen nun auch über die einzelnen Klassen der kaufmännischen Abteilung gegeben werden, so ist deren unterschiedlicher Charakter für den Außenstehenden weniger deutlich erkennbar und auch im Rahmen einer Beschreibung der schulischen Einrichtungen nicht so leicht zu veranschaulichen - aus dem einfachen Grunde, weil in den gewerblichen (ebenso wie etwa auch in den hauswirtschaftlichen) Klassen der praktische Unterricht viel mehr im Mittelpunkt steht, der in entsprechenden Werkräumen, sei es einer Tischler-, einer Malerwerkstatt o. ä., erteilt wird.
Die kaufmännischen Klassen, wie Einzelhandels-, Großhandelsfachklassen usw., sind durch die in den Berufsbildern umrissenen Anforderungen genau gegeneinander abgegrenzt. Der Unterricht ist hier in wesentlich größerem Umfang auf die Darstellung mit bloßen Worten, unterstützt durch eine relativ begrenzte Auswahl von Anschauungsmitteln, angewiesen. Der Unterricht im Maschinenschreib-, im Büromaschinen- sowie im Warenkunderaum tritt hinsichtlich der Stundenzahl nicht so sehr in den Vordergrund wie z. B. die Praktische Fachkunde in gewerblichen Klassen.
Die Stundentafeln aller kaufmännischen Berufsschulklassen sind im Prinzip die gleichen. Zentralfach ist stets die Betriebswirtschaftskunde, die den kaufmännischen Schriftverkehr mit umfaßt, grundsätzlich zusammen zwei Wochenstunden, je nach Fachrichtung in der Form der Einzelhandelsbetriebskunde, der Industriebetriebslehre usw. Hinzu kommen in allen Klassen als kaufmännische Fächer Kaufmännisches Rechnen und Buchführung, in der Regel mit je zwei Stunden.
Mit dem Einzug in den Neubau, der als letzter Bauabschnitt für die kaufmännische Abteilung der Berufsschule fertiggestellt wurde, sind jetzt wesentlich bessere Möglichkeiten für die bürokundliche und bürotechnische Ausbildung in den kaufmännischen Klassen gegeben.
Maschineschreiben als Unterrichtsfach wird in den Klassen der Zweijährigen Handelsschule, der Höheren Handelsschule sowie in den Berufsschulklassen der Bürokaufleute, Büroanlernlinge und Verwaltungslehrlinge erteilt. Erziehung zur Konzentration, zu schnellem Denken und zur Genauigkeit sowie die Pflege der deutschen Sprache zeichnen den Maschinenschreibunterricht aus.
In unserem Schreibmaschinenraum mit 34 mechanischen und elektromechanischen Schreibmaschinen erlernen die Schüler das Zehnfinger-Tastschreiben. Sicherheit und Schnelligkeit im Schreiben und die Anfertigung normgerechter Geschäftsbriefe sind das Ziel des Unterrichts. Der Einsatz von Diktiergeräten, von denen die Schule sechs besitzt, und Übungen in der Diktiertechnik erweitern diesen Unterricht. Die Schüler lernen auch die Vervielfältigungstechniken und die Handhabung der Vervielfältigungsgeräte kennen. Hierfür besitzt die Schule einen Schablonenvervielfältiger und einen Umdrucker. Die Anschaffung eines Vervielfältigungsgerätes, das mit einer fotokopierten Matrize arbeitet, ist geplant.
Neben dem Schreibmaschinenraum, den es schon von jeher an kaufmännischen Schulen gab, liegt als Neueinrichtung der Büromaschinenraum. Vor kurzem sind hier 12 Buchungsmaschinen aufgestellt worden, die Anschaffung von Rechenmaschinen steht bevor.
Im Rahmen des Buchführungsunterrichts lernen Berufs- und Handelsschüler - über die bisher schon stets im Klassenunterricht in praxisgerechter Weise behandelte Durchschreibebuchführung hinaus - die Handhabung von modernsten Buchungsmaschinen kennen, die in vielfältiger Weise programmiert werden können. Da diese Maschinen in den Wirtschaftsbetrieben ein wesentliches Element eines rationell organisierten Betriebsablaufes bilden, können auch die hiermit verbundenen organisatorischen Maßnahmen anschaulich besprochen werden. In Verbindung hiermit steht auch eine Einführung in das Karteiwesen. Hierfür sind Karteiständer mit den zugehörigen Karteien vorhanden.
Hinzukommen wird zu dieser Ausbildung eine Einbeziehung von Rechenmaschinen in den Unterricht, denn der Schüler soll bereits während der Ausbildung befähigt werden, schnell und praxisgerecht zu rechnen. Die Maschine erzieht ihn dazu, die gestellten Aufgaben vor dem Rechengang zu durchdenken und sie in ihrer Anlage und Durchführung zu erfassen. Sodann setzt er die Aufgabe gedanklich in die Symbolik der Maschine um und lernt die entsprechende technische Handhabung, was bei einiger Übung schnell und reibungslos möglich ist. Die Aufgabe, eine Folge von Rechenoperationen auf die Symbolik einer Maschine zu übertragen, entspricht zugleich einer Vorstufe derjenigen Gedankenarbeit, die für das Programmieren von Datenverarbeitungsanlagen zu leisten ist. Mit einem halben Klassensatz, also etwa 12-15 Rechenmaschinen, läßt sich der Unterricht bereits gut durchführen, da jeweils 2 Schüler an einer Maschine arbeiten, wobei abwechselnd der eine den Gang der Aufgabe und die Symbolik der Maschine erarbeitet, der andere maschinell rechnet.
An Unterrichtshilfsmitteln steht den Klassen aller Abteilungen ferner ein Bildwerfer besonderer Art zur Verfügung. Mit ihm lassen sich vorher transparent kopierte Texte, Formulare oder Landkarten an die Wand werfen und nachträglich ausfüllen oder vervollständigen. Dieses Gerät kann im Unterricht der Betriebswirtschaftskunde, des Schriftverkehrs, des technischen Zeichnens, der Wirtschaftsgeographie und der Bürgerkunde eingesetzt werden.
Durch die mit Hilfe aller dieser Geräte mögliche Ausbildung werden die jungen Kaufmannsgehilfen sowie auch die Handelsschüler befähigt, den Anforderungen der verschiedenen Betriebe zu entsprechen.
B. Kaufmännische Abteilung
Gemeinhin spricht man in weiten Kreisen von d e m Einzelhändler und verbindet damit noch heute die Vorstellung der in früheren Zeiten verbreiteten Gemischtwarenläden, in denen man alle Artikel des täglichen Bedarfs erhielt. Im Zeichen der fortschreitenden Spezialisierung sind jedoch die Fachgeschäfte, die bestimmte Waren einer Branche führen, zum vorherrschenden Typ des Einzelhandelsgeschäftes geworden. Es gibt dementsprechend eine Vielzahl von möglichen Fachrichtungen im Einzelhandel, für die Lehrlinge ausgebildet werden: Lebensmittel-, Textil-, Schuhwaren-, Lederwaren-, Haus-halts- und Eisenwaren-, Papierwaren-, Seifenwaren-, Möbelhandel u. a. Von jedem Verkäufer und Kaufmann im Einzelhandel werden Sauberkeit, Freundlichkeit, gute Umgangsformen, verbindliches Auftreten gegenüber der Kundschaft sowie gute Kenntnisse im Rechnen, in der Betriebsorganisation und im Vertragswesen, ferner besonders in der Warenkunde als wesentliche Voraussetzung seiner so wichtigen Stellung im volkswirtschaftlichen Gan-zen erwartet.
Die Bemühungen der Berufsschule zielen deshalb darauf hin, den Lehrlingen neben einer Vertiefung und Erweiterung der Allgemeinbildung die Grundlagen zur Führung eines modernen Einzelhandelsgeschäfts zu vermitteln. Besondere Beachtung wird dabei dem Warenkundeunterricht gewidmet. Durch den Umzug in den neu erstellten Trakt der Kreisberufsschule wurden die Voraussetzungen für einen den heutigen Anforderungen entsprechenden Warenkundeunterricht geschaffen. Die Lehrmittelsammlungen für die Textil- und Lebensmittelfachklassen werden in einem besonderen Raum vollständig neu zusammengestellt und ständig erweitert. Für die übrigen in den Einzelhandelsklassen vertretenen Branchen wird ein fachgerechter Warenkundeunterricht dadurch erschwert, daß die geringe Zahl der Lehrlinge die Bildung eigenständiger Fachklassen nicht erlaubt. Die Vermittlung von Warenkenntnissen wird aber ohnehin hauptsächlich Angelegenheit der Lehrbetriebe bleiben, so daß der Schule mehr die Aufgabe der theoretischen Fundierung zufällt. Trotzdem wäre es wünschenswert, auch den übrigen Lehrlingen Warenkundeunterricht zu erteilen, wobei es durchaus möglich erscheint, geeignete Praktiker für diese Aufgabe heranzuziehen.
In der gegenwärtigen Diskussion um den Beruf des Einzelhandelskaufmanns steht die Forderung nach einem zweiten Berufsbild im Vordergrund. Dieser neue Lehrberuf soll es ermöglichen, den überwiegenden Teil der Lehrlinge zu erfassen, die nie in leitender Position im Einzelhandel tätig sein werden. Die Ausbildung soll ihnen mit dem Lehrziel Verkäufer bzw. Verkäuferin bei nur zweijähriger Dauer eine den heutigen Anforderungen entsprechende Stellung verschaffen. Sowohl die Praxis als auch die Schule würden eine derartige Differenzierung begrüßen, um so dem eigentlichen Kaufmann im Einzelhandel sein verlorengegangenes Gewicht wiederzugeben und vielleicht auch dazu beizutragen, die im Einzelhandel besonders große Personalknappheit zu verringern.
B. Kaufmännische Abteilung
In den letzten Jahren hat sich als Gegensatz zur neuen Berufsrichtung des Bürokaufmanns mehr und mehr der Begriff des Umsatzkaufmanns durchgesetzt. Darunter versteht man selbständige Kaufleute wie auch kaufmännische Angestellte, deren Tätigkeit vor allem auf den Einkauf und den Verkauf von Waren gerichtet ist. In Verbindung hiermit spielen alle die Fragen eine große Rolle, die mit der sachgemäßen Lagerung der Waren und deren verwaltungsmäßiger Erfassung und Überwachung zusammenhängen. Es ist ohne weiteres klar, daß für diese betrieblichen Arbeiten sehr umfassende Warenkenntnisse notwendig sind, die die Großhandelslehrlinge in ihren Lehrbetrieben erwerben müssen.
Im Mittelpunkt des berufsbegleitenden Schulunterrichts steht die Betriebswirtschaftskunde. Der Schüler erwirbt hier die für seine Arbeiten wichtigen rechtlichen Kenntnisse, besonders des Kaufvertrages. Andere wichtige Gebiete sind der Zahlungs- und der Kreditverkehr, Grundlagen der Werbung und der Marktforschung, des Steuerrechts und der Versicherungen ebenso wie Kenntnisse etwa über die Funktionen der Mitarbeiter im Außendienst (Vertreter, Makler, Kommissionär, Spediteur). Da der Großhandel oft eng mit dem Außenhandel verbunden ist, wird auch dieser Bereich in der Betriebswirtschaftskunde berücksichtigt. Dies sind nur einige beliebig herausgegriffene Lehreinheiten, die die Vielseitigkeit dieses Unterrichtsfaches andeuten sollen. Die notwendigen Kenntnisse über bürotechnische Fragen sowie über eine rationelle Betriebsorganisation entsprechen den Gebieten des Unterrichts für Bürokaufleute, nur können sie nicht so vertieft wie bei diesen behandelt werden.
Die Tätigkeit sehr vieler in dieser Richtung ausgebildeter Sachbearbeiter in den Betrieben wird in erheblichem Umfang durch die Korrespondenz mit Kunden und Lieferern bestimmt. Daher bekommt der Unterricht im kaufmännischen Schriftverkehr in Großhandelsklassen besondere Bedeutung und verfolgt das Ziel, daß die Schüler auch schon im Rahmen der Schule eine verhältnismäßig große Selbständigkeit in der Abfassung der gängigen Briefe zum Kaufvertrag erlangen. Sie müssen auch lernen, sich in schwierigere Fälle, die als Situationsaufgaben gestellt werden, hineinzudenken und sich mit der nötigen Gewandtheit brieflich auszudrücken. Selbstverständlich stehen hiermit umfangreiche Kenntnisse, die über die verschiedenartigsten Formulare erforderlich sind, in Verbindung. Im Kaufmännischen Rechnen schließlich wird der Kalkulation, die in vielfältigen Aufgaben geübt wird, besondere Aufmerksamkeit gewidmet.
Alles in allem hat der Großhandelskaufmann als Mittler zwischen Erzeugern und Einzelhändlern eine Stellung, die zwar für den Verbraucher nicht immer so deutlich in Erscheinung tritt, ohne die aber eine funktionsfähige Wirtschaft unmöglich wäre.
B. Kaufmännische Abteilung
Vieles von dem über die Großhandelskaufleute Gesagten gilt auch für den Kaufmann im Industriebetrieb, soweit es sich hier um die Beschaffung der Rohstoffe und den Absatz der Fertigerzeugnisse handelt. In viel stärkerem Maß als bei jenen gewinnen aber alle die Fragen an Bedeutung, die zwischen Beschaffung und Absatz den gesamten innerbetrieblichen Ablauf umfassen, so z. B. besonders die Planung der Produkte, die nur auf einer zuverlässigen Einschätzung der Absatzmöglichkeiten basieren kann, ebenso die Planung der hierfür nötigen Fertigungsanlagen. Wie kompliziert alle diese Planungsarbeiten - nicht zuletzt auch in bezug auf die Kostenplanung - heute in vielen Großbetrieben geworden sind, davon haben auch im eigenen Betrieb oft bei weitem nicht alle Mitarbeiter eine klare Vorstellung. Mit anderen Worten: die Fertigungsabläufe im modernen Großbetrieb haben sich vielfach so sehr kompliziert, daß nur der auf begrenzte Gebiete spezialisierte "Fachmann" wirklich den Anforderungen gewachsen ist.
Eine um so größere Bedeutung gewinnt demgegenüber die Aufgabe, dem angehenden Industriekaufmann - ein Begriff, der heute natürlich nur noch selten im Sinne eines selbständigen Kaufmanns aufzufassen ist, der aber gleichwohl als Bezeichnung des Lehrberufes beibehalten worden ist - die Fähigkeit zur Überschau zu vermitteln. Das Vermögen, einerseits analytisch zu denken, andererseits aber aus technischen Gründen zunächst in unzusammenhängende Einzelvorgänge zerlegte Funktionen zu kombinieren - dieses Vermögen ist eines der Merkmale qualifizierter Arbeit, wie sie heute im Großbetrieb zu leisten ist, der überwiegend ein Industriebetrieb ist. Natürlich gehen in die Berufsschulklassen auch viele Lehrlinge aus kleinen und mittleren Industriebetrieben, aber für sie ist es ebenso wichtig, im Rahmen ihrer Ausbildung diese Probleme kennenzulernen.
Die unmittelbaren Möglichkeiten des Unterrichts sind demgegenüber teilweise recht begrenzt. Es kommt daher schon in der Schule darauf an, unter der Voraussetzung eines bestimmten Maßes an Begabung die hier umrissenen Fähigkeiten zu üben. Der Unterricht im zentralen Fach Industriebetriebslehre steht vor der Notwendigkeit, einerseits in recht großem Maß sachliche Kenntnisse zu vermitteln, die ein aktives Lernen des Schülers erfordern, andererseits aber jene skizzierten Denkfähigkeiten zu schulen. Zu dem erforderlichen sachlichen Wissen gehören etwa die Kenntnis der verschiedenen Fertigungsverfahren, der innerbetrieblichen Organisation, des umfangreichen Gebietes der Kostenrechnung ebenso wie Fragen der Preispolitik.
In stärkerem Maß auch als bei anderen kaufmännischen Fachrichtungen sind Rechnen und Buchführung auf diese im Mittelpunkt stehenden, typisch industriellen Sachge-biete bezogen. Der Betriebsabrechnungsbogen z. B. ist allein ein Lehrinhalt, der in seiner praktischen Erscheinungsform einen solchen Umfang annehmen kann, daß im Unterricht mit starken Vereinfachungen gearbeitet werden muß. Bei all diesen Gebieten ist außerdem zu berücksichtigen, daß heute schon in Betrieben mittlerer Größe in immer stärkerem Maß Datenverarbeitungsanlagen eingesetzt werden. Der Unterricht, der die künftigen Kaufmannsgehilfen hierauf vorbereiten will, steht dadurch vor ganz anderen methodischen Problemen als früher, weil zum Verständnis der in der Praxis ausgeführten Arbeiten doch häufig eine unterrichtliche Behandlung auf konventionelle Weise nicht entbehrt werden kann. Gerade für den in Industriefachklassen unterrichtenden Lehrer ist die ständige Anpassung an die sich ändernden Arbeitsverfahren der Praxis eine Aufgabe, die viel Mühe bei der Unterrichtsvorbereitung erfordert.
B. Kaufmännische Abteilung
Die Bankfachklassen werden besucht von den Lehrlingen der Sparkassen, Volksbanken und Spar- und Darlehnskassen des Kreises Herzogtum Lauenburg, z. Z. von etwa 110 Lehrlingen. Sie bilden getrennte Klassen für Unter-, Mittel- und Oberstufe. Die Lehrlinge von den Zweigstellen der Privatbanken sind hier nicht eingeschult, da deren Ausbildung von den Zentralen in Hamburg und Lübeck geregelt wird.
Der Unterricht in den Bankklassen weist insofern eine Besonderheit auf, als sich die Spar- und Darlehnskassen in ihren Aufgaben mit der Betonung des landwirtschaftlichen Warengeschäfts von den übrigen Banktypen unterscheiden. Der Unterricht muß darauf Rücksicht nehmen. Die Lehrlinge der Sparkassen legen ihre Abschlussprüfung in Bordesholm am Schleswig-Holsteinischen Verwaltungsseminar ab, diejenigen der Volksbanken und Spar- und Darlehnskassen werden von der Industrie- und Handelskammer geprüft.
Neben Bürgerkunde werden entsprechend dem Lehrplan und der Prüfungsordnunq der Industrie- und Handelskammer Fachkunde als bankpraktisch ausgerichtetes sowie Betriebswirtschaftskunde als mehr rechtlich orientiertes Fach getrennt unterrichtet. Zur Fachkunde gehört auch der Schriftverkehr und das Formularwesen, vor allem im Kreditverkehr. Moderne Betriebsabläufe, wie sie sich aus der Anwendung von Datenverarbeitungsanlagen ergeben, werden hier mit berücksichtigt.
Auch im Rechnen wird der Unterricht auf Maschinen ausgerichtet, und das Lochkartenwesen wird funktional berücksichtigt, obwohl auf schriftliches und mündliches Rechnen nicht verzichtet werden kann.
Der Unterricht in Buchführung teilt sich in eine Einführung in die kaufmännische Buchführung und in die sich anschließende Bankbuchführung unter Berücksichtigung der Bankabteilungen und der Abschlusstechnik.
Die gute Zusammenarbeit zwischen Betrieb und Schule kommt dadurch zum Ausdruck, daß der Unterricht besonders seitens der Sparkassenpraxis des Kreises großzügig unterstützt wird durch die Anfertigung selbst entworfener Lernmittel.
B. Kaufmännische Abteilung
Die traditionelle Einteilung der kaufmännischen Lehrberufe entspricht der Gliederung der Wirtschaft nach Wirtschaftszweigen: Lehrlinge für den Beruf des Einzelhandels-, des Großhandels- und des Industriekaufmanns, außerdem die Lehrlinge der Dienstleistungsbetriebe wie Banken usw. Neben diese durch die entsprechenden Berufsbilder für die Ausbildung klar umrissenen Berufe ist seit 1962 der Lehrberuf des Bürokaufmanns getreten.
In ihm kommt die moderne technische Entwicklung des Büros zum Ausdruck, die zunehmend eine andersgeartete Ausbildung notwendig macht. Die im Büro erforderlichen Kenntnisse über Büromaschinen, Bürogeräte und Bürohilfsmittel, ferner gründliche Kenntnisse der Büroorganisation stehen hierbei im Vordergrund, während dagegen die Tätigkeiten zurücktreten, die unmittelbar mit den vom einzelnen Betrieb geführten Waren zusammenhängen. Für einen im Großbetrieb tätigen Angestellten ist es also bei vielen Büroarbeiten nicht mehr so wesentlich, von diesen Waren vertiefte Kenntnisse zu besitzen. Aus diesen Überlegungen heraus wurde der Lehrberuf des Bürokaufmanns geschaffen.
Das Berufsbild des Bürokaufmanns nennt u. a. folgende Aufgabengebiete Terminplanung und -überwachung, Einrichtung und Führung von Karteien, Anlage und Be-arbeitung von Statistiken, Kostenrechnung und Kalkulation, Verkehr mit Post, Bahn und anderen Verkehrseinrichtungen. Daraus läßt sich erkennen, daß sich die Tätig-keit des Bürokaufmanns vor allem auf innerbetriebliche Vorgänge erstreckt - im Gegensatz zu den "eigentlichen" Industrie- und Großhandelskaufleuten, deren Funktion - soweit sie im ursprünglichen kaufmännischen Sinn ausgeführt wird - immer vom Denken in Marktzusammenhängen bestimmt und auf die Erzielung von Umsätzen gerichtet ist. Neben den genannten bürotechnischen Kenntnissen muß der Bürokaufmann natürlich auch über ein recht umfangreiches betriebswirtschaftliches Wissen verfügen, das der Unterricht im Fach Betriebswirtschaftskunde vermitteln soll.
Im Rahmen dieses Ausbildungszieles, das die Lehrlinge in einer dreijährigen Lehrzeit in Betrieben der verschiedenen Wirtschaftszweige erreichen sollen, will die Berufsschule den Schülern in den Klassen der Bürokaufleute die theoretische Ergänzung zu ihren praktischen Erfahrungen geben, die sie im Betrieb durch Anschauung und durch eigene Tätigkeit erworben haben. Sie will diese praktischen Kenntnisse in einen größeren Zusammenhang einordnen. Somit soll den Lehrlingen eine Gesamtschau über den Wirtschaftsablauf und über die Funktionen innerhalb unserer heutigen arbeitsteiligen Wirtschaft gegeben werden.
Im Unterricht wird besonderes Gewicht auf die Fragen der Organisation des Bürobetriebes und die dort angewandten Hilfsmittel gelegt, wie Schreib-, Diktier- und Vervielfältigungsgeräte sowie Rechen- und Buchungsmaschinen. Auch die Behandlung des Karteiwesens, die Führung von Statistiken und eine Einführung in das Lochkartenwesen gehören zum Unterricht im Fach Betriebswirtschaftskunde. Für alle diese Gebiete ist natürlich der neue Büromaschinenraum, wenn er auch noch nicht voll ausgestattet ist, von besonders großem Wert.
Der Unterricht in den Fächern Kaufmännisches Rechnen und Buchführung entspricht in seinem Umfang nicht ganz demjenigen der vergleichbaren Großhandelsklassen. Dafür treten die Fächer Kurzschrift und Maschinenschreiben hinzu, für die die Unterrichtszeit in den anderen kaufmännischen Klassen nicht ausreicht.
B. Kaufmännische Abteilung
Außer dem noch verhältnismäßig jungen Lehrberuf Bürokaufmann gibt es die Ausbildung der Büroanlernlinge, die auf den Beruf der Bürogehilfin ausgerichtet ist. Es ist dies innerhalb der berufsbegleitenden kaufmännischen Schule die derzeit noch einzige Ausbildung, die auf eine nur zweijährige Dauer bemessen ist und - wie der Name schon sagt - nur für weibliche Anlernlinge in Frage kommt.
Die dieser Ausbildung zugrunde liegende Idee geht davon aus, daß im heutigen Bürobetrieb auch in großer Zahl Kräfte benötigt werden, für die umfassende, in dreijähriger Ausbildung erworbene Kenntnisse auf vielen verschiedenen Gebieten nicht unbedingt nötig sind. Durch die Schaffung dieser kürzeren Ausbildung ist vielen Mädchen der Eintritt in den kaufmännischen Beruf erleichtert worden, zumal für einen großen Teil unter ihnen dieser Beruf keine lebenslang ausgeführte Tätigkeit bleibt Die den Mädchen auf Grund ihrer Vorbildung offenstehenden Tätigkeiten sind vorwiegend die der Stenotypistin sowie einfachere Sachbearbeitungstätigkeiten, wie Kartei arbeiten, Führung von Statistiken u. a. Diese Arbeiten schließen natürlich nicht aus, daß Bürogehilfinnen bei entsprechender Bewährung mit der Zeit durchaus in Stellungen der übrigen kaufmännischen Angestellten aufrücken können, da sich naturgemäß die Ausbildungsunterschiede bei längerer Berufspraxis verwischen.
Die Stundentafel der Klassen der Büroanlernlinge sieht die Fächer der übrigen kaufmännischen Klassen mit nur je einer Wochenstunde (Buchführung erst vom zweiten Jahr ab) vor, dafür aber Kurzschrift und Maschinenschreiben mit je drei Wochenstunden. Vor allem soll die Betriebskunde Kenntnisse der wichtigsten wirtschaftlichen und handelsrechtlichen Vorgänge vermitteln, der Schriftverkehrsunterricht soll die Grundlage für die Abfassung der häufigsten kaufmännischen Briefe und die Ausfüllung der gängigen Formulare schaffen. In Buchführung können nur einfache Grundkenntnisse gelehrt werden, damit den Bürogehilfinnen die Einarbeitung in damit zusammenhängende Büroarbeiten ermöglicht wird. Aus der Stundentafel ergibt sich die ungewöhnlich hohe Zahl von 10 Wochenstunden, für die bedauerlicherweise nur ein Unterrichtstag in der Woche zur Verfügung steht.
Dieser Stundenumfang ist aber erforderlich, weil sonst das für die Bürogehilfinnenprüfung festgelegte Ziel nicht erreicht werden kann. Die im Vergleich zur relativ kurzen Ausbildungsdauer recht hohen Prüfungsanforderungen, besonders in den Fächern Kurzschrift und Maschinenschreiben, bergen die Gefahr, daß die Voraussetzungen für den Beruf der Bürogehilfin bei Beginn der Anlernzeit oft nicht genügend klar erkannt werden. Vor allem wird vielfach unterschätzt, daß für diesen Beruf befriedigende Deutschkenntnisse erforderlich sind, die heute ein großer Teil von Schülerinnen mit VolksSchulabschluss nicht mitbringt. Eine Wochenstunde Deutsch im ersten Anlernjahr kann demgegenüber nicht allzu viel erreichen. Die sogenannte "Mittlere Reife" ist daher wünschenswert.
B. Kaufmännische Abteilung
Die Verwaltungsfachklassen werden von den Lehrlingen aus den Gemeindeverwaltungen (Land- und Stadtgemeinden), den Kreis- und den Amtsverwaltungen besucht. Sie sind als getrennte Klassen für drei Lehrjahre eingerichtet. Die Lehrlinge legen ihre LehrAbschlussprüfung in Bordesholm am Schleswig-Holsteinischen Verwaltungsseminar ab. Bei guten oder befriedigenden Prüfungsleistungen ist eine Ernennung zum Inspektorenanwärter möglich, woran sich eine dreijährige Vorbereitungszeit anschließt, die zur Ernennung zum Inspektor führt.
Der Unterricht ist auf die vielseitigen Anforderungen, die von den Verwaltungsangestellten verlangt werden, abgestimmt. Die allgemeine Rechtskunde bringt einen Überblick über das öffentliche und private Recht. Dazu kommen die Grundzüge des Bürgerlichen Rechts, des Handelsrechts, Teile des Strafgesetzbuches und Grundzüge der Arbeitsgerichtsbarkeit.
Die Staats- und Verwaltungskunde umfaßt Gebiete aus der Staatslehre und dem Verfassungs- und Verwaltungsrecht. Auch das öffentliche Dienstrecht und die Vertragskunde gehören hierher. Dieses Fach bringt neben der Theorie wohl am stärksten die Praxis in den Unterricht, weil es die Organisations- und Bürokunde, außerdem das Haushalts-, Kassen- und Rechnungswesen einschließt. Das Fachrechnen ist auf die Bedürfnisse der Verwaltung abgestellt und umfaßt auch Teile des Bankrechnens.
Die an die Praxis angelehnten Fächer werden von Fachkräften der Verwaltung unterrichtet. Außerdem umfaßt der Unterricht, dem Lehrplan und Berufsbild entsprechend, Kurzschrift, Maschinenschreiben und neben Bürgerkunde auch Deutsch.
Der Umfang und die zunehmende Bedeutung der Verwaltungstätigkeit kommen bei den Verwaltungsklassen in den steigenden Schülerzahlen zum Ausdruck.
B. Kaufmännische Abteilung
Die Zweijährige Handelsschule des Kreises Herzogtum Lauenburg besteht seit 1950 und ist eine Unterrichtseinrichtung für die kaufmännische Grundbildung. Wer diese Schule besuchen will, benötigt das Abschlusszeugnis einer neunklassigen Volksschule oder das Versetzungszeugnis nach Klasse 10 einer Realschule bzw. nach Untersekunda eines Gymnasiums. Der Bewerber muß sich außerdem einer Aufnahmeprüfung unterziehen.
Die Zweijährige Handelsschule ist Bildungs- und Ausbildungsstätte zugleich, denn sie erweitert und vertieft die allgemeine Grundbildung und bereitet ihre Schüler auf die kaufmännische Lehre oder auf Tätigkeiten in kaufmännischen und behördlichen Verwaltungsbüros im unmittelbaren Anschluß an die Schule vor. Ihr Bildungsauftrag ist, geeignete junge Menschen zu tüchtigen Fachkräften und guten Staatsbürgern zu formen. Ihre Bildung soll vor allem aus der Beschäftigung mit ihrer zukünftigen Berufsarbeit erwachsen.
Innerhalb des berufsbildenden Schulwesens wird die Zweijährige Handelsschule als Berufsfachschule geführt. Diese Namensgebung soll sie von den weiterführenden Fachschulen unterscheiden, die eine ausreichende praktische Tätigkeit vor dem Eintritt in die Schule voraussetzen. Die Handelsschule ist für Schüler in den meisten Fällen eine Vorschule für den Abschluss eines kaufmännischen Lehrvertrages mit dem Ziel der Kaufmannsgehilfenprüfung oder für den Eintritt in die öffentliche Verwaltung, für Schülerinnen ist sie dagegen häufig eine berufsvorbereitende Schule, denn Mädchen treten überwiegend im unmittelbaren Anschluß an die Schule als sogenannte "Anfängerinnen" in die kaufmännische Praxis oder in die Verwaltungsbüros ein und sind nach kurzer Einarbeitungszeit voll einsatzfähige Arbeitskräfte.
Die Berufsnähe bestimmt die Unterrichtsarbeit. Die im vorangegangenen Schulbesuch erworbene allgemeine Grundbildung wird fortgeführt und zur kaufmännischen Grundbildung erweitert. Vom allgemeinen Englisch der Volksschule führt der Weg zum Wirtschaftsenglisch, von der Langschrift zur Kurzschrift und zum Maschinenschreiben, vom allgemeinen Rechnen zum kaufmännischen Rechnen und zur Buchführung. Die Betriebswirtschaftskunde ist ein für die Schüler der Handelsschule neues Unterrichtsfach, dessen Grundeinstellung auch die anderen kaufmännischen Fächer als Unterrichtsprinzip bestimmt. In Verbindung mit der Bildungsarbeit steht die charakterliche und politische Erziehung durch das Fach Bürgerkunde.
Die Zweijährige Handelsschule ist eine Schule mit Berechtigungen, denn das Abschlusszeugnis ist demjenigen einer Realschule und der Erreichung der Obersekundareife einer höheren Schule gleichgesetzt. Dieses Abschlusszeugnis gibt folgende Berechtigungen:
Die Abschlussprüfung findet unter Vorsitz eines Vertreters des Kultusministeriums statt. Sie gliedert sich in einen schriftlichen und einen mündlichen Teil.
B. Kaufmännische Abteilung
Die Höhere Handelsschule ist wie die Zweijährige Handelsschule eine berufsvorbereitende Schule. Ihrem Namen entsprechend setzt sie eine höhere Vorbildung als die Handelsschule voraus.
Die Möllner Höhere Handelsschule ist wie alle übrigen Schulen dieser Art des Landes Schleswig-Holstein einjährig und wurde 1954 errichtet. Es werden folgende Schüler und Schülerinnen aufgenommen:
Die Höhere Handelsschule wurde geschaffen, um die genannten Schüler und Schülerinnen so weit vorzubilden, daß sie nach kürzerer Einarbeitungs- oder Lehrzeit gehobene Stellungen in kaufmännischen Berufen oder in der Verwaltung einnehmen können. Besonders Mädchen bevorzugen diesen Weg, weil sie durch die Höhere Handelsschule verhältnismäßig schnell auf eine berufliche Tätigkeit vorbereitet werden und häufig ohne Lehrzeit gut bezahlte Stellungen erhalten. Deshalb gehören zu den Unterrichtsfächern trotz der relativ kurzen Schuldauer auch Maschinenschreiben und Kurzschrift.
In den meisten Bundesländern wird die einjährige Höhere Handelsschule bevorzugt, weil sie ihre Schüler in diesem einen Jahr in wichtigen Fächern etwa so weit wie die Handelsschule ihre Besucher in zwei Jahren fördern kann. Die bessere Vorbildung der Schüler der Höheren Handelsschule ermöglicht den rascheren Unterrichtsgang, weil in Deutsch, in den Fremdsprachen Englisch und Spanisch, in Rechnen und in Wirtschaftsgeographie auf bereits vorhandenen erweiterten Kenntnissen aufgebaut werden kann. Außerdem entsprechen ihre Schüler im Alter denen der Oberstufe der Zweijährigen Handelsschule.
Es besteht Schulgeld- und Lernmittelfreiheit. Der Bewerber wird ohne Aufnahmeprüfung aufgenommen, wenn er ein entsprechendes Versetzungs- oder Abschlusszeugnis vorlegen kann. Die Schulzeit endet mit einer Abschlussprüfung, auf Grund welcher das Abschlusszeugnis erteilt wird.
C. Hauswirtschaftliche Abteilung
1. Die hauswirtschaftliche Berufsschule
Die Klassen der hauswirtschaftlichen Berufsschule, die den größten Teil der hauswirtschaftlichen Abteilung der Kreisberufsschule ausmachen, bestehen sowohl in Mölln als auch in den Außenstellen Ratzeburg, Schwarzenbek und Geesthacht. Die Klassen werden besucht von Hausgehilfinnen, Jungarbeiterinnen und vereinzelt auch von Ladenhilfen. Diese Zusammensetzung und die verschiedene schulische Vorbildung haben häufig einen sehr unterschiedlichen Bildungsstand zur Folge.
Der Unterricht nach dem Lehrplan für die hauswirtschaftliche Berufsschule umfaßt während der drei Jahre des Schulbesuches acht Unterrichtsstunden mit folgenden Fächern:
Aufgabe der hauswirtschaftlichen Berufsschule ist es, dem jungen Mädchen in Ergänzung zu seiner beruflichen Tätigkeit (hier ist zunächst an die Hausgehilfin gedacht) die am Arbeitsplatz notwendigen Kenntnisse zu vermitteln. Darüber hinaus soll es später - das gilt auch für die Jungarbeiterin und für die Ladenhilfe - in der Lage sein, einen eigenen Haushalt zu führen, für das Wohl der Familie und für die Erziehung der Kinder zu sorgen. Einblicke in das politische und wirtschaftliche Geschehen dienen dazu, die Zusammenhänge auf diesen Gebieten besser verstehen zu lernen.
Der Unterricht der hauswirtschaftlichen Berufsschule findet in modernen Klassen und Übungsräumen für die Praxis statt. So stehen in Mölln neben 4 Theorieräumen 2 Küchen, 2 Handarbeitsräume, 1 Haushalts- und Wäschepflegeraum mit angrenzender Waschküche sowie ein Säuglings- und Krankenpflegeraum zur Verfügung. Diese Räume sind alle mit modernen Anschauungsmitteln, wie zum Beispiel anatomischen Modellen und Karten für die Gesundheitspflege, vollständigen Säuglingsausstattungen einschließlich der Bade- und Wickelpuppen für den Säuglingspflegeunterricht und mit den neuesten Maschinen und Geräten ausgestattet.
Für den Unterricht im Kochen stehen eine Reihe von Handrührgeräten und Küchenmaschinen zur Verfügung, die vielseitig eingesetzt werden können; eine Geschirrspülmaschine erleichtert das Abwaschen, ein Tiefkühlschrank und zwei Kühlschränke dienen der Vorratshaltung.
In der Waschküche werden die Mädchen mit der Bedienung einer automatischen Waschmaschine, eines Trockenautomaten und einer Bügelmaschine vertraut gemacht, im Handarbeitsunterricht lernen sie die Anfertigung von Wäsche- und Bekleidungsgegenständen an modernen Nähmaschinen.
In den erwähnten Räumen findet auch der Unterricht für die übrigen Klassen der hauswirtschaftlichen Abteilung statt, ebenfalls für die ländlich-hauswirtschaftlichen Klassen. Die Raume in den Außenstellen sind in ähnlicher Weise wie in der Schule in Mölln ausgestattet worden. Neben dem Lehrplan für die hauswirtschaftlichen Berufsschule gibt es für Jungarbeiterinnen und für Ladenhilfen gesonderte Lehrpläne, nach denen unterrichtet wird, wenn die Mehrzahl der Schülerinnen zu einer dieser Berufsgruppen zählt.
C. Hauswirtschaftliche Abteilung
2. Das hauswirtschaftliche Vollschuljahr
Das Vollschuljahr ist das jüngste Glied der Kreisberufsschule Mölln. Es besteht seit Ostern 1966. Auf Grund der vorhandenen Plätze können bis zu 20 Schülerinnen aufgenommen werden. Das hauswirtschaftliche Vollschuljahr wird als einjähriger Lehrgang durchgeführt und ist als Vollzeitschule anerkannt. Es wird von Schülerinnen besucht, die nach 9jährigem Besuch einer allgemeinbildenden Schule das Ziel der Volksschule nicht erreicht haben. Diese jungen Mädchen sind meist noch nicht berufsreif.
Durch eine umfassende praktische Grundausbildung in der Hauswirtschaft und eine theoretische Weiterbildung in den wichtigsten allgemeinbildenden Fächern sollen die Mädchen so weit gefördert werden, daß sie geistig und körperlich den Anforderungen einer Berufsausbildung besser gewachsen sind.
Der theoretischen Weiterbildung dienen 8 Unterrichtsstunden in der Woche, mit 20 Wochenstunden überwiegt jedoch der praktische Unterricht. Hinzu kommen je 1 Stunde Singen und Gymnastik. Die Unterrichtsfächer sind Deutsch, Bürgerkunde, Religion, Gesundheitspflege, Kranken- und Säuglingspflege, Kleinkindbeschäftigung, Hauswirtschaftliches Rechnen und Buchführung, Kochen mit Nahrungsmittel- und Ernährungslehre, Haushalt- und Wäschepflege, Garten- und Blumenpflege, Handarbeit, Singen, Gymnastik.
Diese Stundenverteilung macht deutlich, daß nicht nur in den Fächern Deutsch, Rechnen und Bürgerkunde die von den Schülerinnen in der Volksschule erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten ergänzt, geübt und gefestigt und ihr Verantwortungsgefühl als junge Staatsbürgerinnen geweckt werden soll, sondern daß die Schülerinnen vornehmlich für eine Tätigkeit im Haushalt und für die Aufgaben einer Hausfrau und Mutter vorbereitet werden sollen. Die jungen Mädchen sollen die Vielseitigkeit der Hausfrauenarbeit kennenlernen, weil neben der sorgfältigen Zubereitung der Nahrung sowie der Pflege und Instandhaltung von Wäsche und Kleidung die Verantwortung für die Gesunderhaltung der Familie, die Betreuung und Erziehung der Kinder in den Händen der Frau liegt.
Zu diesem Schulunterricht kommt für die Mädchen noch an einem Tag in der Woche ein praktischer Einsatz von 6 Stunden in einem Haushalt, im Heim oder Krankenhaus, durch den sie an ein sicheres und selbständiges Arbeiten gewöhnt werden sollen. Den Schülerinnen des Hauswirtschaftlichen Vollschuljahres soll also, soweit wie möglich, eine Hilfe für Beruf und Leben gegeben werden.
Die Ausbildung schafft gute Vorkenntnisse für die Beschäftigung als Hausgehilfin, allerdings sind die Mädchen dann weiter berufsschulpflichtig bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres.
Das Abschlusszeugnis befreit vom hauswirtschaftlichen Unterricht in der gewerblichen und kaufmännischen Berufsschule. Bei guten Abschlussnoten in Handarbeit und Kochen kann eine Befreiung von diesen Fächern in hauswirtschaftlichen und landwirtschaftlichen Berufsschulklassen erfolgen.
C. Hauswirtschaftliche Abteilung
Die Haushaltungsschule ist eine einjährige Berufsfachschule und gehört zur hauswirtschaftlichen Abteilung der Kreisberufsschule. Sie besteht seit 1951. Die Schule umfaßt z. Z. zwei Klassen in Mölln. Im Schulort Geesthacht bestand bis Ostern 1966 eine Klasse; es soll dort wieder eine eingerichtet werden, wenn das neue Schulgebäude, das eine günstigere Lage hat, fertiggestellt ist.
Die Haushaltungsschule wird von Schülerinnen besucht, die die neunte Klasse der Volksschule absolviert oder einen entsprechenden Abschluss an einer anderen allgemeinbildenden Schule haben. Der Unterricht findet täglich statt. Die Schülerinnen kommen aus den Städten des Kreises wie auch aus der näheren und weiteren Umgebung. Das Ziel der Haushaltungsschule ist es, den Schülerinnen das Grundwissen auf hauswirtschaftlichem Gebiet zu vermitteln und darüber hinaus die Kenntnisse in den allgemeinbildenden Fächern zu vertiefen und zu erweitern. Die Fächer teilen sich ein in:
Aus dieser Zusammensetzung der Fächer wird deutlich, daß der Schwerpunkt der Ausbildung auf hauswirtschaftlichem und pflegerischem Gebiet liegt. Wie sich aber immer wieder erweist, ist auch die Vermittlung von Kenntnissen allgemeinbildender Art von wesentlicher Bedeutung, vor allem, wenn die Schülerinnen nach dem Besuch der Haushaltungsschule in eine Berufsausbildung gehen; dabei kann es sich um eine von der Haushaltungsschule unabhängige wie auch um eine Berufsausbildung handeln, die den Besuch der Haushaltungsschule zur Voraussetzung hat.
Die Berechtigungen, die der erfolgreiche Besuch der Haushaltungsschule (Abschlussprüfung) gibt, sind:
Diese letzte Möglichkeit wird gern von Schülerinnen wahrgenommen, die trotz des Volksschulabschlusses oder Nichterlangung des Abschlusszeugnisses einer Realschule in Berufe gehen wollen, bei denen die "Mittlere Reife" vorausgesetzt wird, z. B. Kindergärtnerin oder Hauswirtschaftsleiterin. Die Einrichtung einer Aufbauklasse ist zum Herbst 1967 vorgesehen.
So läßt sich erkennen, daß durch die Ausbildung in der Haushaltungsschule wesentliche Voraussetzungen für weitere Möglichkeiten der Berufsausbildung geschaffen werden.
C. Hauswirtschaftliche Abteilung
4. Die Höhere Frauenfachschule
1958 konnte in Mölln mit Genehmigung des Kultusministers die erste Frauenfachschulklasse I A eröffnet werden. Damit war der Wunsch vieler Eltern in Erfüllung gegangen, ihren Töchtern jedenfalls im ersten Jahr der Frauenfachschule den weiten Weg nach Lübeck zu ersparen.
Im Herbst 1965 wurde durch einen Erlaß der A-Zug der Frauenfachschule in Höhere Frauenfachschule umbenannt, der B-Zug erhielt die Bezeichnung Frauenfachschule. Für Außenstehende ist diese Aufteilung verwirrend. Beide Schulen sind "Vollzeitschulen", in die Schülerinnen mit dem Versetzungszeugnis nach Obersekunda, dem Abschlusszeugnis einer Realschule oder einem gleichwertigen Zeugnis aufgenommen werden können. Die Höhere Frauenfachschule führt in drei Schuljahren und einem Jahr Praktikum zur fachgebundenen Hochschulreife. Die Frauenfachschule ist dagegen eine Berufsfachschule, die zwei Jahre gelenktes Praktikum und zwei Schuljahre umfaßt und mit der Staatsprüfung zur Hauswirtschaftsleiterin abschließt. In der Klasse I beider Richtungen bestehen nur geringe Unterschiede im Fächerplan, und die Schülerinnen der Höheren Frauenfachschule (HF I) können auch in die Oberklasse der Frauenfachschule aufgenommen werden, wenn sie das vorgeschriebene Praktikum abgeleistet haben. Damit den Schülerinnen alle Möglichkeiten für eine weitere Berufsausbildung offenstehen, besuchen in Mölln alle Schülerinnen die Klasse I der Höheren Frauenfachschule.
Die Schülerinnen, die diese Klasse besuchen, kommen selten mit festumrissenen Berufswünschen, die meisten finden erst während dieses Jahres heraus, welchen Beruf sie ergreifen machten. Die Höhere Frauenfachschule bietet viele Möglichkeiten: Von den Begabten hoben die meisten den Wunsch, Volksschullehrerin, manche auch Gewerbe-studienrätin oder Ernährungswissenschaftlerin zu werden. Diese Mädchen müssen nach der HF I und dem hauswirtschaftlichen Praktikum die 2. und 3. Klasse (HF II und HF III) in Lübeck, Kiel oder Flensburg besuchen, um die Hochschulreife zu erlangen. Andere gehen nach dem Besuch der HF I in die Ausbildung zur Kindergärtnerin, Krankenschwester oder Diätassistentin, für die sie diese Vorbildung brauchen. Viele Schülerinnen wählen aber auch Berufe, die in eine ganz andere Richtung gehen, wie Technische Assistentin, Fremdsprachliche Korrespondentin, Gymnastiklehrerin, oder sie ergreifen kaufmännische Berufe.
Der Unterricht gliedert sich in einen wissenschaftlich-allgemeinbildenden Teil mit den Fächern Deutsch, Englisch, Geschichte, Mathematik, Physik, Chemie, Biologie sowie Religion, Musik und Sport, außerdem in einen hauswirtschaftlichen Teil mit den Fächern Ernährungslehre mit Übungen, Betriebslehre mit Übungen, Textile Fachkunde mit Übungen und Werkhaftes Gestalten. Durch diese breite Basis wird nicht nur die Allgemeinbildung vertieft, und erweitert, sondern es werden auch Gebiete angesprochen, die jedes junge Mädchen, auch wenn es keinen hauswirtschaftlichen Beruf ergreift, interessieren und, die es später im eigenen Haushalt nutzbringend anwenden kann.
Die Höhere Frauenfachschule ist somit im wirklichen Sinne des Wortes eine Schule fürs Leben.
C. Hauswirtschaftliche Abteilung
Die Arbeit des Jugendaufbauwerks im Mädelheim Ratzeburg begann 1951 als hauswirtschaftlicher Grundlehrgang. Es ist eine Einrichtung der Inneren Mission und wird vom Sozialministerium mit getragen. Die Kreisberufsschule stellt zum Teil die Lehrkräfte und übt die Schulaufsicht mit aus.
Es werden junge Mädchen für die Dauer eines Jahres aufgenommen, die eine abgeschlossene Schulausbildung haben. In den ersten Jahren dominierten die Mädchen aus Flüchtlingsfamilien. Heute sind es überwiegend Schülerinnen aus ländlichen Gegenden, in denen ein täglicher Besuch der Haushaltungsschule nicht möglich ist.
Die eigentliche Aufgabe des Jugendaufbauwerks ist es, den Mädchen den Übergang von der Schule in den Beruf zu erleichtern. Das Ziel soll sein, jungen Mädchen den Weg in einen sozialen Beruf zu weisen und ihnen mit dem anerkannten Haushaltsjahr die Grundlage für die Berufe Kranken- und Säuglingsschwester, Kinderpflegerin, Kindergärtnerin usw. zu geben. Neben dem täglichen Unterricht nach dem Lehrplan der Haushaltungsschule mit 32-34 Wochenstunden gehören Basteln, Singen und Gym-nastik zum Gesamtplan des Lehrganges. Nach bestan-dener Abschlussprüfung sind die Mädchen vom weiteren Besuch einer hauswirtschaftlichen Berufsschule befreit. Zugleich wird das eine Jahr Grundausbildungslehrgang als volles Lehrjahr für die Hauswirtschaftslehre angerechnet.
Neben dem gemeinsamen Arbeiten und Lernen schafft die besonders schöne Lage des Heimes am Ratzeburger See im Schatten des Domes mit großem Garten, Bootssteg und eigenem Boot eine bleibende Erinnerung für alle, die hier dieses Ausbildungsjahr zugebracht haben.
D. Landwirtschaftliche Abteilung
Es wird heute von schwarzen und weißen Kreisen bei der Wohnraumbewirtschaftung gesprochen - was unseren Heimatkreis Herzogtum Lauenburg angeht, müßte eigentlich von einem "grünen Kreis" gesprochen werden. So hoch ist die Bedeutung der Landwirtschaft einzuschätzen - und mit ihr diejenige der landwirtschaftlichen Abteilung der Kreisberufsschule. Ist es doch ihre Aufgabe, dem ländlichen Nachwuchs in seiner Aus- und Fortbildung eine Hilfe zu sein. Gerade in der heutigen Zeit, in der die Theorie, der Fortschritt und die Technik der Praxis davonzulaufen scheinen, ist diese Hilfe eine Verpflichtung dem Nachwuchs gegenüber. In den Unterrichtsfächern spiegelt sich die Vielfältigkeit der Aufgaben Bürgerkunde, Landwirtschaftliche Fachkunde, Landtechnik, Fachrechnen und Geschäftskunde. In der Fachkunde wird angestrebt, auf die Jahreszeit Rücksicht zu nehmen, also z. B. die Ernte der Kartoffeln nicht gerade im Frühjahr zu besprechen. Neben der Fachrichtung darf aber auch die Charakterbildung, die Formung der eigenen Persönlichkeit nicht zu kurz kommen.
Unser Kreis ist einer der ganz wenigen im Lande, der in der landwirtschaftlichen Abteilung 3 aufsteigende Lehrlingsklassen besitzt, nämlich Unter-, Mittel- und Oberstufe getrennt. Bemerkenswert ist weiter, daß fast alle Lehrlinge VolksSchulabschluss und eine nicht geringe Zahl Realschulabschluss haben. Wir müssen berücksichtigen, daß etwa 90 % der Schüler einmal später Hoferbe sein werden. Die damit verbundene Verantwortung ist den Schülern voll bewußt. Es kommt vor, daß die Schüler von den Eltern regelmäßig wegen schlechter Verkehrsverbindung in die Schule gefahren werden. Es gibt auch sonst viele Anzeichen dafür, daß die Bedeutung der Schule gerade von den Eltern in vollem Umfange anerkannt wird.
Wie sah es dagegen noch vor etwa 10 Jahren aus? Da mußte der Unterricht nachmittags in den Dörfern, in den Volksschulen und in z. T. primitiven Baracken erteilt werden. Lehrlingsklassen waren unbekannt, die Zahl der Lehrlinge verschwindend gering - es hätte vielleicht gerade eben zu einer einzigen Lehrlingsklasse im ganzen Kreisgebiet gereicht. Dementsprechend war auch das Niveau, das in den 6 Unterrichtsstunden - heute sind es 8 - verlangt werden konnte. Ein eigentlicher Unterricht im Hinblick auf die Gehilfenprüfung war unmöglich auf Grund des außerordentlich starken Bildungsgefälles innerhalb der Klassen, das es heute in unseren zentral zusammengefaßten Lehrlingsklassen nicht mehr gibt. Dank des heutigen Ausbaues unserer Schule und der dadurch ermöglichten straffen Leitung und Organisation ist dieses Problem gelöst. Die in der Landwirtschaft beschäftigten Jugendlichen - die also keine Lehrlinge sind - werden auch heute noch in den Außenbezirken Ratzeburg, Schwarzenbek und Sandesneben unterrichtet. Bezeichnend für die Situation ist es, daß sich in diesen Klassen außer im Bezirk Sandesneben keine Bauernsöhne mehr befinden!
Nach der Vollendung des letzten Bauabschnittes unserer Schule sind auch bäuerliche Werkräume im Entstehen, die eine noch engere Verbindung von Theorie und Praxis ermöglichen werden. Wer wollte sich in einer Schule unter solch großzügigen Arbeitsbedingungen nicht wohlfühlen?
D. Landwirtschaftliche Abteilung
2. Ländliche Hauswirtschaftsgehilfinnen
Die in der Hauswirtschaft auf dem Lande tätigen Mädchen werden in der Kreisberufsschule Mölln (Klassen für ländliche Hauswirtschaftslehrlinge) und in den Außenstellen Schwarzenbek, Ratzeburg und Sandesneben (Klassen für ländliche Hausgehilfinnen ohne Lehrvertrag) unterrichtet. Der sehr vielgestaltige Lehrplan umfaßt die Gebiete: Bürgerkunde, Religionsgespräche, Geschäftskunde mit Schriftverkehr, hauswirtschaftliches Rechnen, Haus- und Wäschepflege, Ernährungslehre, Kochen, Nadelarbeit, Gesundheits-, Kranken- und Säuglingspflege, Kinderbetreuung, Gartenarbeit, Tierhaltung und Ausgleichsgymnastik. Da es sich um eine berufsbegleitende Schule handelt, richtet sich der Unterricht z. B. im Gartenbau und Kochen weitgehend nach den jahreszeitlichen Gegebenheiten.
Die ländlichen Hauswirtschaftslehrlinge und alle Bauerntöchter werden immer wieder darauf hingewiesen, wie wichtig eine Lehrzeit im Fremdbetrieb für sie ist. Die Tätigkeit im elterlichen Betrieb wird ja durch die Lehranzeige der Eltern an die Landwirtschaftskammer auf die 3jährige Lehrzeit angerechnet. Der Besuch einer Haushaltungs-, Landfrauen- oder Landwirtschaftsschule (hauswirtschaftliche Abteilung) kann die Lehrzeit um ein halbes Jahr verkürzen. Die Prüfung zur Ländlichen Hauswirtschaftsgehilfin kann aber nicht ohne ein Fremdlehrjahr in einem anerkannten Betrieb mit Lehrvertrag abgelegt werden, denn keine Mutter kann ihrer Tochter diese zielstrebig durchgeführte Lehre in ihrem eigenen Haushalt ersetzen. Die Fremdlehre und die Prüfung geben jedem Mädchen Sicherheit und Urteilsfähigkeit durch Vergleichsmöglichkeiten für ihre spätere Aufgabe als selbständige Hausfrau.
Es ist auch unsere Aufgabe, den Schülerinnen zu zeigen, welche weiteren Berufsmöglichkeiten eine geprüfte Ländliche Hauswirtschaftsgehilfin hat. Je nach Schulbildung oder durch den Zweiten Bildungsweg können später folgende Berufe ausgeübt werden Staatlich geprüfte ländliche Wirtschafterin, Meisterin der ländlichen Hauswirtschaft, Familienhelferin, Gutssekretärin, ländliche Hauswirtschaftsleiterin. Lehrerin der landwirtschaftlichen Haushaltungskunde (Technische Lehrerin und Gewerbestudienrätin), ferner Spezialberufe in Gartenbau und Landwirtschaft.
Für alle sozialen und pflegerischen Berufe kann die ländlich-hauswirtschaftlichen Ausbildung die Grundlage bilden. Daneben soll auch in der Berufsschule die staatsbürgerliche Allgemeinbildung nicht zu kurz kommen.
E. Berufsaufbauschule
Die Berufsaufbauschule ist ein sehr junger Zweig des berufsbildenden Schulwesens. In den ersten Nachkriegsjahren setzte sie sich zuerst auf technischem, später auch auf kaufmännischem Gebiet durch. Sie ist eine Ausbildungsstätte des Zweiten Bildungsweges, da sie nur neben oder nach der Lehrzeit besucht werden kann.
Dieser Ausbildung auf der "mittleren Ebene" darf heute nicht weniger Bedeutung zukommen als der auf der "oberen". Das ist eine Erkenntnis, die besonders in der Wirtschaft immer deutlicher wird durch das große Interesse an Weiterbildungsmöglichkeiten. Die im Beruf Tätigen sollen befähigt werden, den gestiegenen Anforderungen nachzukommen und verantwortungsvollere Arbeitsplätze einzunehmen.
Das Ziel der Berufsaufbauschule ist die Fachschulreife, die im Vergleich zur sogenannten "Mittleren Reife" der allgemeinbildenden Schulen mehr beruflich orientiert ist. Der größere Teil der Absolventen besucht anschließend eine Ingenieurschule, aber auch allen übrigen ermöglicht dieser erweiterte Schulbesuch das Aufsteigen in gehobene Stellungen.
Der Unterricht in der Berufsaufbauschule gliedert sich in die Pflichtfächer Deutsch, Englisch, Geschichte mit Gemeinschaftskunde, Mathematik, Physik und Chemie sowie den fachtheoretischen Unterricht, der je nach der Berufsrichtung Fachrechnen und Technisches Zeichnen oder Betriebswirtschafts- und Volkswirtschaftslehre umfaßt. Auf dieser Grundlage können Jugendliche, die zunächst nur den Volksschul- oder Realschulabschluss hatten, auch den Weg zum Hochschulstudium finden, entweder den berufsgebundenen Weg (Ingenieurschule - Technische Hochschule) oder den Weg über die Reifeprüfung des Hansa-Kollegs zur Universität.
An unserer Kreisberufsschule besteht die Berufsaufbauschule seit 1952. Sie bestand im Durchschnitt aus jeweils 4 bis 5 Klassen. Der Unterricht wurde zuerst abends, später sonnabends und abends erteilt und umfaßte anfangs sechs, später sieben Semester. Da dieser zu so ungünstigen Tageszeiten neben dem Beruf durchgeführte Unterricht auf die Dauer sich als zu anstrengend für die Schüler erwiesen hat, wurde er ab Ostern 1967 zum erstenmal in der Form von Tagesklassen eingerichtet, die bereits nach einem Jahr mit der Fachschulreifeprüfung abschließen. Hier können alle Schüler aufgenommen werden, die ihre technische, kaufmännische, hauswirtschaftliche oder landwirtschaftliche Lehre beendet haben und das Abschlusszeugnis der Volksschule (bzw. Versetzung nach Kl. 10 der Realschule oder die Untersekunda-Reife) mitbringen.
Seit der Gründung unserer Berufsaufbauschule haben über 200 Schüler ihre Fachschulreifeprüfung bestanden und sind von hier aus erfolgreich ihren Weg ins Leben gegangen. Diese Zahl mag an sich relativ niedrig erscheinen, ist aber doch sehr beachtlich, wenn man die oben erwähnten Schwierigkeiten eines Unterrichts neben der Berufstätigkeit berücksichtigt.
Wir hoffen, daß auch in Zukunft recht viele junge Menschen die Bildungschance erkennen, die ihnen hier geboten wird und die ihren Berufsweg maßgeblich mitbestimmen kann.
F. Übergreifende Fächer
Seit Jahren wird an unserer Kreisberufsschule das Religionsgespräch durchgeführt. Um was geht es bei diesem Gespräch, das in jeder Klasse 4 bis 5 mal im Jahr gehalten wird?
Der junge Mensch in der Berufsausbildung steht weit stärker als in der Schulzeit in der Bewährung und verantwortlichen Entscheidung des Glaubens, in dem er erzogen ist und den er in der Konfirmation bekannt hat. Der Herrschaftsanspruch Jesu Christi erstreckt sich auf alle Bereiche des täglichen Lebens, und es kann deshalb dort, wo dieser Anspruch ernst genommen wird, keine abgegrenzten "frommen" oder "weltlichen" Bezirke geben. Bei dieser vor Gott verantwortlichen Entscheidung in den Fragen des täglichen Lebens und bei der Bewährung des Glaubens will das Religionsgespräch helfen. Es geht also in diesem Sinne um Fragen des Glaubens und des christlichen Lebens, die miteinander durchdacht und meist sehr offen und kritisch besprochen werden.
Aufbau, Form und Ablauf eines jeden Religionsgespräches werden natürlich durch das Thema und vor allem durch Art und Zusammensetzung der jeweiligen Klasse bestimmt. Für den Leiter dieser Gespräche kommt es besonders darauf an, nicht nur Kontakt zu bekommen, sondern auch das Vertrauen der Schüler zu gewinnen. Es bleibt nicht aus, daß sich immer wieder ein Gespräch im kleinen Kreise bzw. im Einzelgespräch fortsetzt.
Als Ergänzung über den Rahmen der Stunden hinaus sind die Besuche auf den Dörfern unseres Kreisgebietes zu erwähnen, wo in der Gemeinschaft junger Menschen ähnliche Fragen und Probleme besprochen werden. Außerdem sind die nun schon Tradition gewordenen Skifreizeiten zu nennen, in denen Schüler und Schülerinnen unserer Schule miteinander ihren Urlaub verleben und versuchen, etwas von dem zu verwirklichen, was im Religionsgespräch besprochen worden ist.
Insgesamt: Eine Arbeit mit jungen Menschen, die viel Freude macht.
F. Übergreifende Fächer
Es ist verständlich, daß in den Anfängen der Berufsschule Sport nicht zum Unterrichtsplan gehörte. Die fachliche Ausbildung stand im Vordergrund. Mit der Zeit wandelte sich die Auffassung vom Sinn und Inhalt des Berufsschulunterrichts. Einerseits kam der Gedanke der Allgemeinbildung mehr zum Durchbruch, andererseits erkannte man, daß viele berufliche Tätigkeiten den Menschen einseitig beanspruchen. So entstand das Unterrichtsfach Sport und damit die Frage nach dem Sinn dieses Faches.
Die zentrale Aufgabe der Sportstunden, die in der Berufs- und Berufsfachschule erteilt werden, ist der körperliche Ausgleich. Darüber hinaus darf aber der genau so wichtige seelische Bereich bei den Schülern nicht vergessen werden. Demgegenüber soll das Streben nach Höchstleistungen zurücktreten. An ihre Stelle treten einfache gymnastische Bewegungen im Gehen, Laufen, Hüpfen, Federn und Schwingen, auch mit Ball, Keule, Reifen und Seil, ferner einfache Übungen an Geräten, Spiele und Schwimmen. Damit hat jeder einzelne die Möglichkeit, sich selbst "neu zu entdecken" und sich zu bestätigen. Durch solche Übungen kann jeder Schüler sein - vielleicht durch hohe Berufsanforderungen eingeengtes - Selbstvertrauen wiederfinden und erhält einen Ausgleich für eine im Beruf kaum zu vermeidende einseitige Beanspruchung.
Wenn Hilfe zum seelischen Ausgleich wirklich erfolgreich sein soll, dann reichen Bewegungen nicht aus. Sie müssen durch Gespräche und die Form des Unterrichts unterstützt werden. Das Spiel eignet sich hierfür besonders gut. Sind die Schüler erst gelockert, ist es auch möglich, sie zu eigener Initiative hinzuführen. Die Schüler sollen für später den Wert der ungezwungenen Bewegung erkennen und nutzen lernen.
F. Übergreifende Fächer
Seit vier Jahren werden an der Frauenfachschule, der Haushaltungsschule und seit einem Jahre in der neu eingerichteten Vollschuljahrsklasse die Fächer Singen und Musik erteilt. Der Lehrplan dieser Klassen sieht im Fach Singen die Vermittlung eines möglichst großen Liederschatzes vor. Darüber hinaus sollen die Schülerinnen zur musischen Erlebnisfähigkeit des gesungenen Liedes geführt werden, es sollen beim Singen deutscher und fremder Volkslieder der musikalische Gehalt, der künstlerische Wert, die geistige Welt und die Atmosphäre erschlossen werden. In vielen Fällen läßt sich beobachten, wie wesentlich diese Erlebnisse zur Formung und Prägung der Persönlichkeit mit beigetragen haben.
Im Fach Musik sollen die Schülerinnen der Frauenfachschule in die Singeleitung eingeführt werden. Für viele von ihnen war es hauptsächlich eine Frage der Zeit, bei oft mangelhaftem musikalischem Elementarwissen die Anfangskenntnisse der Dirigiertechnik zu erwerben und gewisse Hemmungen, sich allein "vor die Front" zu stellen, zu überwinden. Die geforderte eingehende Kenntnis der Geschichte des Volksliedes wird nach Möglichkeit zu einem allgemeinen Überblick der Musikgeschichte zu erweitern versucht.