Berufsbildungszentrum Mölln
Regionales Berufsbildungszentrum
des Kreises Herzogtum Lauenburg

Rechtsfähige Anstalt des öffentlichen Rechts

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Vorwort Schulleiterin 3
Grußworte Kreis Herzogtum Lauenburg
Industrie- und Handelskammer zu Lübeck
Kreishandwerkerschaft
Schulelternbeirat
 
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  Die Entwicklung der Berufs- und Berufsfachschulen im Kreis Herzogtum Lauenburg 5
   
  125 Jahre Kreis Herzogtum Lauenburg 8
   
Die Schule Berufsschule  
 

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  Fachgymnasium, Fachschulen und Berufsfachschulen  
 

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  Außenstelle Geesthacht
Schülervertretung
Förderverein
Das Personal
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Vorwort

Als vor 125 Jahren eine Fortbildungsschule für Lehrlinge und Gehilfen des Handwerksstandes eingerichtet wurde, hat wohl keiner der Initiatoren geahnt, wie zukunftsweisend diese Idee war. Das 125-jährige Jubiläum nehmen wir zum Anlass, im Rahmen der hier vorgelegten Festschrift, der Öffentlichkeit, den zahlreichen Ausbildungsbetrieben, unseren Schülerinnen und Schülern sowie deren Eltern einerseits einen Rückblick über die historische Entwicklung der Beruflichen Schulen und des Kreises Herzogtum Lauenburg zu liefern, vor allen Dingen aber einen Einblick in die gegenwärtigen Strukturen unserer Schule zu gewähren. Natürlich ist es nicht möglich, alle Fa- cetten eines so komplexen Gebildes wie unsere Schule im Detail darzustellen, die Anzahl von weit über 3000 Schülerin- nen und Schülern, über 180 Lehrerinnen und Lehrern mag dies verdeutlichen, jedoch ist es mit Hilfe der einzelnen Abteilungen und Fachbereiche gelungen, unser gegenwärtiges Schulleben in seiner ganzen Vielschichtigkeit aufzuzeigen.

Berufsbildung ist unser wichtigster Rohstoff, und er ist stets nachwachsend. Dieses Nachwachsen passiert nicht von selbst, sondern jeder an der Berufsbildung Beteiligte muss sich seiner persönlichen Verantwortung bewusst sein und verantwortlich und zukunftsweisend denken und handeln. Voraussetzung ist hierzu eine vertrauensvolle, aktive und fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Berufsschule, Ausbildungsbetrieben, Innungen, den zuständigen Kammern sowie dem Schulträger, die traditionell in allen Gewerken und beruflichen Fachrichtungen unseres Einzugsbereiches gewachsen ist, und die ich landesweit als beispielhaft bezeichnen möchte.

Berufliche Bildung hat sich in den letzten Jahrzehnten von der reinen Erstausbildung zu einem lebensbegleitenden Lernen entwickelt. Sie ist heute mehr denn je Voraussetzung für eine aktive Teilnahme an unserem gesellschaftlichen Leben. Die Beruflichen Schulen wollen in ihrer Pädagogik die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen aufnehmen und weiterentwickeln.

Berufliche Bildung der Zukunft bedeutet:

  • Ausbau der dual-kooperativen Zusammenarbeit zwischen Schule und Wirtschaft
  • Bedarfsgerechte und auf den Lernenden abgestimmte Ausbildungsgänge
  • Verknüpfung der beruflichen Erst-, Fort- und Weiterbildung

Das Kollegium der Beruflichen Schulen ist bereit, sich den Aufgaben der pädagogischen Weiterentwicklung und Neuori- entierung zu stellen.

Neben der pädagogischen Herausforderung sind für eine notwendige Qualitätssicherung in der Beruflichen Bildung räumlich- sächliche Veränderungen und Erneuerungen unabdingbar. Der Kreis als Schulträger hat diesem Bedürfnis Rechnung getragen und in einer zukunftweisenden Planung umfangreiche Neubau- und Umbaumaßnahmen, die über mehrere Bauabschnitte im Laufe der nächsten Jahre durchgeführt werden sollen, genehmigt. Der Anfang ist mit der Aufstockung des FTraktes der Beruflichen Schulen gemacht.

Es ist mein Wunsch, dass die enge Verbindung der Beruflichen Schulen des Kreises Herzogtum Lauenburg mit der Wirtschaft und der Politik sich noch vertiefen möge, zum Wohle unserer Schülerinnen und Schüler, für die eine berufliche Erstausbildung und die Verknüpfung mit Fort- und Weiterbildung die wichtigsten Bausteine ihrer Zukunftsplanung sind.

Die Beruflichen Schulen wollen das 125-jährige Bestehen der Berufsausbildung im Kreis Herzogtum Lauenburg mit einem Tag der offenen Tür begehen, zu dem ich hiermit alle Interessierten herzlich einlade.

Karla Schmidt
Schulleiterin

 

Grußwort des Kreises Herzogtum Lauenburg

Im Jahre 2001 blickt der Kreis Herzogtum Lauenburg auf sein 125-jähriges Bestehen als Landkreis zurück.

Wir freuen uns, dass die Beruflichen Schulen des Kreises Herzogtum Lauenburg in Mölln das Kreisjubiläum zum Anlass nehmen, es mit einem Tag der offenen Tür am 23. und 24. No- vember 2001 zu begleiten und die vorliegende Festschrift herauszugeben. Die hier dargestellte 125-jährige Entwicklung der beruflichen Bildung im Kreis Herzogtum Lauenburg doku- mentiert in eindrucksvoller Weise gleichzeitig auch die Ver- bundenheit zwischen der Schule und dem Kreis.

Die Einführung neuer Technologien sowie die Neuordnung der Ausbildungsberufe stellten die Schule immer wieder vor Herausforderungen, denen sie stets aufgeschlossen gegen- überstand und die sie angenommen hat.

Der Kreis als Träger der Beruflichen Schulen hat diese Schule sowie die Außenstelle in Geesthacht durch Um- und Erweite- rungsbauten den erhöhten Ausbildungsanforderungen in dem gemeinsamen Bemühen angepasst, die Qualität der beruflich-

en Ausbildung mit der technischen Entwicklung in Einklang zu bringen. In diesem Zusammenhang ist die enge und ausge- sprochen gute Kooperation mit der heimischen Wirtschaft hervorzuheben, die erheblich mit dazu beigetragen hat, einen steten Erfolg in der Berufsausbildung zu ermöglichen.

Die in der beruflichen Bildung geleisteten und noch zu leisten- den Investitionen sind zugleich ein wichtiger Beitrag des Krei- ses zur Sicherung der beruflichen Chancen junger Menschen. Sie haben zu einem umfangreichen Bildungsangebot der Be- ruflichen Schulen im Kreis Herzogtum Lauenburg beigetragen, das es zu erhalten gilt, um auch künftigen Anforderungen ge- recht zu werden.

Allen Beteiligten am Tag der offenen Tür wünschen wir viel Erfolg und ein interessiertes Publikum.

Helga Hinz
Kreispräsidentin

Günter Kröpelin
Landrat

 

Grußwort der IHK zu Lübeck

Die Beruflichen Schulen des Kreises Herzogtum Lauenburg sind aus Sicht der Wirtschaft seit vielen Jahren ein bewährter Partner bei der dualen Berufsausbildung. Die rund 8.400 IHK- Mitgliedsunternehmen der IHK Lübeck im Kreis Herzogtum- Lauenburg - von denen schätzungsweise ein Fünftel ausbil- den - kennen das Berufsschulzentrum als Stätte einer moder- nen Berufsschulpädagogik, die das praktisch vermittelte Wis- sen in den Betrieben fachtheoretisch ergänzt und über den Faktor Bildung den Standort Herzogtum Lauenburg erheblich stärkt. Als Schnittstelle dieser guten Zusammenarbeit sei die langjährige Mitgliedschaft der Schulleiterin OStD'in Karla Schmidt im Berufsbildungsausschuss der IHK zu Lübeck ex- emplarisch genannt. Diese Verbindungen helfen, das Duale System weiter zu entwickeln.

Qualifizierte Mitarbeiter sind als Leistungs- und Wissensträger ein entscheidender Wettbewerbsfaktor für jedes Unterneh- men. Grundlage für die Qualifizierung und die Basis für le- bensbegleitendes Lernen ist die Berufsausbildung. Sie ist eine Investition in die Zukunft. Die Kernfrage für die Zukunft der dualen Berufsausbildung ist - aus Sicht der Wirtschaft - die Modernisierung des Systems.

Neben der Aktualisierung bestehender Berufe heißt die Her- ausforderung, neue Berufe für neue Beschäftigungsfelder und modernisierte Berufe mit Zukunft zu schaffen. Die IHK- Organisation hat mit ihrer Aktion Neue Berufe und den Leitlini- en für eine moderne Berufsausbildung entscheidende An- stösse für diesen Modernisierungsprozess gegeben. Seit dem

Jahr 1996 sind in Deutschland mehr als 140 Berufe geschaffen oder modernisiert worden. Auch die Beruflichen Schulen des Kreises Herzogtum Lauenburg tragen diese Entwicklung mit, wovon nicht zuletzt auch die erheblichen Investitionen in Er- weiterungsbauten und Lehrmittel und der Wandel der pädago- gischen Inhalte in den letzten Jahren Zeugnis ablegen. Die IHK-Organisation hat darüber hinaus einige Vorschläge zur Reform des Berufsschulwesen gemacht. Dazu gehört die Au- tonomie der Berufsschule und die Befreiung von bürokrati- schen Fesseln.

Die duale Berufsausbildung als Standortfaktor zu quantifizie- ren ist schwierig. Sicher ist aber, dass ein solides Fundament in der Bildung gepaart mit lebenslangem Lernen hilft, den Strukturwandel der Wirtschaft positiv zu begegnen und im Wettbewerb der Regionen mit zu halten. Unternehmen, denen qualifiziertes Personal fehlt, können ihre Produkte und Dienst- leistungen nicht mehr erbringen. Negative Folgen für die Beschäftigungs- und Einkommenssituation des Einzelnen sind die Folge. Auch deshalb heißt es für die Berufsschulen: Garant sein für die notwendige Qualität als Partner der dualen Berufsausbildung.

 

IHK zu Lübeck
Hans-Jochen Arndt
Syndicus

 

Grußwort der Kreishandwerkerschaft des Kreises Herzogtum Lauenburg

Im Namen des lauenburgischen Handwerks gratulieren wir den Beruflichen Schulen Herzogtum Lauenburg zu ihrem 125- jährigen Jubiläum. Auf 125 Jahre "Berufliche Bildung" in unse- rem Kreis blicken zu können, erfüllt auch das Handwerk mit Stolz, denn die Kreishandwerkerschaft mit ihren Innungen hat an dieser Entwicklung maßgeblich mitgewirkt.

Der langjährigen vertrauensvollen Zusammenarbeit der bei- den Dualpartner unseres Ausbildungssystems - die ihresglei- chen im Lande sucht - ist es zu verdanken, dass die berufliche Bildung in unserem Kreis ein hohes Niveau erreicht hat.

Gute Gesellenprüfungsergebnisse und zahlreiche Auszeich- nungen bei Leistungswettbewerben der Handwerksjugend auf Landes- und Bundesebene sind eindrucksvolle Zeugnisse dieser erfolgreichen gemeinsamen Arbeit.

Diese Erfolge sollen uns Ansporn sein, das enge Miteinander zu vertiefen und zum Wohle unserer Handwerksbetriebe - trotz oder gerade wegen des derzeitigen "Konjunkturtiefs" im Handwerk - auch weiterhin in eine qualifizierte Ausbildung unserer jungen Menschen zu investieren.

Die Vertreter unserer Innungen freuen sich, die Ausbildung in ihren Handwerken während der Tage der offenen Tür in den überbetrieblichen Werkstätten einem breiten Publikum vor- stellen zu können.

Wir wünschen der Leitung und dem Kollegium der Beruflichen Schulen einen harmonischen Verlauf dieser Veranstaltung.

Horst Gloyer
Kreishandwerksmeister

Monika Fuchs
Geschäftsführerin

 

Grußwort der Vorsitzenden des Schulelternbeirats

Die Beruflichen Schulen Mölln waren stets ein Ort enger Ko- operation zwischen dem öffentlichen Träger, dem regionalen Handwerk und der Wirtschaft.

Ihre 125-jährige Geschichte spiegelt deshalb in besonderer Weise die Entwicklung der vorwiegend landwirtschaftlich ge- prägten Struktur des Kreises am Ende des 19. Jahrhunderts bis zur dienstleistungsorientierten Regionalwirtschaft.

Nach der Öffnung des Zonenrandgebietes erfolgte eine kurze Wirtschaftseuphorie und die lange Strukturanpassung in den 90er Jahren. Heute erleben wir den Versuch von Wirtschaft und Handel unserer Region, die Folgen der informationstech- nischen Revolution, also die globale Erweiterung und Be- schleunigung der Innovations-, Handels- und Produktions- abläufe, zu bewältigen. Die Geschichte der Berufsschule als Katalysator des wirtschaftlichen Wandels der Region zeigt auch das zeitlose Ziel und die unveränderten Bedingungen

ihrer Arbeit: Wenn sie die Schüler erfolgreich für die Anforde- rungen des beruflichen und gesellschaftlichen Lebens vorbe- reiten will, braucht sie: Ausreichende materielle, finanzielle und personelle Ressourcen; Abbau der Überreglementierung durch gesetzliche Vorschriften und der Gängelung durch vorgesetzte Dienststellen; erweiterte Gestaltungsräume für Lehrkräfte; die enge Kooperation mit Handwerk, Handel und Industrie und nicht zuletzt die Hilfe, die Gedanken, Anregungen und die Kritik aller Beteiligten und Interessierten, ganz besonders auch der Schülerinnen, der Schüler und der Eltern.

Im Namen der Eltern bedanke ich mich bei der Schulleitung, den Lehrerinnen und Lehrern für die hervorragende Koopera- tion im gemeinsamen Interesse unserer Kinder.

Dr. Maria Meyer zu Natrup
Vorsitzende des Schulelternbeirats

 

Die Entwicklung der Berufs- und Berufsfachschulen des Kreises Herzogtum Lauenburg

Die Zeit von den Anfängen bis 1918

Die Entwicklung der Berufs- und Berufsfachschulen des Krei- ses Herzogtum Lauenburg beginnt mit der Gründung von Fort- bildungsschulen vor 125 Jahren. Während die allgemein- bildenden Schulen auf einer jahrhundertelangen Entwicklung aufbauen, handelt es sich bei der Berufsschule also um eine sehr junge Schulform. So wurden in Mölln 1876, in Ratzeburg und Lauenburg 1877, in Schwarzenbek 1903, in Geesthacht 1905 und in Büchen 1913 die ersten Fortbildungsschulen ge- gründet. Erste Ansätze sind in Lauenburg bereits 1837 und 1865 nachweisbar. Geesthacht, das bis 1937 zur Hansestadt Hamburg gehörte, hat bereits vor 1905 gemeinsam mit Berge- dorf eine Fortbildungsschule gehabt.

Da die Träger dieser Schulen die Gemeinden waren und eine Fortbildungspflicht nach der Gewerbeordnung von 1869 nur für gewerbliche Arbeiter zur Pflicht gemacht werden konnte, war die Entwicklung dieser Schulart in den einzelnen Gemeinden sehr unterschiedlich.

In den Städten wurde die Schaffung von Fortbildungsschulen meist durch den Handwerkerstand beantragt, dargestellt am Beispiel Mölln nach der Chronik des Rektors der Volksschule Mölln, Herrn Oetke, für den Zeitraum 1874 bis 1934. In Mölln wurde im September 1874 von 30 Bürgern den städtischen Kollegien eine Petition übersandt, eine Fortbildungsschule für Lehrlinge und Gehilfen des Handwerkerstandes bis zum 18. Lebensjahr einzurichten. Das wurde zunächst abgelehnt. Zur gleichen Zeit ging vom Magistrat Ratzeburg die Bitte an die Städte Mölln und Lauenburg, gemeinsam eine Fortbildungs- schule ins Leben zu rufen. Ein weiterer Antrag der Bürger Möllns führte zum Beschluss der Einrichtung einer solchen Schule. Nach Beratung der Statuten genehmigte der Landrat in Ratzeburg zum 01. Oktober 1876 die Einrichtung der Schule entsprechend dem Ortsstatut in "Gemäßheit des § 142 Abs. 1 der Gewerbeordnung für den Norddeutschen Bund vom 21. Juni 1869". Lauenburg war bis 1876 ein selbständiges Her- zogtum mit eigener Verwaltung der "Ritter- und Landschaft", erst dann wurde es dem preußischen Staate einverleibt. Die Schule begann ihre Arbeit mit 86 Schülern im Jahre 1876/77. Die Leitung hatte der Rektor der Mittelschule Mölln. Um den Schwierigkeiten der Verpflichtung von Meistern und Lehrlingen auf die neue Schule zu begegnen, wurde 1876 eine Polizei- verordnung erlassen, in welcher Geldstrafen festgesetzt wur- den.

Mit Ausnahme des Zeichenunterrichtes lagen die Unterrichts- stunden an Werktagen in den Abendstunden. Er wurde zu- nächst auf den Sonntagvormittag, später auf den Sonntag- nachmittag von 13.30 bis 15.30 Uhr gelegt. Die Auswahl des zu vermittelnden Unterrichtsstoffes oblag dem Schulleiter bzw. dem Lehrer.

Im Jahre 1891 wurde der erste Lehrplan für alle Fortbildungs- schulen aufgestellt, der sich, wie alle späteren Lehrpläne, nach den Richtlinien des Ministers für Handel und Gewerbe richten musste. Ein neues Ortsstatut wurde erlassen und vom Bezirksausschuss in Schleswig genehmigt. Die Arbeitgeber waren jetzt verpflichtet, je Lehrling 5,00 bis 10,00 Mark zu den Kosten der Fortbildungsschule beizutragen. Von dieser Zeit an fanden auch jährliche "Revisionen" durch Regierungs- und Gewerbeschulräte statt.

Im Jahre 1904 übernahm der Rektor der Volksschule Mölln, Oetke, die Leitung der Fortbildungsschule. Sie bestand da- mals aus 2 Lehrern und 95 Schülern: 10 Schlosser und Maschinenschlosser, 9 Kaufleute, 9 Maler, je 9 Bäcker und Schuhmacher, je 7 Schlachter und Tischler, 5 Schmiede, 4 Sattler, je 3 Eisengießer, Kellner, Maurer, Zimmerer, je 2 Klempner, Schneider, Steinhauer, Stellmacher und je 1 Bar- bier, Buchdrucker, Drechsler, Meiereilehrling, Musiker, Töpfer und Laufbursche. Diese Aufzählung möge die Vielfalt der Schule und die damit verbundenen Probleme zeigen. Der Stoffplan enthielt: Deutsch - Lesen, Diktat, Geschäftsaufsätze; Rechnen - 4 Grundrechenarten, Bruchrechnung, bürgerliches Rechnen, Raumberechnungen, gewerbliches Rechnen und Kalkulationen. Außerdem wurden Buchführung unterrichtet und Zeichnen - Projektionszeichnen und Freihandzeichnen nach Vorlagen, Modellen und nach der Natur. Daneben wurde naturwissenschaftlicher Unterricht gegeben und allgemeine Weltkunde gelehrt. Eine Notiz aus dem Jahre 1904 besagt, dass Schüler mit dem Zeugnis zum Einjährig-Freiwilligen Dienst (die "Einjährigen") die Fortbildungsschule nicht zu besuchen brauchten, die anderen Schüler waren schulpflichtig bis zum 18. Lebensjahr, wenn sie nicht wegen guter Lei- stungen vom weiteren Schulbesuch freigestellt wurden. Die Unterrichtszeit war wöchentlich 4 Stunden, aber nur 30 Wochen im Jahr (von September bis Mai). Im Jahre 1904 wurde der erste Meisterkursus mit 30 Meisteranwärtern von Neujahr bis Ostern durchgeführt.

Im Jahre 1908 wurde die erste Klasse mit nur kaufmänni- schen Lehrlingen im Kreise eingerichtet. Hier wurden an Unterrichtsfächern neben den oben genannten auch Englisch, Stenographie und Korrespondenz erteilt. Die Zahl der Schüler stieg jährlich, da in diesen Jahren auch die Lehrlinge aus den umliegenden Dörfern in den Fortbildungsschulen der Städte oder in den größeren Orten unterrichtet wurden. Diese Ent- wicklung wurde mit Beginn des ersten Weltkrieges unter- brochen, mit Ende des Jahres 1916 wurden alle Fortbildungs- schulen geschlossen, in einigen Orten schon 1915, wie z.B. in Geesthacht, wo, wie berichtet wird, die Lehrkräfte eingezogen und die Schüler in der Munitionsindustrie tätig waren.

Die Zeit zwischen 1919 und 1945

Im Jahre 1919/20 wurde die Arbeit wieder aufgenommen. Für die Geesthachter Schule schrieb das hamburgische Gesetz über die Fortbildungsschulpflicht von 1919 die Schulpflicht für alle männlichen und weiblichen Jugendlichen vor. Die Unter- richtsstundenzahl wurde vermehrt und in die Arbeitszeit ver- legt. Im Kreisgebiet von damals nahm die Entwicklung etwas später ihren Fortgang. Obwohl schon vorher auf Anregung der Regierung auch die weiblichen Lehrlinge zum Schulbesuch verpflichtet werden sollten, wurde dies nicht an allen Schulen durchgeführt.

Ab Neujahr 1926 wurden in Mölln auf Wunsch der Meisterin- nen Schneiderinnen beschult. Am 01. April 1926 wurde eine Verfügung erlassen, wonach die Mädchen unter 18 Jahren "im Handwerker- und Kaufmannsstand" zum Schulbesuch ver- pflichtet wurden. In den folgenden Jahren stieg die Zahl der Lehrlinge so stark an, dass in einigen Orten im Jahre 1930 eine Aufteilung nach verwandten Berufen vorgenommen wur- de. Von einer Gliederung nach Fachklassen im heutigen Sinne konnte jedoch noch nicht die Rede sein.

Zwei Beispiele mögen das verdeutlichen:

Erste Klasse: Baugewerbe, hierzu gehörten Maurer, Zimmerer, Brunnenbauer, Dachdecker, Steinmetze und Töpfer

Zweite Klasse: Metallgewerbe, hier wurden Former, Kern- macher, Klempner, Autoschlosser, Bau- und Maschinen- schlosser und Schmiede gemeinsam beschult.

Als Schulräume dienten der Fortbildungsschule die Volks- schulen. Allerdings wurden im Jahre 1933 der Fortbildungs- schule zum Teil eigene Räume zugewiesen, die aber im all- gemeinen Dachausbauten der Volksschule waren. Der Unter- richt wurde von Volksschullehrern und Handwerksmeistern erteilt. Am 01. April 1924 wurde der erste hauptamtliche Gewerbelehrer in Lauenburg angestellt. Erst viele Jahre später erfolgte die Anstellung von weiteren Gewerbelehrern.

Ein Blick auf die Vergütung für die Unterrichtsstunden:
Im Schuljahr 1923/24 wurden für die Unterrichtsstunde im Juni 1923 47 Mark, im März 1924 1150 Mark gezahlt.
Nach der Währungsneuordnung wurde für die Jahreswochen- stunde 0,66 Mark gezahlt. In dieser Zeit tritt der Begriff der Berufsschule in der amtlichen Sprache auf. Eine Kommission der Reichsschulkonferenz erarbeitete 1920 unter Vorsitz Ker- schensteiners (Georg Kerschensteiner, 1854 - 1932, Berufs- pädagoge) einen Entwurf zu einem Reichsberufsschulgesetz, das 1938 als Reichsschulpflichtgesetz erlassen wurde.

Damit fand diese Schulform bei den Kultusministerien ihren Platz, während vorher die grundlegenden Bestimmungen von den Wirtschaftsministerien erarbeitet worden waren. Die Forderungen der Wirtschaft und des Handwerks nach einer

planmäßigen Ausbildung in speziellen Berufen gaben den Anstoß zur Zentralisierung. Im Jahre 1936 wurde auf Veranlassung des Regierungspräsidenten die Vorarbeit für eine zentrale Schule eingeleitet.

Am 01. Mai 1938 wurde für den Kreis Herzogtum Lauenburg der Berufsschulzweckverband gegründet. Er umfasste drei Abteilungen für gewerbliche, kaufmännische und hauswirt- schaftliche Schüler. Eine Trennung nach Fachklassen wurde angestrebt und teilweise auch gleich durchgeführt. Den Vorsitz führte der Landrat. An die Stelle der bisher vorhandenen Fort- bildungsschulen der einzelnen Gemeinden traten die Haupt- schule des Verbandes in Mölln (Gebäude am Gudower Weg, 1938 bezogen) und die Zweigschulen in Geesthacht und Lau- enburg. Es sei daran erinnert, dass Geesthacht seit 1937 zum Kreisgebiet gehörte.

Diese drei Schulorte wurden von etwa 1350 Schülern besucht. In Mölln wurden eine gewerbliche, kaufmännische und haus- wirtschaftliche Abteilung eingerichtet, in Lauenburg eine haus- wirtschaftliche und die Abteilung für Schiffbau, in Geesthacht eine gewerbliche und hauswirtschaftliche Abteilung und dann in Ratzeburg und Schwarzenbek je eine hauswirtschaftliche Abteilung betreut. Lehrlinge aus zahlenmäßig kleineren Beru- fen wurden in entsprechende Fachklassen nach Lübeck oder Hamburg ausgeschult. Hauptziel des Berufsschulzweckver- bandes war die Errichtung von Fachklassen nach einzelnen Lehrjahren, der Einsatz von Lehrkräften in ihrem erlernten Fachgebiet sowie die bessere Ausnutzung von Lernmitteln und der noch zu schaffenden Werkstätten. Der Berufsschul- zweckverband wurde nach zweijährigem Bestehen aufgelöst und seine Einrichtung am 01. Mai 1940 in die neu gegründete Kreisberufsschule übergeführt. Zum Hauptschulort wurde Mölln gewählt, die Zweigschulen des Verbandes wurden zu Außenstellen der Kreisberufsschule. Dieser innere Ausbau der Kreisberufsschule wurde durch den 2. Weltkrieg unter- brochen.

Gudower Weg
Berufsschule im Gudower Weg
Die Zeit nach 1945

Die Wiedereröffnung der Kreisberufsschule nach dem 2. Welt- krieg schien zunächst auf unüberwindliche Schwierigkeiten zu stoßen. Die Zahl der Berufsschüler hatte durch die große Zahl der Flüchtlinge stark zugenommen. Von 1945 auf 1946 stieg die Zahl der Schüler auf das Vierfache. Die Berufsschulgebäu- de waren durch Kriegseinwirkung zerstört oder als Lazarett belegt, die Lehrmittel waren zum großen Teil durch die Kriegswirren verloren gegangen.

Trotzdem wurde der Unterricht bald wieder aufgenommen, oft in einfachsten Verhältnissen. In Mölln konnte das Gebäude am Gudower Weg im Mai 1946 der Berufsschule wieder überge- ben werden, in Lauenburg mietete der Kreis ein Gebäude der ehemaligen Modellbauschule und in Geesthacht ein Gebäude im Werkgelände Düneberg. Damit waren wenigstens die räumlichen Voraussetzungen für den theoretischen Unterricht wieder gegeben.

Das neue Berufsschulgesetz für Schleswig-Holstein vom Fe- bruar 1950 brachte starke Veränderungen im Berufsschulwe- sen. Der achtstündige Berufsschultag war schon vorher ge- setzlich verankert, die praktische Fachkunde sollte den Unter- richt vertiefen. Außerdem wurde 1950 für alle Lehrlinge und Jugendlichen aus der Landwirtschaft der Berufsschulunterricht zur Pflicht. Der Unterricht der landwirtschaftlichen Klassen wurde zunächst sehr dezentralisiert auf den Dörfern in Volks- schulen am Nachmittag durchgeführt. Erst im Jahre 1955 ge- lang es, die Landwirtschaftslehrlinge zentral aus dem ganzen Kreisgebiet in aufsteigenden Klassen in Mölln zusammenzu- fassen. Die Nichtlehrlinge der Landwirtschaft und die Jungar- beiter der gewerblich-kaufmännischen Wirtschaft wurden in den Schulorten Mölln, Ratzeburg, Sandesneben, Schwarzen- bek und Geesthacht zentralisiert. Damit wurde auch für diese Jugendlichen eine Beschulung nach Jahrgängen möglich. Bei den Mädchen war die Zentralisierung in den genannten Orten deshalb notwendig, weil Küchen und Nebenräume für den Unterricht erforderlich waren. In Mölln wurde im April 1949 eine Klasse der Haushaltungsschule an der Kreisberufsschule eingerichtet, in Geesthacht wurde eine Klasse dieser Schulart 1954 eröffnet. Im April 1950 beschloss der Kreistag die Er- richtung einer Zweijährigen Handelsschule in Mölln und 1954 die Errichtung einer Höheren Handelsschule. Außerdem wurde im Jahre 1950 der Kreisberufsschule das Jugendauf- bauwerk in Ratzeburg, Geesthacht und Wentorf bei Hamburg angegliedert. Eine weitere Ausbildungsmöglichkeit für Mäd- chen war seit dem Jahre 1958 die Höhere Frauenfachschule in Mölln. Für die Weiterbildung der Jungen und Mädchen bis zur Fachschulreife ist die 1952 eingerichtete Berufsaufbau- schule von großer Bedeutung. Diese wurde zunächst in Abendkursen durchgeführt. Später bekommt sie als Tages- schule einen festen Platz in der Berufsschule, vielen Schülern im Kreis diente sie als Sprungbrett für ihre berufliche Karriere, dann übernahm das Fachgymnasium diese Funktion. Im April 1966 wurde ferner an der Kreisberufsschule in Mölln das hauswirtschaftliche Vollschuljahr als neuer Bildungszweig für Mädchen geschaffen.

Die stark gestiegenen Schülerzahlen (1954 waren es 5285 Schüler) machten einen Neubau in Mölln notwendig. 1951 wurde mit den Planungen begonnen, am 15. April 1953 konnte die Grundsteinlegung für den 1. Bauabschnitt gefeiert werden (A-Trakt - 1954) der 2. Bauabschnitt folgte 4 Jahre später und wurde Ostern 1960 seiner Bestimmung übergeben (B-Trakt). Wiederum 4 Jahre später folgte der 3. Bauabschnitt. Baube- ginn war der 3. Juni 1964 und am 10. August 1966 konnte der vorerst letzte und größere Bauabschnitt bezogen werden (C+D+E-Trakt, Pausenhalle, Hausmeisterwohnung und Gar- tenanlage mit Schulhof).

Die großen Schülerzahlen und die verbesserten beruflichen Bildungsmöglichkeiten führten auch zu einer starken Auswei- tung des Kollegiums. Waren 1950 25 Lehrerinnen und Lehrer tätig für 2743 Schülerinnen und Schüler, so stieg die Zahl bis 1965 auf 54 Lehrerinnen und Lehrer für 3287 Schülerinnen und Schüler.

Modell
Modell der Schule 1967

Ende der 60er Jahre schlug sich der Strukturwandel bedingt durch den Übergang von der Industriegesellschaft zu einer Dienstleistungsgesellschaft bundesweit unter anderem in ei- ner großen Bildungsdiskussion nieder. Sie führte zu einer Neuorientierung in der Berufsbildung. Reformen in der be- ruflichen Bildung verbesserten, erweiterten und verstärkten den schulischen Teil der beruflichen Bildung. Für große Schü- lergruppen entstanden ganz neue Bildungschancen. So wurde in Mölln 1969 das Fachgymnasium - Technischer Zweig - eingeführt und schon 1970 um einen wirtschaftlichen und sozialwirtschaftlichen Zweig erweitert. Es wurde eine Berufs- fachschule Technik und eine Berufsfachschule Sozialwirt- schaft (1972) eingeführt. 1973 kam die Fachschule für Sozial- pädagogik dazu. 1986 folgte die Berufsfachschule für Wirt- schaftsassistenten (heute Kaufmännische Assistentinnen und Assistenten) und 1991 die Fachoberschule in den Fachrich- tungen Technik, Wirtschaft und Agrarwirtschaft.

Das neue Schulgesetz von 1990 schaffte die Grundlage für die Festigung und Weiterentwicklung des allgemeinen und beruf- lichen Bildungswesens.

Auch in der Ausbildung der Lehrlinge (sie heißen jetzt Auszu- bildende) kam es zu großen Veränderungen. Der Unterricht wurde von 8 auf 12 Stunden pro Woche erweitert, das hieß Einführung des vermehrten Berufsschulunterrichts.

Die Entwicklung der Schülerzahlen 0 1000 2000 3000 4000 5000 6000 1876 1880 1885 1890 1900 1905 1910 1915 1920 1925 1930 1934 1938 1945 1950 1954 1955 1960 1965 1970 1975 1980 1985 1990 1995 2000

Die Berufsbilder wurden inhaltlich überarbeitet. Es wurden neue Lehrpläne erstellt, Inhalte den modernen Entwicklungen angepasst oder es entstanden ganz neue Berufe, z.B. in Mölln Mechatroniker, Automobilkaufleute u.a..

Diese Entwicklung in den letzten 30 Jahren war nur möglich mit einem gleichzeitigen starken Ausbau beruflicher Bildungs- kompetenz. Das Kollegium wuchs von 57 Lehrkräften (1970) auf heute 181 Lehrkräfte bei etwa gleicher Schülerzahl.

Anzahl der Lehrkräfte an den Beruflichen Schulen 0 50 100 150 200 1924 1938 1940 1945 1950 1955 1960 1965 1970 1975 1980 1985 1990 1995 2000

Das stark ausgeweitete und inhaltlich veränderte Bildungsan- gebot bedingte auch einen weiteren räumlichen Ausbau der Schule. So wurde der A-Trakt aufgestockt. 1976 kam der F- Trakt und die Werkstätten sowie die Sporthalle dazu. 1982 entstand in Geesthacht ein Neubau mit 8 Klassen- und ent- sprechenden Fach- und Nebenräumen. 1990 wurde der G- Trakt erstellt und 1993 wurde die Pausenhalle erneuert und für die Verwaltung aufgestockt. In diesem Jahr kommen 8 neue Klassenräume, die durch die Aufstockung im F-Trakt entstan- den sind, zum Schulbeginn 2001/2002 dazu.

Man möchte meinen, irgendwann muss doch einmal Schluss sein - aber nein, weit gefehlt: Die sich schnell verändernde wirtschaftliche Situation des Kreises nach der Grenzöffnung und die gesellschaftlichen und technischen Veränderungen (Computertechnologien) zwingen uns, die berufliche Grundbil- dung weiter anzupassen und zu verbessern sowie die Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten auszubauen. Die berufliche Bildungskompetenz der Beruflichen Schulen in Mölln wird in Zukunft ein noch wichtigerer Standortfaktor für die Wirtschaft im Kreis sein. Unser Träger, der Kreis, tut alles, damit wir dieser Aufgabe gerecht werden können. Größere bauliche Maß- nahmen sind bereits wieder in Planung.

(Quellen: Chronik von Rektor Oetke und Ergänzungen von StD. a.D. C. Langeloh)

 

125 Jahre Kreis Herzogtum Lauenburg

Das Herzogtum Lauenburg in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts

Am 1. Juli 1876 wurde das Herzogtum Lauenburg preußischer Landkreis. Drei Monate später - am 1. Oktober - genehmigte der Landrat in Ratzeburg die Gründung einer Fortbildungs- schule in Mölln, wodurch die erste Einrichtung des beruflichen Schulwesens im Kreis Herzogtum Lauenburg geschaffen wurde.

Beide Daten sind im Zusammenhang eines Modernisierungs- prozesses zu sehen, der von den städtischen und industriellen Zentren ausgehend auch den ländlichen Raum zu erfassen begann. Dieser Prozess, der in einigen Regionen bis in das 18. Jahrhundert zurückverfolgt werden kann, entfaltete seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts eine immer größere Dynamik.
Der Weg ins Industriezeitalter führte zu einem tiefgreifenden technischen, wirtschaftlichen, sozialen und politischen Wan- del. Der Modernisierungsprozess änderte die Lebensverhält- nisse der Menschen grundlegend.

Der "Weg in die Moderne" begann für den Kreis Herzogtum Lauenburg, der über Jahrhunderte von der Landwirtschaft geprägt worden war, mit einer erheblichen zeitlichen Verschie- bung und in einer ganz anderen Ausprägung, als sie in den Kernräumen der Industrialisierung zu beobachten war.

Zwischen dem Wiener Kongress und dem Krieg von 1864 war das Herzogtum Lauenburg in Personalunion mit dem König- reich Dänemark verbunden gewesen. Insgesamt hatte sich die politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Lage in diesen fünf Jahrzehnten nur wenig geändert. Die dänische Krone hatte in der Gesetzgebung und in der Verwaltung kaum Veränderungen vorgenommen, so dass sich mit einem aktu-

ellen Begriff von einem "Reformstau" sprechen ließe.

Eine Anpassung der politischen Verfassung an die gewandel- ten gesellschaftlichen Verhältnisse war in den Revolutionsjah- ren nach 1848 auch im Lauenburgischen versucht worden. Die landständische Verfassung des Herzogtums aus dem Jahre 1585, die von jedem neuen Herrscher bestätigt worden war, galt 1848 unverändert, bis eine gewählte lauenburgische Landesversammlung am 11. Mai 1849 das "Grundgesetz für das Herzogtum Lauenburg" verabschiedete. Die demokra- tischen Errungenschaften der Revolution wurden in der an- schließenden Zeit der Restauration wieder beseitigt, die vom dänischen König versprochene neue Verfassung nahm nur geringfügige Änderungen des vorrevolutionären Zustandes vor.

Einige Anzeichen der Modernisierung lassen sich in der Zeit der dänischen Herrschaft im Herzogtum Lauenburg zwar schon feststellen, wozu der Chaussee- und Eisenbahnbau, die Gründung erster Fabriken und Sparkassen und der Aufbau einer Gasversorgung in den Städten zählen. Insgesamt aber war Bismarcks Urteil berechtigt, das er während der Verhand- lungen über den Anschluss des Herzogtums Lauenburg an Preußen abgab:

"Lauenburg [ist] in vielen Zügen und ganz besonders im Finanzwesen heute noch ein Miniaturbild des Mittelalters [...]", so dass "die Verhältnisse [...] so verschieden von dem Organismus des modernen Staates, so fremd den Vorstellungen, in denen wir uns zu bewegen pflegen, sind, [...], so dass wir uns nicht auf dem Boden befinden, auf dem die heutigen Staaten stehen."

Die Eingliederung des Herzogtums Lauenburg in Preußen

Dänemark hatte am 30. Oktober 1864 im Friedensvertrag von Wien auf die drei Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg verzichtet, die zunächst unter die gemeinsame Verwaltung Preußens und Österreichs kamen. Die Konvention von Gastein vom 14. August 1865, in der Österreich seine Rechte im Herzogtum Lauenburg an Preußen abtrat, sah den Zusammenschluss des Herzogtums mit dem Königreich Preußen in Form einer Personalunion vor. Der preußische König Wilhelm I. nahm den Titel des Herzogs von Lauenburg an. Diese staatsrechtliche Form, die durch die Erbhuldigung der lauenburgischen Stände und ein Patent des preußischen Königs ihren Ausdruck fand, sicherte dem Herzogtum zunächst die eigene Verfassung, Gesetzgebung und die tradierten Privilegien. Es war zugleich die Anerkennung des Führungsanspruchs Preußens im norddeutschen Raum.

In den Jahre von 1865 bis 1876, in denen Otto von Bismarck dem neu geschaffenen preußischen Ministerium für Lauenburg vorstand, vollzog sich ein Prozess, in dem das rückständige Herzogtum Lauenburg durch grundlegende Reformen in den leistungsfähigen modernen Staat Preußen eingegliedert wurde.

Um die innere Verwaltung des Herzogtums an die preußischen Verhältnisse anzupassen, waren umfangreiche Reformen und gesetzgeberische Maßnahmen notwendig, wozu auch eine liberalere Wirtschaftsordnung gehörte.

Anders als bei anderen nach dem Krieg von 1866 von Preußen annektierten Territorien wurde in diesem Einglie- derungsprozess weitgehend Rücksicht auf die Traditionen und Interessen des Herzogtums genommen.
Faktisch wurde in diesen Jahren der rechtlichen und gesell- schaftlichen Umstrukturierung die Realunion zwischen dem Herzogtum Lauenburg und dem Königreich Preußen vorberei- tet. Das Herzogtum Lauenburg wurde als preußischer Land- kreis der Provinz Schleswig-Holstein angegliedert.

Trotz der Übernahme zahlreicher Gesetze und Regelungen, die der Eingliederung in den preußischen Staat folgten, behauptete der Kreis umfangreiche "Sonderrechte", die im "Vereinigungsvertrag" zwischen der lauenburgischen Landes- vertretung und der preußischen Krone vom 23. Juni 1876 niedergelegt waren.
Ein wesentlicher Punkt dieser Sonderrechte bestand darin, dass der 1872 gegründete lauenburgische Landeskommunal- verband freie Verfügungsgewalt über das lauenburgische Domanialvermögen behielt. Dieser früher landesherrliche Besitz ging nach dem Rezess von 1871 bei der Vereinigung mit Preußen nicht in den Besitz des preußischen Staates über. Aus dem erheblichen Domanialvermögen wurden u.a. die eigenen Beamten bezahlt, die Lauenburgische Gelehrten- schule und andere Landesanstalten unterhalten sowie die Kosten für Chaussee- und Wegebau und auf dem Patronat beruhende Leistungen erbracht.

Die Entwicklung des Kreises in der Zeit des Kaiserreichs

Obwohl eine neue technische und verwaltungsmäßige Infrastruktur geschaffen wurde, blieben die wirtschaftliche und die demografische Entwicklung in den ersten Jahrzehnten der preußischen Zeit eher verhalten. Im Jahre 1876 lebten im Kreis Herzogtum Lauenburg 55.000 Menschen.

Insgesamt verzeichnete der Kreis zwischen 1871 und 1939 trotz eines starken Geburtenüberschusses nur einen relativ langsamen Bevölkerungszuwachs um rund 30% (von ca. 54.000 auf ca. 71.000), da zahlreiche Arbeitskräfte, die in der Landwirtschaft keine Beschäftigung mehr fanden, in die rasch wachsenden Großstädte abwanderten, so dass sich von einer "Landflucht" sprechen lässt.

Hatten 1885 noch 61,7% der lauenburgischen Bevölkerung auf dem Land gelebt, waren es 1939 nur noch 44,5%. Die meisten Gemeinden verzeichneten dabei einen Bevölkerungsrückgang. Auch die Bevölkerungsverteilung zwischen dem Landgebiet einerseits und den drei "alten" Städten (Mölln, Ratzeburg, Lauenburg), dem damals noch hamburgischen Geesthacht und dem Flecken Schwarzenbek andererseits, zeigt 1885 noch die ländliche Prägung des Kreises. Nur in 15% der Sied- lungen lebten 1885 mehr als 500 Einwohner, und die Einwoh- nerdichte lag mit 43 Einwohnern pro Quadratkilometer deutlich unter dem Durchschnitt Schleswig-Holsteins.

In der Landwirtschaft vollzog sich ein erheblicher Wandel in der Produktionsweise. Die Verkoppelung, die bereits im 18. Jahrhundert eingeleitet worden war und in den ersten Jahr- zehnten des 19. Jahrhunderts zum Abschluss kam, hatte die mittelalterlichen Strukturen in der Landwirtschaft abgeschafft und das Landschaftsbild grundlegend verändert. Die Schaf- fung größerer geschlossener Nutzflächen und die größere Unabhängigkeit der Bauern hatten zu einer Verbesserung der Erträge und zu höheren Einkommen geführt. Weitere Grund- lagen für Innovationen in der Landwirtschaft wurden durch die Aufhebung der Gerichtsbarkeit der adligen Güter (1870), die Einführung der Gewerbefreiheit auch in den ländlichen Gebieten durch Beendigung der Zwangs- und Bannrechte (1874) und die Aufhebung der adligen Güter als eigene Verwaltungsbezirke (1889) geschaffen.

Eine zunächst nur langsame, aber stetige Mechanisierung setzte auf dem Lande weitere Arbeitskräfte frei. Durch die Einführung von Traktoren wurde das Pferd als Zugtier allmäh- lich abgelöst.

In den Jahrzehnten nach 1830 war in den zunächst noch däni- schen Herzogtümern Schleswig, Holstein und Lauenburg ein immer dichteres Netz von ausgebauten Landstraßen, Eisen- bahnlinien und Wasserstraßen entstanden, das das Land

erschloss und die Grundlage für die weitere Entwicklung bildete. Die Hauptverkehrsadern waren die Hamburg-Berliner Chaussee (1835-1837), die Chaussee von Schwarzenbek über Mölln und Ratzeburg nach Mecklenburg (1840-1842), die Strecke von Fredeburg nach Lübeck (1854 ausgebaut) und die Eisenbahnlinien Hamburg-Berlin (1846) und Lübeck-Büchen mit der Verlängerung nach Lauenburg (1851). Zwischen 1894 und 1899 entstand die Eisenbahnlinie von Berlin nach Kiel, die über Hollenbek und Ratzeburg auch durch den Kreis Herzog- tum Lauenburg führt. Der 1900 fertiggestellte Elbe-Trave-Kanal schließlich war bei seiner Eröffnung die modernste Binnen- wasserstraße Europas.

Mit der Schaffung dieser modernen Verkehrsinfrastruktur war vielfach die Erwartung wirtschaftlichen Aufschwungs verbun- den. Die Wirtschaft der alten lauenburgischen Städte blieb aber eng mit der Entwicklung ihrer ländlichen Umgebung verbunden. Sie behielten ihre Funktion als zentrale Orte, konnten aber kaum eine eigene wirtschaftliche Dynamik ent- falten.

Nennenswerte Anfänge einer Industrialisierung gab es nur im Süden des Kreises, in der Stadt Lauenburg und im hamburgi- schen Geesthacht. Hier erwiesen sich die Lage an der Elbe und die Nähe zu Hamburg als günstige Standortfaktoren, so- wohl was die Versorgung mit Rohstoffen als auch die Nähe zu den Absatzmärkten betraf. Weitgehend waren die bis zum Ersten Weltkrieg gegründeten Industriebetriebe rohstofforien- tiert, d.h. sie verarbeiteten hauptsächlich Erzeugnisse der heimischen Land- und Forstwirtschaft.

In Lauenburg wurde 1860 die erste Zündholzfabrik gegründet. Weitere Faktoren der beginnenden Industrialisierung waren die Dampfschifffahrt auf der Elbe sowie die Gründung von Ziegeleien und Werftbetrieben.

In Geesthacht gründete 1865 der schwedische Fabrikant und Erfinder Alfred Nobel auf dem Gelände des ehemaligen Gutshofs Krümmel eine Sprengstofffabrik. 1866 erfand Nobel hier das Dynamit. Im nahe gelegenen Düneberg entstand 1877 eine Pulverfabrik. Durch beide Betriebe wurde eine erhebliche Zuwanderung von Arbeitskräften ausgelöst, die sich im Ersten Weltkrieg noch verstärkte.

Vereinzelt entstanden für die neuen Arbeitskräfte in Lauenburg und Geesthacht eigene Werkssiedlungen. In einigen Orten, wie z.B. Büchen oder Müssen entstanden um die Bahnhöfe neue Siedlungskerne. Eine andere Tendenz, nämlich die "Stadtflucht" wohlhabender Hamburger, führte in den Gemein- den an der Bille zur Entstehung von Villenkolonien. Aber auch in Mölln oder Ratzeburg entstanden solche Villensiedlungen.

Weimarer Republik und Nationalsozialismus

Der Kreis Herzogtum Lauenburg wurde durch die wirtschaft- lichen Folgen des Ersten Weltkriegs schwer getroffen.
Während des Krieges hatten bis zu 20.000 Menschen in den Rüstungsbetrieben in Düneberg und Krümmel gearbeitet. Die Einstellung der Rüstungsproduktion nach dem Abschluss des Versailler Vertrages führte zu Massenentlassungen. Die hohe Arbeitslosenquote unter den ehemaligen Rüstungsarbeitern im Süden des Kreises hatte eine politische Radikalisierung zur Folge, von der besonders die radikalen Parteien der Linken profitierten.

Die Inflation und der Verlust des in Kriegsanleihen angelegten Kapitals nach dem verlorenen Krieg führten auch im Mittel- stand zu einer erheblichen Verunsicherung. Die dadurch aus- gelösten Existenzängste trugen bei den Reichstagswahlen 1924 zu beträchtlichen Stimmenanteilen des Völkisch-Sozia- len Blocks bei, einer rechtsradikalen Gruppierung, die in der Zeit des Verbots der NSDAP entstanden war.

Die Jahre der wirtschaftlichen Stabilisierung zwischen 1924 und 1928 brachten keine dauerhafte und tragfähige Erholung der Wirtschaft. Durch öffentliche Aufträge wurde versucht, die Wirtschaft zu beleben. Ein Großprojekt der zwanziger Jahre war der 1925 fertig gestellte Schaalseekanal mit dem Kraft- werk bei Farchau. Wegen der Kohleknappheit nach dem Ersten Weltkrieg war die Suche nach anderen Energiequellen, wie hier der Wasserkraft, forciert worden.

Die Arbeitslosigkeit blieb auch in diesen Jahren auf einem relativ hohen Stand, um dann ab dem Winter 1929/30 erheb- lich anzusteigen. Die Folgen der Weltwirtschaftskrise spiegel- ten sich auch in den Wahlergebnissen der ausgehenden zwanziger und beginnenden dreißiger Jahre. Bei der soge- nannten Erdrutschwahl am 14. September 1930 erzielte die

NSDAP bereits 25,4% der Wählerstimmen, bei den Reichs- tagswahlen vom 31. Juli 1932 waren es bereits 48,9%, wobei die Nationalsozialisten in den ländlichen Gebieten und in der Stadt Mölln die absolute Mehrheit der Stimmen erhielt.

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 begann auch im Kreis Herzogtum Lauenburg die Verfolgung und Unterdrückung politischer Gegner. Die totalitäre Herrschaft wurde sowohl auf der staatlichen wie auch auf der gesellschaftlichen Ebene (durch die Gleichschaltung von Verbänden und Vereinen) durchgesetzt, um die Gesell- schaft im nationalsozialistischen Sinn umzuformen.

Der nationalsozialistischen Diktatur gelang es durch staatliche Maßnahmen und die beginnende Aufrüstung relativ rasch, die Arbeitslosenzahlen zu senken.

Ein seit langer Zeit diskutiertes Projekt, das für die Entwicklung des Kreises von großer Wichtigkeit war, wurde im gleichge- schalteten nationalsozialistischen Staat 1937 umgesetzt. Am 1. April dieses Jahres trat das "Gesetz über Groß-Hamburg und andere Gebietsbereinigungen" in Kraft. Der Kreis profi- tierte von dieser umfangreichen Gebietsreform und gewann 105,5 km_ an Fläche hinzu. Das bis dahin hamburgische Geesthacht sowie früher zu Lübeck und Mecklenburg gehö- rende Enklaven kamen hinzu.

In der Vorbereitung des Zweiten Weltkriegs wurde die Rü- stungsproduktion im Süden des Kreises wieder aufge- nommen. Die entscheidende Zäsur in der Geschichte des Kreises brachten die Jahre 1943 und 1944 mit dem Zustrom der Bombenevakuierten aus Hamburg und dem Beginn der Fluchtbewegung aus den deutschen Ostgebieten. Dadurch wurde die Sozialstruktur des Kreises grundlegend geändert.

Der Kreis nach 1945

Kriegsbedingte Zerstörungen hatte es lediglich im Süden des Kreises Herzogtum Lauenburg gegeben. Büchen war Ende April 1945 als Eisenbahnknotenpunkt durch einen Luftangriff schwer getroffen worden. Beim Elbübergang der Alliierten bei Lauenburg und den daran anschließenden letzten Kämpfen war es auch zu Opfern unter der Zivilbevölkerung gekommen. Der Norden des Kreises war Anfang Mai 1945 kampflos besetzt worden.

Während des Krieges waren im Kreisgebiet zahlreiche Evaku- ierte aus den vom Bombenkrieg zerstörten Städten Lübeck und Hamburg untergebracht worden. Seit Ende 1944 kamen in großem Umfang Flüchtlinge und Vertriebene aus den deut- schen Ostgebieten hinzu, so dass sich innerhalb weniger Mo- nate die Zahl der Einwohner des Kreises verdoppelte.

1950 befanden sich die Einheimischen gegenüber den Flücht- lingen, die 54% der Wohnbevölkerung ausmachten, in der Minderheit. Nicht nur die kurzfristige Unterbringung und Ver- sorgung der Menschen stellte die Verantwortlichen vor große Probleme. Es musste für die neu Hinzugekommenen Wohn- raum gebaut, Arbeitsplätze bereitgestellt und die erforderliche Infrastruktur geschaffen werden.

Wegen des fehlenden Angebots an Arbeitsplätzen im Kreis wurden durch staatliche Lenkungsmaßnahmen zahlreiche Flüchtlinge und Vertriebene in den fünfziger Jahren umgesie- delt und auf wirtschaftlich stärker prosperierende Regionen der Bundesrepublik verteilt. Auch durch die Rückkehr von Eva- kuierten in die wieder aufgebauten Großstädte ging die Ein- wohnerzahl des Kreises zunächst zurück. Demgegenüber kamen bis 1961, dem Jahr des Mauerbaus, viele Flüchtlinge aus der DDR.

Seit den sechziger Jahren wirkte sich nicht nur ein erheblicher Geburtenüberschuss auf die demografische Entwicklung aus, sondern auch ein anhaltender Zuzug aus den Großstädten in die umliegenden Kreise. Die zunehmende Motorisierung der Bevölkerung ermöglichte eine weitere räumliche Trennung von Wohnort und Arbeitsplatz. Einen Zuwachs verzeichneten besonders die Gemeinden im Umland der Großstädte, während die Gemeinden im ländlichen Raum stagnierten.

Von 1961 bis 1987 verdoppelte sich die Zahl der Menschen, die ihren Arbeitsplatz außerhalb ihres Wohnortes hatten. 58% waren es im Jahre 1987, wobei die Zahl der Auspendler deut- lich über der der Einpendler lag. Die Nähe zu den Großstädten Hamburg und Lübeck ermöglichte es dabei vielen Berufstäti- gen, dort ihren Arbeitsplatz zu suchen, ohne ihren bisherigen Wohnort und das vertraute soziale Umfeld aufgeben zu müs- sen. Andererseits wurde der ländliche Raum zu einem attrakti- ven Wohnsitz für frühere Bewohner der nahe gelegenen Groß- städte.

Der Kraftfahrzeugbestand und das Verkehrsaufkommen ha- ben seit den fünfziger Jahren ständig zugenommen.
Während das Straßennetz immer weiter ausgebaut wurde, gab man immer mehr Schienenverbindungen auf. Das Eisen- bahnnetz im Kreis Herzogtum Lauenburg hatte zu Beginn des Ersten Weltkriegs seine größte Dichte erreicht. Schon in den zwanziger Jahren bereiteten die Omnibusse im Personenver- kehr der Eisenbahn Konkurrenz. Die Stilllegung von Strecken, Haltestellen und Bahnhöfen, die in den dreißiger Jahren be- gonnen hatte, setzte sich nach dem Zweiten Weltkrieg fort. Durch das Anwachsen des Autoverkehrs wurden viele Ort- schaften vom Durchgangsverkehr zunehmend belastet, so dass zahlreiche Ortsumgehungen entstanden. Von überre- gionaler Bedeutung war der Bau Autobahn Hamburg-Berlin (A24), die nach der Grenzöffnung im Jahre 1989 zu einer Hauptverkehrsader im Ost-West-Verkehr geworden ist.

Das südliche Kreisgebiet hat durch die Marschenautobahn (A 25) eine enge Anbindung an Hamburg erhalten.
Die im Bau befindliche Autobahn 20, die von den Zentren im Norden Mecklenburg-Vorpommerns nach Lübeck führt und dort mit der Autobahn Hamburg-Lübeck verbunden wird, ver- läuft ebenfalls durch den Kreis Herzogtum Lauenburg.

Als besonderes Hemmnis für die wirtschaftliche Entwicklung des Kreises nach dem Zweiten Weltkrieg erwies sich die Grenzlage, die die wirtschaftliche, politische und gesellschaft- liche Entwicklung der Region nachteilig beeinflusste. Rund 86 Kilometer einer immer undurchlässiger werdenden Grenze trennten den Kreis Herzogtum Lauenburg vom benachbarten Mecklenburg und schnitten so einen großen Teil des Umlan- des ab. Zu den negativen Auswirkungen der Grenze kam die periphere Lage zu den wirtschaftlichen Zentren hinzu. Die Grenzlage erschwerte jahrzehntelang die Ansiedlung von

Gewerbebetrieben und die Schaffung neuer Arbeitsplätze, so dass der Arbeitsmarkt nicht im gleichen Umfang wie die Bevölkerungszahlen gewachsen ist. Die "Zonenrandförderung" konnte die Nachteile der Randlage zwar mindern, aber nicht völlig ausgleichen. Impulse gingen in erster Linie von der Nachbarschaft der Großstädte Hamburg und Lübeck aus. Die Wirtschaft des Kreises wuchs deshalb nicht in dem gleichen Maß wie die der übrigen Hamburger Randkreise. Auch im Vergleich zur wirtschaftlichen Entwicklung in Schleswig- Holstein lag der Kreis Herzogtum Lauenburg zurück.

Für eine Ansiedlung von Betrieben konnte nach dem Zweiten Weltkrieg eine ganze Reihe von Gebäuden zur Verfügung gestellt werden, die vorher von Rüstungsbetrieben oder militä- rischen Einrichtungen genutzt worden waren. Die Struktur der Wirtschaft änderte sich dahingehend, dass statt weniger Groß- betriebe, die sich als sehr krisenanfällig gezeigt hatten, eine klein- und mittelbetriebliche Struktur herausbildete. Als her- ausragende Wirtschaftsstandorte entwickelten sich die fünf Städte des Kreises und die Gemeinde Büchen, wobei die Stadt Geesthacht als bedeutendster Standort zu nennen ist. In diesen sechs Orten wurden 1987 2/3 aller Beschäftigten und 3/4 aller nichtlandwirtschaftlichen Arbeitsplätze gezählt.

Nach 1945 entwickelte sich vor allem durch die weitere Me- chanisierung und Rationalisierung in der Landwirtschaft die Zahl der Arbeitsstätten und der Beschäftigten rückläufig. Der Bestand an Arbeitsstätten verringerte sich zwischen 1950 und 1987 um 29%. Während der Dienstleistungsbereich seinen Anteil am Gesamtbestand von Arbeitsstätten von 25,7% auf 55,5% steigerte, ging der Anteil des primären Sektors in die- sem Zeitraum von 40,9% auf 9,1% zurück.

Die Landwirtschaft erfuhr nach dem Zweiten Weltkrieg einen gewaltigen Entwicklungsschub, der durch einen zunehmen- den Marktdruck beschleunigt wurde.
Gekennzeichnet ist dieser Umbruch durch einen Wandel der Landnutzung und der Anbauprodukte, eine Verdrängung der kleineren Betriebe, zunehmende Betriebsgrößen und eine Steigerung der Ertragsleistungen.

Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe ist seit 1950 von ca. 4.000 auf ca. 1.600 Betriebe im Jahre 1991 zurückgegangen, wobei die Zahl der Nebenerwerbsbetriebe zugenommen hat. Die Einführung maschineller Produktionsmethoden hat zu einer Spezialisierung auf einzelne Betriebszweige und damit zur Abnahme der noch nach dem Zweiten Weltkrieg vorhan- denen innerbetrieblichen Vielseitigkeit geführt.
Es zeichnet sich dabei die Tendenz ab, statt auf Grünlandwirt- schaft stärker auf Ackerbau zu setzen. Auch ein Wechsel bei den angebauten Produkten ist zu beobachten. Der Futteran- bau hat deutlich an Bedeutung verloren, der arbeitsextensive und gut mechanisierbare Anbau von Raps und Getreide hat zugenommen.

Besonders signifikant ist die Zunahme beim Raps, der 1950 auf 1,4 % der Ackerfläche zu finden war, 1987 aber bereits auf 20,1 % der Fläche. Die Kartoffel wurde dagegen 1950 noch auf 20% der Fläche angebaut, 1987 nur noch auf 6 % der Fläche. Die Zahl der viehhaltenden Betriebe hat sich verringert, wobei aber die Produktion von Eiern, Milch und Fleisch gesteigert werden konnte.

Einen klaren Einschnitt stellte die Flurbereinigung dar, deren Ziel eine größere Effizienz der Landwirtschaft durch verbes- serte Produktions- und Arbeitsbedingungen und ein Ausbau der landwirtschaftlichen Infrastruktur war. Die Struktur der Nutzflächen wurde wesentlich geändert, Dränagesysteme, Straßen und Wege ausgebaut und die Wasserwirtschaft regu- liert. Durch dieses Bündel von Maßnahmen wurde die Land- wirtschaft auf eine neue Basis gestellt. Es veränderte sich neben der ländlichen Sozialstruktur auch das Landschaftsbild. So wurden die seit der Verkoppelung des 18. Jahrhunderts typischen Knicks vielfach beseitigt.

Seit dem ersten Flurbereinigungsgesetz von 1953, bei dem noch die Versorgung der durch die Aufnahme von Flüchtlingen stark angestiegenen Zahl von Einwohnern eine wichtige Rolle spielte, ist das Bewusstsein für ökologische Belange ge- wachsen und hat dazu geführt, dass die ökologische Landwirt- schaft an Bedeutung gewonnen hat und auch in der Land- schaftspflege neue Wege beschritten werden.

Auch der Charakter der ländlichen Gemeinden hat sich verän- dert. Die Dörfer werden nicht mehr ausschließlich durch Land- wirtschaft geprägt. Zahlreiche neue Wohngebiete sind ent- standen, und Erholung und Tourismus bieten neue Perspekti- ven.

Perspektiven des Kreises nach der Grenzöffnung 1989

Die Öffnung der innerdeutschen Grenze im November 1989 und die Vereinigung der beiden deutschen Staaten am 3. Ok- tober 1990 haben den Kreis vor neue Herausforderungen gestellt. Der Kreis hat durch die veränderte politische und wirtschaftliche Lage Zugang zu neuen Märkten im westlichen Mecklenburg, in den übrigen Regionen im Osten Deutsch- lands sowie im östlichen Europa erhalten. Starke Impulse gehen nach wie vor durch die Wirtschaftszentren Hamburg im Westen und Lübeck im Norden aus. Der Kreis ist in die Ent- wicklungsplanung für die Metropolregion Hamburg einbezo- gen und bietet durch eine Reihe von Standortvorteilen günstige Voraussetzungen für eine Neuansiedlung von Betrieben und die Schaffung neuer Arbeitsplätze.
So ist der Kreis in das überregionale Verkehrsnetz eingebun- den und verfügt über freie Gewerbeflächen zu relativ geringen Grundstückspreisen.

Die Zunahme von Produktion, Beschäftigung und Einkommen sind Zeichen eines beschleunigten wirtschaftlichen Wachs- tums. Der Kreis Herzogtum Lauenburg, in dem heute knapp

zu anderen Kreisen des Hamburger Umlandes seine Wirt- schaftskraft schneller steigern.

180.000 Einwohner leben, zog nach der Grenzöffnung im No- vember 1989 verstärkt Zuwanderer an und konnte im Vergleich Festzustellen ist auch eine zunehmende Bedeutung des Dienstleistungssektors in der Wirtschaftsstruktur des Kreises, was ebenfalls Auswirkungen auf die Beschäftigungsentwick- lung des Kreises hat. Ein bedeutendes Entwicklungspotential liegt auf dem touristischen Sektor, da der Kreis neben einem reichen kulturellen Angebot große landschaftliche Schönheit mit einem hohem Freizeit- und Erholungswert besitzt.

C. Lopau
Literatur: Regionalatlas Kreis Herzogtum Lauenburg, hrsg. von Dieter Jaschke im Auftrag der Lauenburgischen Akademie, Mölln 1998.
Zwischen Stillstand und Wandel - 125 Jahre Kreis Herzogtum Lauenburg, hrsg. vom Heimatbund und Geschichtsverein Herzogtum Lauenburg, erscheint im Herbst 2001.

Berufsschule

Der Fachbereich Bau- und Holztechnik, Farb- und Raumgestaltung

In den letzten Jahrzehnten entwickelte sich die Ausbildung in den Bauhaupt- und Baunebengewerben zu einer festen Größe. In den Ausbildungsberufen Tischler, Maurer, Zimmerer und Maler erfolgt in Mölln die schulische Ausbildung. In den Berufen Wasserbauer, Straßenbauer, Straßenwärter, Fliesen-, Platten- und Mosaikleger, Tiefbaufacharbeiter sowie Beton- und Stahlbetonbauer erfolgt die Beschulung des ersten Ausbildungsjahres im Rahmen der Baugrundstufe ebenfalls in Mölln.

Modell Auszubildende des Maler-, Zimmerer-, Tischler- und Maurerhandwerks in traditioneller Arbeitskleidung

Die vergangene Zeitspanne ist durch folgende Entwicklungen gekennzeichnet:

  • Einführung des vermehrten Berufsschulunterrichts. Damit wurde die Möglichkeit gegeben im Rahmen der Berufsausbildung den allgemeinbildenden Schulabschlüssen gleichwertige Abschlüsse zu erreichen.
  • Ergänzung der Stundentafel im berufsfeldübergreifenden Bereich um die Fächer Kommunikation und Fremdsprache. Die zukünftigen Facharbeiter werden für den zusammenwachsenden europäischen Binnenmarkt qualifiziert, indem sie methodisch befähigt werden, den sich stetig wandelnden Qualifikationsanforderungen durch eigenständiges Lernen gerecht zu werden.
     
  • Ergänzung der Stundentafel um ein Wahlpflichtfach zur notwendigen Unterstützung bzw. Vertiefung von Unterrichtsinhalten.
     
  • Einführung des kooperativen Berufsgrundbildungsjahres in den Bauberufen (1980), um eine berufsfeldübergreifende Berufsgrundbildung zu vermitteln und die damit verbundene Stufenausbildung in den Bauberufen umzusetzen.
     
  • Aufnahme der Maurerausbildung in das Landesprogramm "Fördernetzwerk" (1996), um eine ge- zielte Unterstützung lernschwacher Auszubildender zu ermöglichen.
     
  • Aufnahme des schulischen Teils der Ausbildung zum Bau- und Metallmaler sowie Holzbearbeiter (1998).
     
  • Entwicklung von zeitlichen, inhaltlichen und methodischen Lernortkooperationsmodellen zwischen Berufsschule und überbetrieblicher Ausbildung. Somit werden fachtheoretische und fachpraktische Inhalte der Ausbildung sinnvoll ergänzt bzw. verknüpft.
     
Pädagogische Grundsätze

Das Erlernen traditionellen Grund- und Handwerkswissens, der Umgang mit zukunftsweisenden neuen Technologien, Werk-Stoffen und Konstruktionsprinzipien sowie die Vermittlung von Sozial- und Methodenkompetenzen sind grundsätzliche Zielsetzungen der pädagogischen Arbeit.

Die pädagogische Vorgehensweise ist hierbei äußerst vielfältig und abwechslungsreich. Neben den bekannten Unterrichtsformen im Klassenverband werden vor allem anhand der Methodenelemente Praktische Fachkunde und Projektarbeit neue Wege gegangen.

Hierbei ist die Zielsetzung, dass Auszubildende selbstständig, selbstverantwortlich und kooperativ arbeiten und lernen. Von den Auszubildenden werden an konkreten Produkten in Kleingruppen fächerübergreifend Lerninhalte erarbeitet, diese präsentiert sowie einer Selbst- und Fremdbewertung unterzogen.

Als Beispiele seien hier exemplarisch genannt:
 
  • Die Entwicklung eines Fliesenschildes in der Baugrundstufe.
     
  • Die Entwicklung einer einläufigen vollgestemmten Treppe in der Zimmererausbildung.
     
  • Die Entwicklung eines Hängeschranks als Vollholzmöbel in der Tischlerunterstufe.
     
  • Die Entwicklung eines Stehpults in der Tischlermittelstufe.
     
  • Entwurf und Ausführung eines Lackschildes mit Schriftgestaltung in der Maleroberstufe.
     
Neue Technologien

Es entspricht dem Selbstverständnis der Abteilung, sich fachlich an technologischen Neuerungen zu orientieren und diese reflektiert in das Unterrichtsgeschehen einzubinden. So wurden in den letzten Jahren folgende Inhalte in den Unterricht integriert:

  • Das Erlernen der Programmierung CNC-gesteuerter Fräsmaschinen in der Tischlerausbildung.
     
  • Das Entwickeln von Bauzeichnungen mit Hilfe von CAD- Programmen.
     
  • Die Einbindung von Standardsoftware (Excel, Word, Power Point) in das Unterrichtsgeschehen.
     
  • Die Bereitstellung und das unterrichtliche Arbeiten in modernen Werkstätten.
     
Modell
Lernortkooperation

Da die Lehrkräfte sich der Tradition der Beruflichen Schulen Mölln verpflichtet fühlen und von deren Richtigkeit überzeugt sind, stellen die unterschiedlichsten Formen der Lernortkooperation mit den Dualpartnern ein wesentliches Element der Organisation der schulischen Berufsausbildung in allen Ausbildungsberufen dar. Hierzu gehören:

  • Die gemeinsame Organisation und Durchführung der Zwischen- und Gesellenprüfungen.
     
  • Die gemeinsame Organisation der überbetrieblichen Ausbildungslehrgänge in der Maler- und Tischlerausbildung durch die Berufsschule.
     
  • Die theoretische Vorbereitung und Begleitung der überbetrieblichen Ausbildungskurse durch den Berufsschulunterricht.
     
  • Die Einführung von gemeinsamen Weiterbildungsveranstaltungen für Meister, Gesellen und Lehrkräfte.
     

Hervorzuheben ist hierbei die Zusammenarbeit zwischen

Lehrern und Ausbildern in den Ausbildungsberufen der Zimmerer und Maurer. Hierbei werden in einem Drei-Wochen- Block im zweiten Ausbildungsjahr die Inhalte nicht nur fachlich und methodisch abgesprochen, sondern der Unterricht erfolgt zum Teil gemeinsam.

Modell
Das Entwickeln von Holzkonstruktionen
Entwicklungsperspektiven

Die Arbeit wird getragen von einem Team engagierter und motivierter Kolleginnen und Kollegen, denen die Qualität der Berufsausbildung am Herzen liegt. Hieraus ergibt sich, dass auch für die folgenden Jahre konkrete Zielsetzungen vorliegen:

  • Einführung des Berufsgrundbildungsjahres in der Tischlerausbildung.
     
  • Festigung und Ausbau der Lernortkooperation mit unseren Dualpartnern.
     
  • Verbesserung der räumlichen Situation vor Ort, das heißt Ausbau und Umbau der Werkstätten und Unterrichtsfachräume im Zuge des Schulumbaus, um den sich ändernden technologischen und pädagogischen Anforderungen gerecht zu werden.
     
  • Wiedereinführung des Leistungskurses Bautechnik im Fachgymnasium
     
Historische Handwerkszeichen der
Modell
Maurer
Modell
Maler
Modell
Tischler
Modell
Zimmerer

Der Fachbereich Elektrotechnik

Die sich ständig ändernde technische Welt erfasst keine andere Technik so intensiv wie die Elektrotechnik. Es vergeht kein Jahr, in dem nicht eine neue Technik auf den Markt kommt und etablierte Geräte ablöst. Elektrotechnik mit und an aktueller Technik zu unterrichten, ist Ziel und Aufgabe zugleich.
Diese Veränderungen werden auch in dem Wandel der elektrotechnischen Berufe und im Anteil der Elektrotechnik in den Vollzeitmaßnahmen deutlich.
Für Beständigkeit und Tradition stehen die Klassen des Elektrohandwerks. Die Elektroinstallateure bilden die größte Schülergruppe und nahmen bis in die 70er Jahre auch noch die handwerklichen Elektromaschinenbauer des 1. und 2. Ausbildungsjahrs auf. Die Veränderungen vollzogen sich im wesentlichen in den Lerninhalten und in einem zusätzlichen überbetrieblichen Kursangebot, das in unserem Kreis ausschließlich in den Räumen der Beruflichen Schulen stattfindet.
Die technischen Innovationen veränderten die industriellen Berufe stärker. Während die Starkstromelektriker noch bis in die 70er Jahre überwiegend in den Klassen des Handwerks unterrichtet wurden, bildeten die Energieanlageninstallateure mit Beginn der Stufenausbildung 1976 eigene Klassen. Die erste Stufe dieser neuen Ausbildung endete nach 2 Jahren. Erst mit erfolgreichem Abschluss der 2. Stufe konnten sich die Auszubildenden Elektroanlagenelektroniker nennen.

Die Neuordnung der Elektroberufe 1987 nahm die Stufenausbildung wieder zurück, und die Betriebe bildeten den Energieelektroniker mit der Fachrichtung Anlagentechnik und Betriebstechnik aus.
Versuchte der Berufsbildungsausschuss den immer höheren Anforderungen der Elektroberufe anfangs noch durch eine verlängerte Ausbildungszeit von 3 auf 3_ Jahre zu begegnen, musste er mit Beginn des Schuljahres 1988/89 den vermehrten Berufsschulunterricht (den sogenannten 2. Berufsschultag) zuerst in den Klassen der Industrie und dann auch in den Handwerksklassen einführen.
Der 1998 bundesweit und ab 1999 an unserer Schule neu eingeführte Beruf des Mechatronikers/ der Mechatronikerin entstand durch die veränderten Anforderungen in der automatisierten Fertigung. Er ist aus den Begriffen Mechaniker und Elektroniker zusammengesetzt. Der neue Beruf hebt die klassische Einteilung in elektrotechnische und metalltechnische Berufe auf und erweitert ihn um die Computertechnik. Er verbindet die Kenntnisse der Hard- und Software mit den elektround maschinenbautechnischen Fähig- und Fertigkeiten.
Der Einsatz von Mechatronikern/ Mechatronikerinnen ist relativ breit und branchenübergreifend möglich. Sie arbeiten in der Montage und Instandhaltung von komplexen Maschinen, Anlagen und Systemen. Mechatroniker/ Mechatronikerinnen sind im Sinne der Unfallverhütungsvorschriften Elektrofachkräfte.
Weitere Informationen finden Sie unter www.mechatronikermoelln. de.

Modell
Mechatroniker bei der Einrichtung eines Bearbeitungszentrums

Der Wandel der Elektroberufe beinhaltete auch immer eine inhaltliche, didaktische und methodische Veränderung des Unterrichtes. Die Elektroabteilung stellte sich diesem Wandel mit veränderten Raumkonzepten, aktueller sächlicher Ausstattung und neuen Unterrichtsformen. Entstanden sind Unterrichtskonzepte, die weit über die Schule hinaus Anerkennung finden. Viele Landes- und Bundesfortbildungsveranstaltungen für Lehrer zeugen von diesem guten Ruf.
Die Elektrotechnik veränderte auch die Vollzeitmaßnahmen der beruflichen Schule. In den 70er Jahren wurde der elektrotechnische Zweig der zweijährigen Berufsfachschule Technik und das profilgebende Leistungskursfach Elektrotechnik im Fachgymnasium eingeführt.
Musste der Lehrer in den ersten Räumen der Elektrotechnik des B-Traktes noch elektrotechnische Zusammenhänge an großen Schalttafeln demonstrieren, sollten mit dem Einzug in den F-Trakt 1976 Schülern die Möglichkeit eröffnet werden, selbst an elektrotechnischen Geräten arbeiten zu können. Zusammen mit den Schülern wurden Schalter, Taster, Lampen und Schütze auf Platten geschraubt, tausende Steckkontakte gebohrt und gelötet, und es entstand das erste Labor für Installations- und Kontakttechnik.
Es folgte die Einrichtung des Labors für elektrische Grundlagen und Elektronik, in dem das Oszilloskop, der Funktionsgenerator und das Vielfachmessgerät, ihren Platz fanden sowie ein Labor für Maschinentechnik.
Anfang der 80er Jahre kamen die ersten Computer auf den Markt. Sie waren noch sehr teuer, und so wurden die Apple II kurzer Hand selbst zusammengelötet. Theorie und Praxis mussten nun enger miteinander verbunden werden, was in integrierten Fachräumen realisiert werden sollte. Im Fachraum für Steuerungstechnik stehen heute PCs der aktuellen Generation, mit denen modernste SPS-Steuerungen mit Profi- und ASi-Bus - Anbindung und das Europäische Installationsbussystem programmiert werden.
Aus einem Landesprogramm Fachstufenlabor ist der Fachraum für CAD, Leistungs- und Regelungstechnik gewachsen.
Auch die Unterrichtsformen und Ziele mussten sich den Veränderungen anpassen. Dominierte anfangs noch der Frontalunterricht, werden heute immer mehr kleine bis umfangreiche Projekte, die in Zusammenarbeit mit den Betrieben durchgeführt werden, angestrebt.
Dieses technisch orientierte Fach Elektrotechnik erfordert die Durchführung praktischer Übungen an Geräten mit Industriestandard und mit Differenzierungsmaßnahmen. Die Schülerinnen und Schüler arbeiten in kleinen Gruppen, Partner- oder Einzelarbeit an den Geräten.
Das Ziel einer Handlungskompetenz in technischen Berufsfeldern erweist sich und wird konkret in technischem Denken und Handeln, das heißt im bewussten Bearbeiten von Aufgaben bzw. im Lösen von Problemen. So gewinnt in der Elektrotechnik neben der Sachkompetenz der Erwerb einer Methoden-, Selbst- und Sozialkompetenz immer mehr an Bedeutung.

Modell
Installationsarbeiten in der Werkstatt

Der Fachbereich KFZ

Der Kfz-Mechaniker steht in der Hitliste der beliebtesten Ausbildungsberufe seit Jahrzehnten ganz vorne. Die Faszination der Jugend für die Technik, insbesondere zum Auto, ist ungebrochen. Das Berufsbild hat sich jedoch im Laufe der Jahre grundlegend geändert. Aus einem klassischen Metallberuf entwickelte sich ein Dienstleistungsberuf, der ohne PC-Technik nicht mehr vorstellbar ist.
Die elektronische Revolution in der Automobilindustrie, die in den 70er Jahren begann, stellte für die Kfz-Mechaniker- Ausbildung eine große Herausforderung dar. Das didaktische Konzept musste grundlegend überarbeitet werden. Hierfür wurden u.a. neue Fachräume für die elektronische Grundlagenvermittlung notwendig. So wurde beispielsweise der ehemalige Kraftmaschinenraum in ein Kfz-Labor für die Steuerungs- und Regeltechnik umfunktioniert und mit einer vernetzten Rechneranlage ausgestattet. Alle Arbeitsplätze in diesem Labor haben einen Internetzugang. Zusätzlich wurde ein Kfz- Elektrik-Labor eingerichtet, in dem neben Grundlagenvermittlung in Elektrik auch überbetriebliche Lehrgänge der Kfz- Innung stattfinden.

Modell
Schüler am Testgerät

1982 wurde eine neue 290 qm große Kfz-Werkstatt eingeweiht. Die Sachausstattung der neuen Werkstatt konnte mit Mitteln des Trägers, der Kfz-Innung und der Inanspruchnahme von Handwerksfördermitteln auf ein technisches Niveau gebracht werden, das seines Gleichen sucht.
Durch Kontaktaufnahme zur Automobilindustrie und eine daraus resultierende Spendenbereitschaft der Hersteller

konnte bis zum Jahre 2000 die Ausstattung auf etwa 30 lauffähige Motoren, mehrere Rohbaukarosserien, diverse Aggregate wie Getriebe und 14 neuwertige Autos mit elektronischer Komplettausstattung ausgebaut werden. Der Schulträger und die Innung konnten durch diese Aktionen im Haushalt merklich entlastet werden und dafür andere wichtige Sachmittel wie Testgeräte mit PC-Anschluss anschaffen. Durch eine direkte Internet-Anbindung der Kfz-Werkstatt zu Automobilwerken können Schüler mit den modernen Medien vertraut gemacht werden. Technische Informationen von Herstellern sind direkt abrufbar.
Für die Kfz-Mechaniker-Ausbildung in Mölln wurden somit günstige Voraussetzungen für die gestiegenen Berufsanforderungen gelegt.

Modell
Kfz-Schülerin bei der elektronischen Achsenvollvermessung

Die überbetriebliche Ausbildung der Kfz-Mechaniker-Lehrlinge findet auch in den Werkstätten der Berufsschule statt. Der wichtige Kontakt zu den Betrieben ist somit selbstverständlich und wird kontinuierlich ausgebaut. Die Mehrfachnutzung der Sachausstattung durch Schule und Innung verläuft problemlos.
Zur Zeit wird mit einem bekannten Kfz-Software-Anbieter eine Vernetzung der Kfz-Werkstatt mit der kaufmännischen Abteilung organisiert. Ziel dieses Projektes ist es, berufsübergreifend einen praxisgerechten Arbeitsablauf mit modernster PCTechnik in einem Autohaus zu gestalten.
Durch die kooperative Zusammenarbeit mit dem Dualpartner gelang es, die Kfz-Abteilung auf ein sehr hohes technisches Niveau zu bringen, das landes- und bundesweit Anerkennung findet.

Der Fachbereich Metall

Werkstätten und Labore

Im Mai 1946 wurde in Mölln die Berufsschule im Gudower Weg (heutige Bibliothek) wieder eröffnet und mit einer kleinen Metall- und Schweißwerkstatt für die überbetriebliche Ausbildung ausgestattet. Mit dem Neubau der Berufsschule in der Kerschensteinerstraße wurde im Jahre 1960 die Metall- und die Schweißwerkstatt in diese Räume verlegt und mit einer Schmiede, 24 Metallarbeitsplätzen und wenigen Dreh-, Fräsund Bohrmaschinen eingerichtet. Raumenge und steigende Schülerzahlen in den metallverarbeitenden Berufen erforderten 1977 den Neubau der heute noch bestehenden Metallwerkstatt. Neben 50 Metallarbeitsplätzen erhielt diese Werkstatt mit Hilfe der Handwerksförderung 7 Bohr-, 4 Fräs- und 9 Drehmaschinen. Neben der Durchführung überbetrieblicher Lehrgänge für die metallverarbeitenden Handwerksberufe erfolgt in dieser Metallwerkstatt die praktische Ausbildung für die Berufsfachschule Technik und für das Fachgymnasium Technik sowie die Vermittlung metalltechnischer Grundlagen für die berufsvorbereitenden Maßnahmen.
Im Jahre 1960 wurde unter der fachlichen Leitung eines Schweißfachingenieurs die Schweißkursstätte gegründet. Träger dieser Ausbildungsstätte ist der Kreis Herzogtum Lauenburg.
Die überbetriebliche Ausbildung der Basisqualifikationen   Gas-, Elektrohand- und Schutzgasschweißen für die Auszubildenden der Betriebe im Kreise Herzogtum Lauenburg findet an der vom Deutschen Verband für Schweißen und artverwandte Verfahren (DVS) beaufsichtigten Schweißkursstätte statt.
Die Bildungseinrichtung erfüllt alle für eine hochwertige schweißtechnische Ausbildung und Prüfung relevanten personellen, apparativen und räumlichen Qualitätsanforderungen und ist gemäß ISO 9000 ff. akkreditiert und unterliegt damit hinsichtlich der Ausbildung und Prüfung von schweißtechnischem Personal einer strengen Kontrolle gemäß der Norm DIN EN 45 013. Die Kurse werden in Vollzeitform (Tageskurse) durchgeführt und umfassen je nach

Modell
Arbeitsplätze Gasschmelzschweißen

Ausbildungsziel 40 bzw. 80 Ausbildungsstunden. Die Kursgebühren werden anteilig von den Innungen, dem Land und dem Bund entrichtet.
Der enorme technische Fortschritt in den 80er und 90er Jahren erforderte auch für den Berufsschulunterricht in den metallverarbeitenden Berufen den Einstieg in die modernen Technologien wie pneumatische, hydraulische und elektronische Regelungs- und Steuerungstechnik, speicherprogrammierte Steuerungen (SPS), Computer, computergestützte Prüf- und Messtechnik, CNC-Drehen und -Fräsen, Werkstoffprüfung, Montagetechnik und Internet. Entsprechende Labore wurden in den letzten Jahren eingerichtet, sie werden laufend modernisiert und ergänzt. Alle metallverarbeitenden Berufe werden mit unterschiedlichen Schwerpunkten in diesen Laboren unterrichtet. Dabei wird vorwiegend in Gruppen gearbeitet, in denen Selbständigkeit und Handlungsorientierung dann die stärkere Verzahnung der ehemaligen Bereiche "Fachpraxis" und "Fachtheorie" verdeutlichen.

Industriemechaniker/-in

Die Entwicklung der Ausbildungsordnungen seit 1969 hatte zu einer immer ausgeprägteren Trennung von Fertigkeiten einerseits und Kenntnissen andererseits in den Ausbildungsrahmenplänen der Metallberufe geführt. In dieser Zeit waren im Kreis Herzogtum Lauenburg Hauptträger der gewerblichen industriellen Berufsausbildung die Firmen Fette und Tuchenhagen, die Wilhelmsburger Maschinenfabrik und die Hitzler- Werft. Diese Firmen bildeten u.a. Maschinenschlosser, Betriebsschlosser, Werkzeugmacher, Dreher, Fräser, Schleifer, Bohrwerkdreher und Blechschlosser aus. Durch die Neuordnung der Metallberufe im Jahre 1987 wurden diese traditionellen Berufe durch den Industriemechaniker und den Zerspanungsmechaniker ersetzt.
Mit der Neuordnung der Metallberufe wurden auch die Lerninhalte einer Revision unterzogen. Das im Betrieb übungs- und tätigkeitsorientiert vermittelte Berufswissen soll nun durch Einbetten in Lernzusammenhänge verbunden werden und damit auf Dauer handlungsorientiert verfügbar sein. Neben den berufsspezifisch erforderlichen Fähigkeiten und Kenntnissen stehen daher die Fähigkeiten zum selbständigen Planen, Durchführen und Kontrollieren immer mehr im Mittelpunkt einer modernen industriellen Berufsausbildung. So auch bei den Industriemechanikern, die

in den Fachrichtungen Maschinen- und Systemtechnik, Produktionstechnik und Betriebstechnik hier an der Berufsschule ausgebildet werden.
In der Fachrichtung Produktionstechnik werden die Auszubildenden für den Bereich der industriellen Serienproduktion qualifiziert, in der Fachrichtung Maschinen- und Systemtechnik für den Bereich der Herstellung und Instandhaltung von Maschinen und Produktionssystemen und in der FachrichtungBetriebstechnik für den Bereich der Aufrechterhaltung und Wiederherstellung der Betriebsbereitschaft von Maschinen und Anlagen.
In dem Berufsschulunterricht mit den Unterrichtsfächern Technologie, fachbezogene Mathematik und Technische Kommunikation wird auf das Einüben der Arbeit im Team und das selbständige Erarbeiten von Lerninhalten und Fähigkeiten Wert 125 Jahre Berufliche Bildung im Kreis Herzogtum Lauenburg 16 gelegt, damit der künftige Facharbeiter dies im Betrieb umsetzen kann. Hierzu dienen die vielfältigen Labore und Fachräume. Das Unterrichtsfach Wirtschaft und Politik weist den Schüler in die betrieblichen und rechtlichen Gegebenheiten der Arbeitswelt des Facharbeiters ein, wie z.B. Arbeitsrecht, Unternehmensformen, Sozialversicherungen, und bringt dem Schüler umweltbewusstes Denken im Alltag und im Betrieb nahe.

Zerspanungsmechaniker/-in

Die Technologie des Zerspanens von Metall wurde zunächst für die metallverarbeitenden Berufe im Wesentlichen durch Demonstration unterrichtet. Hierfür stand eine Drehscheibe zur Verfügung, auf der die jeweilige Maschine (Drehmaschine, Fräsmaschine, Ständerbohrmaschine, Stoßmaschine) von allen Seiten den Schülern präsentiert werden konnte. Mit der Neuordnung der Metallberufe wurden nicht nur die bisherigen Berufe Dreher, Fräser, Schleifer umbenannt in Zerspanungsmechaniker mit den Fachrichtungen Dreh-, Fräs- und Schleiftechnik, sondern viel bedeutender war die rasante Entwicklung in der PC-Technik mit den daraus resultierenden neuen Lerninhalten. Die bis dahin manuelle Fertigung eines Werkstückes wurde durch eine prozessgesteuerte Fertigung abgelöst.

Landesweit erhielten im Jahre 1986 die Berufsschulen zunächst WANG-Rechner und die Programmiersoftware OPUS, mit der die CNC-Ausbildung auch in Mölln begonnen wurde. Im Jahre 1987 folgte dann die Ausstattung der Berufsschulen mit einer CNC-Maschine, die Berufsschule Mölln entschied sich für eine Gildemeister Drehmaschine CT40 mit einer EPL2- Steuerung. Der Fortschritt in der PC-Technik und in der Programmierung der Maschinensteuerungen erforderte in den Jahren darauf die Anschaffung einer neuen Computergeneration und mehrere Software-Updates. Im Jahre 2000 wurde die Ausbildung in den metallverarbeitenden Berufen durch die Anschaffung eines CNC-Bearbeitungszentrums DMG mit einer Heidenhain-Steuerung erweitert.

CNC-Bearbeitungszentrum
Modell

Mit diesem modernen CNC-Ausbildungszentrum können die Beruflichen Schulen in Mölln nicht nur die Erstausbildung durchführen, sondern sind auch in der Lage, künftig Lehrgänge im Rahmen der überbetrieblichen Ausbildung sowie Weiterbildungveranstaltungen in der Technologie des Zerspanens anzubieten.

Metallbauer/-in

Im Laufe der geschichtlichen Entwicklung entstanden neben dem bekannten Beruf des Schmieds die Handwerksberufe Bauschlosser, Blechschlosser, Stahlbauschlosser, Schmelzschweißer u.a. In den vergangenen 40 Jahren drängte die technische Entwicklung die Anforderungen bezüglich der körperlichen Arbeit und der handwerklichen Fertigkeiten immer mehr zurück. Die Entwicklung der CNC-Maschinen und die industrielle Vorfertigung von Werkstücken und ganzen Baugruppen veränderten die Ansprüche an den handwerklichen Metallbauberuf. Neben den fachspezifischen Inhalten werden im Unterricht heutzutage Grundlagen der Elektrotechnik, CNC und Steuerungstechnik vermittelt.
Nach der Neuordnung der Metallberufe hat sich an der Berufs- schule Mölln aufgrund der Nachfrage der Betriebe der Beruf

des Metallbauers mit der Fachrichtung "Konstruktionstechnik" etabliert, vereinzelt werden auch Auszubildende mit der Fachrichtung Metallgestaltung in diese Klassen integriert.
Künftig wird die Elektronik im Metallbau noch mehr an Bedeutung gewinnen. So schließen z.B. Brand- und Rauchschutztüren heutzutage nicht mehr allein mit mechanischen Schließfolgereglern, sondern sie werden zunehmend mit elektronischen Schließeinrichtungen betrieben. Die Verwendung vorgefertigter Bauteile wie, z.B. Fenster-, Fassaden- und Türprofile, erfordern von dem Auszubildenden konstruktives Verständnis und planerisches Denken. Die Berufsschule reagiert auf diese Entwicklung mit entsprechenden Projekten und einer intensiveren Zusammenarbeit mit den Ausbildungsbetrieben.

Landmaschinenmechaniker/-in

Aus dem Berufsbild des klassischen Dorfschmieds entwickelte sich in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts der Spezialist für die zunehmend motorisierte und mechanisierte Landtechnik, der heutige Ausbildungsberuf des Landmaschinenmechanikers.
Waren die Traktoren zunächst nur der Ersatz für Zugtiere und wurden sie auch nur als Ersatz für diese vor Bodenbearbeitungs- und Erntemaschinen eingesetzt, so durchliefen alle Landtechnikbereiche beginnend in der zweiten Hälfte der 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts eine rasante Entwicklung!
An der Schwelle des neuen Jahrtausends ist der Landmaschinenmechaniker Betreuer, Wartungs- und Reparaturfachmann für hochkomplizierte teure Maschinen und Geräte in den Bereichen Mechanik, Motoren, Getriebe,

Bremsanlagen, Hydraulik, Elektrotechnik und Elektronik bis hin zu satellitennavigationsgestützten Ernte-, Dünge- und Pflanzenschutzmaschinen. Computer und elektronische Steuerungen haben auf Ackerschleppern und Mähdreschern längst ihren festen Platz. Der Berufsschulunterricht für die Landmaschinenmechaniker hat diese atemberaubende Entwicklung mit vollzogen.
Seit 1991 führt die Landmaschinenmechanikerinnung Lübeck für die Kreise Herzogtum Lauenburg, Ostholstein, Stormarn und die Hansestadt Lübeck die Zwischen- und Gesellenprüfungen für die Auszubildenden aus dem Innungsbereich sowie aus dem östlichen Teil der Freien und Hansestadt Hamburg in den Räumen der Berufsschule Mölln durch. Selbstverständlich war und ist ein Berufsschullehrer aus Mölln Mitglied des Prüfungsausschusses.

Gas- und Wasserinstallateur/-in

Vor dreißig Jahren beauftragte man für die Installation und Reparatur von Sanitäreinrichtungen noch den Klempner und Installateur; heute übernimmt diese Arbeiten der Gas- und Wasserinstallateur. Entsprechend wandelten sich die Inhalte des Berufes, zu den bis dahin üblichen Arbeiten sind inzwischen weitere Arbeitsschwerpunkte wie Altbausanierung, Modernisierung der Zentralheizungen, elektronische und computergestützte Steuerungen und Regelungen von Heizungsanlagen, der Einsatz von Wärmepumpen und die Solartechnik gekommen. Auf Grund dieser Überschneidungen in den Berufsinhalten werden daher in einigen Jahren der Gas- und Wasserinstallateur und der Heizungsbauer einen gemeinsamen Beruf bilden. Immer energiesparendere und umweltschonendere Gasheizungen kommen auf den Markt und müssen von den Installateuren beherrscht werden. Hierfür steht ein Gaslabor, ausgestattet mit den modernsten Gasgeräten und Prüfständen, zur Verfügung. Dieses Labor wurde mit großzügiger finanzieller und aktiver Unterstützung der Innung eingerichtet und am 24. September 1992 eingeweiht. Seitdem finden hier die überbetrieblichen Maßnahmen der Innung statt sowie die praktische Fachkunde in Ergänzung zum Berufsschulunterricht.

Die Herstellerfirmen der Gasgeräte unterstützen diese Laboreinrichtung mit einer regelmäßigen Förderung beim Austausch der Geräte und in der Ausbildung an diesen neuesten Geräten.

Seit Mitte 1996 wird ein Wassergerätelabor, welches in Eigenarbeit und mit Unterstützung des Dualpartners entstanden ist, für die Ausbildung genutzt. Hier können

Elektrowarmwasserbereiter und die verschiedensten Wassergeräte und - armaturen im praktischen Betrieb untersucht werden. Da die handwerkliche Tätigkeit immer mehr durch Vorfertigungen ersetzt wird, müssen Beratung und Planungshilfen in den Unterricht einfließen. In Mölln werden im ersten Ausbildungsjahr die Gas- und Wasserinstallateure gemeinsam mit den Zentralheizungs- und Lüftungsbauern beschult. Danach setzten Letztere ihre Fachausbildung in der Landesberufsschule in Garding fort, die Gasund Wasserinstallateure beenden ihre Ausbildung in Mölln mit der Gesellenprüfung, die selbstverständlich in den Räumen der Berufsschule in Mölln stattfindet.

Modell
Gaslabor
Werkstätten
Modell
Malerwerkstatt
Modell
Tischlerwerkstatt
Modell
Metallwerkstatt
Modell
Die Überbetriebliche Ausbildungsstätte und die Sporthalle

Der Fachbereich Büro und Verwaltung

An den Beruflichen Schulen ist neben den Ausbildungsgängen Verwaltungsfachangestellte/r und Bürokauffrau/mann dem bundesweiten Trend Rechnung getragen worden. Nunmehr seit drei Jahren werden auch Auszubildende zum Kaufmann/ frau für Bürokommunikation unterrichtet.
Neben neuen Berufsbildern werden auch neue Unterrichtskonzeptionen an den Beruflichen Schulen eingeführt. Diesen Entwicklungen zur Folge findet der Unterricht fächerübergreifend und lernfeldorientiert statt.

Modell

Den traditionellen Unterrichtsinhalten aus der Wirtschaftslehre, dem Rechnungswesen, der Gemeinschaftskunde und Textverarbeitung sind weitere gefolgt. Geforderte Schlüsselqualifikationen, speziell in den Büro- und Verwaltungsberufen, sind grundlegende Beherrschung der deutschen Sprache in Wort und Schrift sowie Kooperationsbereitschaft und Teamfähigkeit, werden im Schulalltag vermittelt.
Diese Qualifikationen unterliegen ebenso Veränderungen wie die sachliche Ausstattung der Unterrichtsmittel. Den technischen Anforderungen haben sich der Schulträger, das Land und andere Institutionen gestellt und, wie schon in der Vergangenheit, die Schule mit entsprechenden Sachmitteln ausgestattet. So wird der Unterricht selbstverständlich mit modernen PC-Systemen und Standardsoftware, wie sie auch in den Betrieben eingesetzt wird, durchgeführt. Die Schülerinnen und Schüler erlernen im Unterricht Textbearbeitung und -gestaltung, können im Internet recherchieren und für virtuelle Unternehmen Internetpräsentationen erstellen.

Darüber hinaus wird die kommunikative Kompetenz vermittelt, Medien sachgerecht und zielorientiert, kreativ sowie selbständig und verantwortungsbewusst zu nutzen.
Die Schülerinnen und Schüler lernen, die Medien in Güte und Zuverlässigkeit einzuschätzen sowie die gefundenen Inhalte nach Kriterien einzuteilen. Als weitere Kompetenz werden Fähigkeiten vermittelt, die Rechercheergebnisse zu visualisieren und zu präsentieren.

Der großen Bedeutung des Auslandsgeschäftes der deutschen Wirtschaft wird insofern Rechnung getragen, als das im ersten Ausbildungsjahr durchgängig eine Fremdsprache (bisher Englisch, zukünftig auch Spanisch) unterrichtet wird und sich die Schüler mit einer speziellen Prüfung zusätzlich qualifizieren können (Zertifikat nach den Richtlinien der Kultusministerkonferenz).

Des Weiteren werden die vielfältigen Möglichkeiten der Beruflichen Schulen für Projekte mit anderen Abteilungen genutzt. Schülerinnen und Schüler haben somit die Möglichkeit, praxisgerecht Arbeitsabläufe durchzuführen.

Modell
Datenverarbeitung in der Ausbildung

Neben der Unterrichtserteilung in den Fächern der landeseinheitlichen Lehrpläne werden an den Beruflichen Schulen auch Hilfe- und Prüfungsvorbereitungen durchgeführt. Durch die Einführung spezieller Prüfungsvorbereitungs- unterrichte in den Oberstufen sollen die Prüfungsergebnisse weiter verbessert werden.

Der Fachbereich Wirtschaft

Ab 1977 erfolgt aufgrund des Raummangels im Haupt- gebäude in der Kerschensteinerstraße 2 die Ausgliederung der ersten Klassen in die Landwirtschaftsschule in der Schmilauer Str. 66 (Bankkaufleute) als Gäste, da dort - in einer Schule unter der Gebäudeträgerschaft des Kreises - wegen der abnehmenden Zahl der Besucher der landwirtschaftlichen Berufsfachschulen Räume zur Verfügung standen. Da sich dieser Trend fortsetzte, kam es im Jahr 1994 zu einer Kooperation zwischen dem Kreis und der Landwirtschaftskammer zum "Agrarischen Zentrum", um den Schulstandort Mölln für die Landwirtschaft zu erhalten. 1998 gab die Kammer den Schulstandort Mölln auf und das Gebäude stand für die Nutzung unserer Schule zur Verfügung. Nachdem vorher schon die Industriekaufleute und die Kaufleute im Groß- und Außenhandel dort beschult worden waren, konnten jetzt auch noch die Kaufleute im Einzelhandel hier untergebracht werden, so dass die gesamte kaufmännische Abteilung I hier zur Zeit ihren Platz hat.

Wie im gesamten Berufsschulbereich hielt vor allen Dingen bei der kaufmännischen Ausbildung seit Anfang der 80er Jahre der Unterricht am PC seinen Einzug. Ein Raum mit 14 Schülerarbeitsplätzen steht in der Landwirtschaftsschule zur Verfügung, ein zweiter mit 12 Arbeitsplätzen ist seit Februar 2001 durch große Eigeninitiative der Kolleginnen und Kollegen sowie der Hausmeister dazugekommen.

In allen Berufen der kaufmännischen Ausbildung wird der Teilzeitunterricht mit 12 Stunden in der Woche, d.h. 1.440 Std. während der Gesamtausbildung erteilt, wobei die Aufteilung auf einzelne Berufsschultage in Anlehnung an das "Schleswig -Holstein Modell" vorgenommen wird. Die Neugestaltung der Rahmenlehrpläne ab dem Jahr 1997 hat bisher die Berufe "Kaufleute im Groß- und Außenhandel" und "Bankkaufleute" erfasst. Für die Industriekaufleute und die Kaufleute im Einzelhandel sowie für Verkäufer steht diese Umgestaltung unmittelbar bevor und dürfte in den nächsten 2 Jahren abgeschlossen sein. Neu an diesen handlungsorientierten Rahmenlehrplänen ist die Aufteilung in Lernfelder, die fächerübergreifend den Stoff vermitteln und PC-gestützt sind.

Diese Form der Vermittlung von schulischen Ausbildungsinhalten könnte in Zukunft dazu führen, die Verweildauer in der Schule variabler zu gestalten und so eventuell auch die Ausbildungsdauer flexibler zu handhaben. Ein Angebot, das nach Abstimmung mit den Ausbildungsbetrieben auch deren Interessen entgegenkommen könnte.

Seit 1999 werden Auszubildende des 1998 neu geschaffenen Berufs "Automobilkaufmann / Automobilkauffrau" an unserer Schule unterrichtet. Mit Beginn des laufenden Schuljahres werden die Auszubildenden der Unterstufe der Rechtsanwaltsund Notarfachangestellten an unserer Schule unterrichtet.
Dies soll aufsteigend in den kommenden Jahren einzügig geschehen. Ebenso ist es geplant, ab dem Beginn des Schuljahres 2001/2002 die Auszubildenden der Fachangestellten in steuerberatenden Berufen an unserer Schule zu unterrichten, die bislang noch in Lübeck beschult werden. Dadurch ergeben sich für den Kreis Einsparungen an Gastschulgeld, das bisher an die Stadt Lübeck gezahlt werden musste. Die zur Zeit noch bestehende Bezirksfachklassenregelung wird dadurch für unseren Kreis aufgehoben. Grund dafür ist die starke Zunahme der zur Verfügung gestellten Ausbildungsplätze in diesen beiden zukunftsorientierten Dienstleistungsbereichen durch ausbildungsbereite Rechtsanwalts- und Notarkanzleien und Steuerberatungsbüros in unserem Kreis.

Ab dem Schuljahr 1997/98 wird der Englischunterricht in den kaufmännischen Teilzeitklassen mit einer eigenständigen Prüfung auf freiwilliger Basis abgeschlossen, bei deren Bestehen ein gesondertes Zertifikat durch die Schule gemäß Vereinbarung der Kultusministerkonferenz erteilt wird. Seit dem Schuljahr 2000/2001 geschieht dies landeseinheitlich. Dadurch entsteht eine wesentliche Entlastung der Kolleginnen und Kollegen, die in diesen Bereichen den fachspezifischen Englischunterricht erteilt haben und bisher mit der Erstellung der Prüfungsaufgaben und der Organisation der Prüfungsdurchführung zusätzlich belastet waren.

Der Fachbereich Landwirtschaft

Modell
Das "Haus der Landwirtschaft", die alte Landwirtschaftsschule in der Schmilauer Strasse

Der Berufsschulunterricht der Landwirtinnen und der Landwirte ist im Jahre 1994 vom Schulgebäude in der Kerschensteiner Strasse in das "Haus der Landwirtschaft" in die Schmilauer Strasse verlagert worden.
Das im Eigentum des Kreises befindliche "Haus der Landwirtschaft" war bis Ende 1998 von der Landwirtschafts- kammer angemietet gewesen, die im Hause die Einjährige Fachschule für Landwirtschaft, die klassische Landwirt- schaftsschule, führte. Im Zuge der Diskussion um den Erhalt der Möllner Landwirtschaftsschule entschloss sich die Berufsschulleitung zur Verlagerung der landwirtschaftlichen Berufsschulklassen in eben dieses "Haus der Landwirtschaft", um durch diese Zusammenlegung zu einem Agrarischen Zentrum Mölln als Standort der landwirtschaftlichen beruflichen Erstausbildung und Weiterbildung zu erhalten und zu stärken.
Mit 50 bis 60 Auszubildenden haben sich die Schülerzahlen im Vergleich zu den 80er Jahren zwar halbiert und sind damit einer im gesamten Bundesgebiet festzustellenden Entwicklung gefolgt, sie haben sich aber auch auf diesem Niveau stabilisiert und gewährleisten nach wie vor solide aufsteigende Fachklassen. Die rund 55 Ausbildungsbetriebe

stellen für die landwirtschaftliche Berufsausbildung in unserem Kreis eine gute Basis dar, die auch über Kreis- und Landesgrenzen hinaus eine große Anziehungskraft besitzt.
Infolge eines Länderabkommens zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein müssen Hamburger Auszubildende der Landwirtschaft schleswig-holsteinische Berufsschulen aufsuchen, da diese Ausbildung von der Stadt Hamburg nicht mehr angeboten wird.
Hierfür sind außer den Beruflichen Schulen in Bad Segeberg auch die Beruflichen Schulen in Mölln bestimmt worden. Des weiteren hat die landwirtschaftliche Berufsschule in Mölln den Status einer Bezirksfachklasse für Auszubildende aus Lübeck und ab dem Schuljahr 2001/02 auch für Auszubildende aus dem Kreis Stormarn. Den Auszubildenden aus dem Kreis Stormarn steht es frei, die Berufsschule für Landwirte in Bad Segeberg oder in Mölln aufzusuchen.
Im Rahmen einer Strukturreform des Fachschulwesens wurde die Einjährige Fachschule für Landwirtschaft zum 01.01.1999 aus der Trägerschaft der Landwirtschaftskammer heraus in die Trägerschaft des Kreises Herzogtum Lauenburg verlagert und damit den Beruflichen Schulen zugeordnet.
Zur gleichen Zeit übernahm auch der Kreis Herzogtum Lauenburg wieder die Bewirtschaftung des Hauses der Landwirtschaft, von dem nun nur noch ein Teil an die Landwirtschaftskammer vermietet ist, während sämtliche Klassenräume und Lehrerzimmer nunmehr offiziell als Nebenstelle der Beruflichen Schulen in Mölln genutzt werden.
Diese rechtliche und organisatorische Veränderung ist vom Kreis Herzogtum Lauenburg mit einem großzügigen Investitionsprogramm begleitet worden:
Neben dem Anbau einer Landtechnikwerkstatt und dem Umbau der alten Lehrküche zu einem ansprechenden Klassenraum für landwirtschaftlichen Fachunterricht wurde ein neues Lehrerzimmer im Altbau des Gebäudekomplexes geschaffen. Da die Schülerzahlen der landwirtschaftlichen Berufs- und Fachschulklassen die Gebäudekapazität bei weitem nicht mehr füllen können, werden in der Nebenstelle außerdem die auszubildenden Bankkaufleute, Groß- und Außenhandelskaufleute, Industriekaufleute, Automobil- kaufleute und die Einzelhandelskaufleute beschult.

Der Fachbereich Gesundheit

Dem Fachbereich Gesundheit sind die Ausbildungsberufe der Arzthelferin, der Zahnarzthelferin und der Pharmazeutisch- kaufmännischen Angestellten zugeordnet.
Die Arzthelferinnen und die Pharmazeutischkaufmännischen Angestellten (früher: Apothekenhelferin) werden schon seit dem Schuljahr 1977/78 an den Beruflichen Schulen in Mölln unterrichtet, die Zahnarzthelferinnen kamen 1978 hinzu.
Vorher besuchten die Auszubildenden des Gesundheits- bereiches die Gewerbeschule in Lübeck. Im Unterschied zu anderen Ausbildungsberufen unterrichteten zunächst noch (Zahn-) Ärztinnen und (Zahn-)Ärzte sowie auch Apothekerinnen die Auszubildenden des Gesundheitsbereiches, denn es gab bis Mitte der 80er Jahre noch keine Absolventen des Studienganges "Gesundheit" für das Lehramt an Beruflichen Schulen.
Seitdem bestreiten nunmehr acht Kolleginnen dieses Studienganges den Fachunterricht im Gesundheitsbereich und sind darüber hinaus in weiteren Teil- und Vollzeitbildungsgängen der Beruflichen Schulen mit ihrem Zweitfach tätig.

Zu den jeweiligen Kreisvereinigungen der Ärzteschaft, der Zahnärzteschaft und der Apothekerschaft bestehen gute Kontakte, so dass das duale System der Berufsausbildung auch für den Gesundheitsbereich erfolgreich wirkt.

An den Beruflichen Schulen in Mölln werden in drei Ausbildungsjahren insgesamt etwa 80 Arzthelferinnen, 60 Zahnarzthelferinnen und 25 Pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte ausgebildet.
Im berufsbezogenen Unterricht werden die Fächer Zahnmedizinische Fachkunde mit integriertem Unterricht im medizinischen Labor, Praxiskunde mit integrierter Daten- und Textverarbeitung und für die Pharm.-kaufmännischen Angestellten zusätzlich Wirtschaftslehre, Datenverarbeitung und Rechnungswesen erteilt.
Die Ausbildungsdauer beträgt generell 3 Jahre mit 2 Berufsschultagen für den erweiterten Berufsschulunterricht in der Unterstufe und je 1 Berufsschultag in der Mittel- und Oberstufe.

Der Gesundheitsbereich hat sich damit zu einem weiteren stabilen Segment der Beruflichen Schulen des Kreises Herzogtum Lauenburg entwickelt. Dieser Tatsache wurde letztendlich auch seitens des Kreises als Schulträger mit dem

Bau des Gesundheitstraktes (G-Trakt) im Jahre 1990 Rechnung getragen. Dank eines schlüssigen Konzepts sind im G-Trakt außer den Klassen des Fachbereiches Gesundheit noch die Friseur/- innenklassen des Fachbereiches Körper- pflege und die Biologie untergebracht.
Eine umfangreiche Lehrmittelsammlung bietet Synergieeffekte für alle Fachbereiche dieses Traktes.
Während der Laborunterricht vorher in provisorisch herge- richteten Klassenräumen stattfand und trotz Unzuläng- lichkeiten dank des großen Engagements der Lehrkräfte zum Erfolg führte, wird Laborunterricht seit 1990 in einem professionell eingerichteten medizinischen Labor erteilt.
Hinzugekommen sind modernisierte und mit neuer EDV eingerichtete Datenverarbeitungsräume, die der Schulung in Textverarbeitung und Praxiskunde mit der jeweiligen Fachsoftware dienen.
Wie in anderen Berufen auch, hat sich der EDV-Anteil im Unterricht, speziell im Fach Praxiskunde, sehr ausgeweitet. Der Berufsschulunterricht spiegelt somit auch hier den Berufsalltag der Auszubildenden wider, die auch in ihren (Zahn-)Arztpraxen den Umgang mit EDV und entsprechender fachspezifischer Software beherrschen müssen.

Modell
Auszubildende Arzthelferinnen der Unterstufe üben im Umgang mit dem Mikroskop die Leukozytenzählung (Zählung der weißen Blutkörperchen im Blut) im Laborkundeunterricht

Der Fachbereich Hauswirtschaft

Nach dem Krieg wurde bereits 1949 mit der Gründung der Haushaltungsschule an der Kreisberufsschule, der Grundstein für eine qualifizierte Aus -und Weiterbildung im Berufsfeld Hauswirtschaft gelegt. Seit den 70er Jahren befindet sich dieser Ausbildungsbereich in einem ständigen Umbruch!
Die fortschreitende Technisierung, gerade auch im Haushalt, und die Anpassung an die veränderten Haushaltssituationen in einer modernen Gesellschaft, verlangten einen rigorosen Strukturwandel. 1978 wurde die sich dramatisch verschlechternde Ausbildungsplatzsituation mit der Einführung der zweijährigen Berufsfachschule Hauswirtschaft aufgefangen. Diese Maßnahme, die nach zwei Jahren zum mittleren Bildungsabschluss führt, wurde mehrfach umbenannt und heißt heute Berufsfachschule Gesundheit und Ernährung und ist jeweils zweizügig in Mölln und Geesthacht eingerichtet. Bis Ende der 80er Jahre existierte in Mölln die ,,halbschulische" Berufsausbildung in der Berufsfachschule Hauswirtschaft. (BFS Typ II) Die duale Berufsausbildung zum/zur Hauswirtschafter/in war zunächst aufgeteilt in ländliche und städtische Teilbereiche mit unterschiedlichen Stundentafeln, die jedoch in den 80er Jahren zusammengeführt wurden, obwohl die zuständigen Stellen bei der Landwirtschaftskammer bzw. beim Bildungsministerium verblieben. 1999 wurde dann im Zuge einer weiteren Strukturveränderung die zuständige Stelle für die Städtische Hauswirtschaft an die IHK vergeben, um damit generell eine Gleichrangigkeit zwischen allen Ausbildungsberufen herzustellen. Allerdings musste im Zuge dieser Umstrukturierung die berufsbegleitenden Weiterbil-dungskurse zum/zur Hauswirtschaftsmeister/ in an den Beruflichen Schulen in Mölln 1999 eingestellt werden.
Ergänzt werden die Ausbildungswege in der Hauswirtschaft seit 1983 durch die Einrichtung einer beruflichen Ausbildung Behinderter zur Hauswirtschaftshelferin bzw. zum Hauswirtschaftshelfer. In dieser vom Arbeitsamt geförderten Maßnahme werden zumeist junge Frauen ohne Hauptschulabschluss zu einem Berufsabschluss gefördert. Die Ausbildung erstreckt sich auf die Vermittlung einfacher Kenntnisse und die Einübung einfacher Fertigkeiten.
Seit Anfang der 90er Jahre wird bundesweit die Erstausbildung zum/zur Hauswirtschafter/in neu geordnet. Neue Perspektiven in der Hauswirtschaft fordern neue Konzeptionen.

Den typischen Arbeitsplatz im Privat- oder Großhaushalt gibt es faktisch nicht mehr - dafür gibt es vielfältige Einsatz- möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt, wie z.B. bei Service-Agenturen, Dienstleistungs- und Cateringunternehmen. Verstärkt nachgefragt werden in Zukunft hauswirtschaftliche Dienstleistungen im ambulanten Bereich und bei der Betreuung von Senioren, Kindern und Behinderten in kleinen Wohngruppen. Bei diesen Tätigkeiten werden Hausarbeit, Sozialarbeit und eventuell Grundpflege eng vernetzt sein.
Diese Vernetzungen stellen neue Herausforderungen an das Berufsfeld Hauswirtschaft. Neben fachlicher Kompetenz sind Sozialkompetenz und Flexibilität wichtig.
Bedingt durch diese Neuordnung muss die Ausbildung und demzufolge auch der Unterricht neu gestaltet werden. Die neuen Lemfelder Betreuung, Versorgung und Vermarktung erfordern nicht nur eine zukunftsorientierte Unterrichts- konzeption, sondern auch eine moderne, der Zielsetzung der Ausbildung angepasste Ausstattung. Geplant ist deshalb die Anschaffung einer Großkücheneinheit für den projektorientierten Unterricht und der Ankauf von Großgeräten im Bereich Wäschepflege und Hausreinigung.

Modell
Lehrküche

Der Fachbereich Körperpflege

Der Berufsschulunterricht für Friseurinnen und Friseure fand bis zum Jahre 1990 unter sehr beengten Verhältnissen im Erdgeschoss des A-Traktes statt.
Hohe Schülerzahlen sowie die große Bedeutung des fachpraktischen Berufsschulunterrichts veranlassten Schulleitung und Schulträger eine großzügige Lösung in Verbindung mit den Gesundheitsberufen ins Auge zu fassen.
So wurde im Erdgeschoss des neu errichteten G-Traktes neben dem Klassenraum ein Praxisraum errichtet, der einem modernen Friseursalon nachempfunden sein könnte. Außerdem verfügt diese Ebene des G-Traktes noch über einen Vorbereitungsraum und einen Kosmetik-/ Verkaufsraum.
Die Ausbildung zur Friseurin/ zum Friseur dauert drei Jahre. Zur Zeit werden in den Friseurbetrieben des Kreises 84 junge Leute ausgebildet.
In der Regel verteilen sich die Unterrichtsinhalte auf zwei Berufsschultage in der Unterstufe und jeweils einen Tag in der Mittel- und Oberstufe.
Die Schülerinnen und Schüler des Körperpflegebereiches werden in Farb- und Formgebung, Kosmetik, Haar- und Kopfhautpflege, Kommunikation, Fachbezogener Mathematik und Wirtschaft/ Politik unterrichtet.
Die seit November 1997 gültige Stundentafel trägt den in den letzten Jahren gestiegenen Ausbildungsanforderungen und der veränderten Prüfungsordnung Rechnung.

Die Zwischen- und Gesellenprüfungen für Friseurinnen und Friseure werden in den Fachräumen abgenommen.

Modell
Gesichtskosmetik verlangt Fachwissen und Konzentration. Die auszubildenden Friseurinnen geben sich alle Mühe.

Der Fachbereich Nahrungsgewerbe

Im Kreis Herzogtum Lauenburg bilden 23 Innungsbetriebe der Bäcker fast 60 Auszubildende zur Bäckerin und zum Bäcker und fast 80 Auszubildende zur Bäckereifachverkäuferin aus. Während die Anzahl der auszubildenden Bäcker in den letzten Jahren konstant geblieben ist, hat die Zahl der Bäckereifachverkäuferinnen zugenommen, was wohl auf die stark angestiegene Zahl der Back- und Verkaufsfilialen der Bäckereien in den Supermärkten zurückzuführen ist.
Außerdem hat sich die Nachfrage seitens der Kundschaft in Richtung auf eine zunehmende Backwarenvielfalt diversifiziert, wodurch auch die Anforderungen an den Bäcker und die Bäkkereifachverkäuferin gestiegen sind und ein positives Berufsbild vermittelt wird.
Land und Kreis haben sich in der Folge dieser Entwicklung deutlich zum Erhalt und weiteren Ausbau der Berufe des Nahrungsgewerbes an den Beruflichen Schulen in Mölln bekannt. Durch die Anstellung eines Fachlehrernditormeister ist, sowie eines weiteren Studienrats und durch die Neueinrichtung der Backstube mit modernen Backöfen und anderem Gerät sowie auch durch die Einrichtung eines Verkaufsraumes verläuft die Ausbildung mit moderner Technik nicht zuletzt auch dank der Unterstützung durch die Bäckerinnung wieder praxisgemäß.

 

Modell
Bäckereifachverkäuferinnen führen ein Verkaufsgespräch im neuen Verkaufsraum

Im Bereich der Fleischerei bilden 20 Ausbildungsstätten fast 60 Auszubildende der Berufe Fleischer/-in und Fleischereifachverkäufer/- in aus. Die Schülerzahlen begrün- den ebenfalls aufsteigende Fachklassen (Unter-, Mittel- und Oberstufe), so dass auch für diesen Bereich im Rahmen der Beschulung vor Ort eine Modernisierung der Fleischerwerkstatt beabsichtigt ist. Durch das gestiegene Bewusstsein der Verbraucher für gesunde Nahrungsmittel kommt einer guten Ausbildung der Fleischer und der Fleischereifachverkäuferinnen eine große Bedeutung zu.
Weiterhin besteht die Absicht, künftig auch die auszubildenden Köche des Kreises zum Berufsschulunterricht nach Mölln kommen zu lassen, denn die Anzahl der Auszubildenden dieses Berufes, die zur Zeit noch eine Lübecker Berufsschule besuchen, würde ebenfalls aufsteigende Fachklassen begründen.

Die mittelfristig geplante räumliche Integration dieser Berufe des Nahrungsgewerbes in einem Neubaukomplex mit neuem Nahrungsgewerbetrakt bietet hervorragende Möglichkeiten auch der unterrichtlichen Zusammenarbeit zwischen den Lehrkräften der Bäckerei, der Fleischerei und der gewerb- lichen Großküche. Die Einbeziehung der Auszubildenden des Bereiches der Hotel- und Gaststättenrestauration muss in dem Zusammenhang ebenfalls erwogen werden.

Modell
Die Bäckerei
 

Der Fachbereich Sonderpädagogik

Ausbildungsvorbereitendes Jahr

Das Ausbildungsvorbereitende Jahr Hauswirtschaft/ Technik (AVJ) ist eine einjährige Vollzeitmaßnahme, in der sich der Theorie- und Praxisunterricht die Waage halten. Ziel des AVJ ist es, Schülerinnen und Schülern im Rahmen der Ausbildungsvorbereitung berufsrelevante Fähigkeiten (z.B. Teamfähigkeit usw.) zu vermitteln. Darüber hinaus haben sie die Möglichkeit, bei entsprechenden theoretischen Leistungen einen dem Hauptschulabschluss gleichwertigen Abschluss zu erlangen.
Im Rahmen eines projektorientierten Unterrichtes, in dem Theorie und Praxis miteinander verknüpft sind, wurden und werden verschiedene Kleinprojekte realisiert.

Bereich Zimmerei:
Projekt "BATIBA" Bank-Tisch-Bank Kombination als Gartenmöbel

Modell

Bereich Hauswirtschaft:
Mittagstisch, Gästebewirtung und Pausensnacks

Soziales Projekt:
Kontakt und Betreuung von Rollstuhlfahrern
Bereich Metall:
Projekt "Schwenkgrill"

Modell

Im Rahmen eines 2-3wöchigen Betriebspraktikums wird den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit gegeben, sich einen Einblick in die Arbeitswelt zu verschaffen. Daneben hat sich gezeigt, dass das Praktikum die Chance auf einen Ausbildungsplatz vergrößert. Weitere Aktivitäten innerhalb des Schuljahres sind zum Beispiel: Kennenlernfahrt, BIZ-Besuch, Theaterbesuch, Erste- Hilfe-Kurs, Haut und Körperpflegekurs. Um den unterschiedlichen Lernvoraussetzungen gerecht zu werden, ist im AVJ-Hauswirtschaft für das nächste Schuljahr geplant als Unterrichtsform den "Offenen Unterricht" einzuführen, bei dem das selbständige Lernen im Vordergrund steht.

Jugendliche ohne Ausbildungsverhältnis

In den Klassen für Jugendliche ohne Ausbildungsverhältnis werden Schülerinnen und Schüler einmal wöchentlich unterrichtet, die Ihre Vollzeitschulpflicht erfüllt haben, über keinen Ausbildungsplatz verfügen, aber noch berufsschulpflichtig sind. Durch den Besuch dieser Klasse kann kein weiterführender Schulabschluss erreicht werden. Daraus resultiert häufig eine mangelnde Motivation seitens der Schüler. Die Teilnehmer bringen keine homogenen Lernvoraussetzungen mit (von Förder- bis Realschule). Dies führt zu schwierigen Unterrichtsbedingungen.

Die Aufnahme eines Beschäftigungsverhältnisses wird dadurch erschwert, dass die Betriebe den Berufsschultag als Arbeitstag entgelten müssen.
Um diese Situation zu entschärfen, ist für das kommende Schuljahr geplant, den leistungsfähigeren Schülerinnen und Schülern durch Blockunterricht die Erfüllung der Berufsschulpflicht in kürzerer Zeit zu ermöglichen. Die Motivation der Schülergruppe soll gesteigert werden durch Einführung eines Praxisanteils und der stärkeren Vermittlung berufsbezogener Inhalte.

Berufsvorbereitende Maßnahmen

Die Schülerinnen und Schüler sind Teilnehmer der Arbeitsamtmaßnahme "Maßnahme zur Verbesserung der beruflichen Bildungs- und Eingliederungschancen". Diese Übergangshilfe zur Berufsausbildung oder zur Aufnahme eines Arbeitsverhältnisses wird vom Institut für berufliche Qualifizierung (IFBQ) Schwarzenbek in Zusammenarbeit mit den Beruflichen Schulen Mölln durchgeführt.
Der Lehrgang dient der beruflichen Orientierung. In der Werkstatt der Einrichtung durchläuft eine Gruppe die Berufsbereiche Holz, Metall, Farbe und Garten- und Landschaftsbau. Darüber hinaus ist eine weitere Gruppe von Beginn der Maßnahme an in ausgewählten Praktikumsbetrieben beschäftigt.

Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer besuchen parallel zur praktischen Ausbildung die Berufsschule in Mölln. Der Unterricht findet an zwei Tagen in der Woche statt. Hier erhalten die Schülerinnen und Schüler die Chance, bei entsprechenden Leistungen den Hauptschulabschluss zu erwerben.
Die individuelle Förderung berufsspezifischer Fähigkeiten, sowie das Training sozialer Verhaltensweisen stehen im Mittelpunkt der pädagogischen Arbeit. Sie wird geleistet durch ein Team, das aus Berufsschullehrerinnen und -lehrern und pädagogischen Fachkräften des IFBQ besteht.
 
 

Das Projekt "Klassenschiff"
Modell
Die Geeste

M/S "Geeste"

Das ehemalige Binnenschiff wurde 1990 vom Schulträger auf Initiative einer Lehrergruppe der Fachgruppe Sonderpädagogik in Bremen angekauft. Seitdem wird es im Rahmen projektorientierten Unterrichts im Bildungsgang Ausbildungsvorbereitendes Jahr zu einem schwimmenden Klassenraum bzw. Klassenschiff aus- und umgebaut.

Die Arbeiten und der Unterricht auf dem Schiff sollen den Schülerinnen und Schülern durch Kennenlernen der Berufsfelder Holz, Metall, Farbe und Bau Hilfen bei Ihrer Berufswahl geben und sie zur Berufswahl- und Ausbildungsreife führen.

Die für das erfolgreiche Bestehen in Ausbildung und Beruf notwendigen Sozial-, Fach-, und Methodenkompetenzen werden durch das gemeinsame Planen und Durchführen der handwerklichen Arbeiten und der mit dem Klassenschiff durchgeführten Fahrten erfolgreich gefördert.

Die Kennenlernfahrt zum Beginn des Schuljahres, der Elternabend an Bord, der Theaterbesuch mit Übernachtung auf dem Schiff, die einwöchige Abschlussfahrt auf dem Elbe-Lübeck- Kanal und der Elbe, als auch die kontinuierlichen Arbeiten am und auf dem Schiff im Rahmen des Unterrichtes machen die Arbeit mit der oftmals aus problembehafteten sozialen Umfeldern stammenden Schülergruppe erfolgreich.

Der Ausbau der Geeste ist bereits soweit fortgeschritten, dass die sie im Jahr 1997 von der Schiffsuntersuchungs- kommission als Motorfahrgastschiff abgenommen wurde. Es wurden sieben Kajüten mit 28 Schlafplätzen geschaffen, ein Aufenthaltsraum mit Küchenzeile eingerichtet und das Schiff im technischen Bereich überholt.

Ermöglicht wurde und wird das Projekt durch den engagierten Einsatz der beteiligten Lehrkräfte und Schüler, Spenden von Firmen und öffentlichen Institutionen sowie tatkräftiger Unterstützung des städtischen Bauhofs Mölln, des Wasser- und Wirtschaftsamtes Lauenburg und anderer Unternehmen.

Zertifizierung von Fremdsprachenkenntnissen in der beruflichen Bildung

Hintergrund: Der Europäische Referenzrahmen für das Lernen und Lehren von Fremdsprachen
Der zweite Entwurf des ,,Europäischen Referenzrahmens für das Lernen und Lehren von Sprachen" wurde im April 1997 in Strasbourg vom Europarat verabschiedet und den Ländern zur Erprobung angeboten.
Der gemeinsame Referenzrahmen stellt eine Basis für Fremdspracheninhalte, curriculare Richtlinien usw. bereit. Er beschreibt, was gelernt werden muss, um eine Sprache für Kommunikationszwecke wirksam zu nutzen. Dies schließt den kulturellen Kontext von Sprache ein. Der Referenzrahmen definiert Niveaustufen der Sprachkompetenz, die es ermöglichen, den Stand bzw. die Weiterentwicklung der Kompetenzen während eines lebenslangen Lernens festzustellen:

Wer stellt das Schaubild zur Verfügung?

Diese gemeinsame Basis zielt darauf ab, die internationale Zusammenarbeit zu fördern.

In der beruflichen Bildung wurde auf Kultusminister-Ebene bereits sehr früh und konsequent auf diese Entwicklung reagiert. Direkt orientiert an diesem Referenzrahmen wurde die Zertifizierung von Fremdsprachen in der Beruflichen Bildung entwickelt. Dieses Zertifikat dient als europaweit anerkannter Beleg über Fertigkeiten in einer Fremdsprache zur Vorlage bei (zukünftigen) Arbeitgebern.
Berufliche Schulen können auf freiwilliger Basis - unabhängig von einer Benotung im Zeugnis - eine Prüfung anbieten, in der sich Schülerinnen und Schüler ihre Fremdsprachen- kenntnisse zertifizieren lassen können.

Dabei werden drei Niveaustufen angeboten (vgl. Tabelle):
Niveaustufe 1 - Waystage
Niveaustufe 2 - Threshold
Niveaustufe 3 - Vantage

Die Prüfung wird jeweils in einer der drei Niveaustufen abgenommen. Die Beschreibungen der Niveaustufen sind bundesweit einheitlich definiert. Je Niveaustufe wird die Prüfung differenziert nach Erfordernissen der verschiedenen Berufsbereiche, wie z.B.

  • kaufmännisch-verwaltende Berufe
  • gewerblich-technische Berufe
  • gastgewerbliche Berufe
  • sozialpflegerische, sozialpädagogische Berufe

durchgeführt. Innerhalb der Berufsbereiche können weitere Konkretisierungen bis zur Ebene des einzelnen Berufes vorgenommen werden.
Die Prüfung besteht aus einem schriftlichen und einem verbindlichen mündlichen Teil. Folgende Kompetenzbereiche werden geprüft:

  • Rezeption
  • Produktion
  • Interaktion
  • Mediation

Die Prüfung ist bestanden, wenn der schriftliche und der mündliche Prüfungsteil bestanden sind; ein Ausgleich ist nicht möglich.

Das KMK-Zertifikat in Schleswig-Holstein

In Schleswig-Holstein waren die Beruflichen Schulen des Kreises Herzogtum Lauenburg in Mölln landesweit die erste berufsbildende Schule, die sich dieser Herausforderung stellte. Bereits im Schuljahr 1997/1998 nahmen vier Kolleginnen Prüfungen in verschiedenen kaufmännischen Ausbildungsberufen ab.
Im Laufe der Zeit konnten ausgehend von Mölln - wenn auch zögerlich aufgrund des enormen Arbeitsaufwandes - immer mehr berufsbildende Schulen für dieses Projekt gewonnen werden. Doch die zusätzliche freiwillige Arbeitsbelastung der Kolleginnen und Kollegen erwies sich bald als kaum mehr vertretbar.
Deshalb wurde im Schuljahr 2000/2001 eine gesonderte Arbeitsgemeinschaft vom Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung und Kultur einberufen mit der Zielsetzung, eine Handreichung als auch landesweit zentrale

Prüfungs- und Bewertungsvorschläge zu erarbeiten. Weitere Prüfungsvorschläge - für Ausbildungsberufe und / oder Niveaustufen, die die AG nicht anbietet - können selbständig von den Schulen erarbeitet werden. Sie müssen der AG zur Genehmigung eingereicht werden.
Dieses Jahr beteiligten sich bereits 10 berufsbildende Schulen in Schleswig-Holstein. Landesweit meldeten sich 390 Schülerinnen und Schüler zu den freiwilligen Prüfungen an. In Mölln lagen 87 Anmeldungen für fünf verschiedene Ausbildungsberufe im kaufmännischen und sozialpflege- rischen Bereich vor.
Die Akzeptanz und der Bekanntheitsgrad dieses Zertifikates in der Wirtschaft steigt jährlich. Im nächsten Schuljahr sollen zum ersten Mal auch Prüfungen im gewerblich-technischen Bereich als auch in Spanisch angeboten werden.
 

Projekte

Solaranlage auf den Beruflichen Schulen

Seit dem 02. November 1998 steht auf dem Dach des ETraktes (alte Bauhalle) eine Photovoltaikanlage. Die Beruflichen Schulen hatten sich erfolgreich für ein Projekt SONNEonline beworben, das von dem Stromversorger PREUSSEN ELEKTRA und Partnerunternehmen initiiert wurde.
 
  Im norddeutschen Raum wurden an ausgewählten Schulen ca. 350 Solaranlagen (36 in Schleswig-Holstein) zur Verfügung gestellt, um eine flächendeckende Untersuchung der Effizienz dieses Anlagentyps (1KW Spitzenleistung) durchzuführen.
9 Solarzellen sind in Reihenschaltung mit 30° Neigung in Südrichtung an einem schattenfreien Ort angebracht, die erzeugte Spannung wird über einen Wechselrichter in Wechselspannung umgewandelt und über einen Energiezähler ins Versorgungsnetz der Schule eingespeist.
 
Nach eingehenden Beratungen (mit Vertretern der Schleswag AG und des Kreisbauamtes) konnten wir nach den Herbstferien mit dem Aufbau der Anlage beginnen.

Der Kreis ließ auf dem Dach des E-Traktes ein begehbares Gerüst herstellen, und der LK Elektrotechnik (12. Jahrgang) konnte am 2. November mit dem Aufbau der Anlage beginnen. Innerhalb von 6 Stunden waren die Solarzellen und ein Schaltschrank montiert, so dass am nächsten Tag die Schüler der Elektroinstallateur- und Energieelektroniker- Mittelstufe die Elektroinstallation vornehmen konnten. Dazu war in den Wochen vorher schon von Schülern der Elektroinstallateur Gesellenstufe ein ca. 30m langer Kabelkanal angebracht worden. So konnte der Physik-Grundkurs (12. Jahrgang) an einem Tag der offenen Tür unserer Schule schon in beeindruckender Weise die Funktion der Anlage demonstrieren. Trotz des regnerischen Wetters lieferte die Anlage eine elektrische Leistung zwischen 50 und 100W. Also ließ sich schon eine Glühlampe und, wenn es etwas heller wurde, sogar ein kleiner Motor betreiben. Seit dem 1. Dezember 1998 ist die Anlage vollständig in Betrieb.
Die jährliche "Energieernte" beträgt ca. 800 KWh; das entspricht etwa einem Viertel des durchschnittlichen Energieverbrauchs einer 4-köpfigen Familie.

Projekt Schulbank (aus dem Kunstunterricht)
Modell
Modell

Fachgymnasium, Fachschulen und Berufsfachschulen

Fachgymnasium

1949 begann die offizielle Geschichte des Fachgymnasiums in Schleswig-Holstein, zunächst in Form der Wirtschafts- oberschule, übergehend in das Wirtschaftsgymnasium und in das Fachgymnasium, unterteilt in vier Zweige, heute in fünf Schwerpunkte: Agrarwirtschaft, Ernährung, Gesundheit und Soziales, Technik und Wirtschaft. 1969 wurde an den Beruflichen Schulen des Kreises Herzogtum Lauenburg in Mölln der erste Jahrgang für das Technische Gymnasium eingeschult. Hierzu das Lauenburgische Tagesblatt in den Lübecker Nachrichten vom Sonnabend, 16. August 1969, Nr. 189: "Mit dem Technischen Gymnasium habe nun jeder begabte und bildungswillige Volks- und Realschüler die Möglichkeit, über den Besuch der Berufsfachschulen oder der Berufsaufbauschulen die fachgebundene Hochschulreife zu erreichen. Die schulpolitischen Erkenntnisse der letzten Jahrzehnte hätten es deutlich werden lassen, dass Bildung und Ausbildung keine Gegensätze mehr seien."

Bild von Herrn Bersch einfügen

 
 
 
 
 
 
 
 
 
  StD. a.D. Jörg Bersch Anfang der 80iger Jahre bei seiner Ansprache an die Abiturientinnen und Abiturienten; über 25 Jahre Koordinator des Fachgymnasiums an den Beruflichen Schulen des Kreises Hzgt. Lauenburg in Mölln

1979 beendete der erste Jahrgang des Fachgymnasiums in Schleswig-Holstein die Schulzeit am Fachgymnasium mit der Verleihung der allgemeinen Hochschulreife an zwei Beruflichen Schulen: im Zweig Wirtschaft an den Beruflichen Schulen am Ravensberg in Kiel und in den Zweigen Technik, Wirtschaft und Sozialwirtschaft an den Beruflichen Schulen in Mölln.
Von 1979 bis 2001 haben 1130 Schülerinnen und Schüler ihren Besuch des Fachgymnasiums in Mölln mit der allgemeinen Hochschulreife abgeschlossen. (1444 insge- samt seit 1969, die fachgebunden erworbenen Abschlüsse einbezogen.) Die Studienstufe am Fachgymnasium hat sich bewährt, trotz vieler landespolitischer Beschränkungen bei der Anzahl der einzurichtenden Eingangsgruppen. Mit dem Schuljahr 1999/2000 ist es mit tatkräftiger Unterstützung der Eltern- und Schülervertretung gelungen, wieder durchgehend vierzügig im Fachgymnasium unterrichten zu können. Dies ist auch ein Verdienst der Kolleginnen und Kollegen, die unter teilweise schwierigen Bedingungen den Unterricht im Fachgymnasium bis heute erteilt haben. Die Zahl der in der Studienstufe des Fachgymnasiums unterrichtenden Kolle- ginnen und Kollegen ist auf über 70 angestiegen.

Die Studienstufe am Fachgymnasium mit dem Abschluss der allgemeinen Hochschulreife ist in der Bildungslandschaft des Kreises Herzogtum Lauenburg, ebenso wie im Land Schleswig- Holstein, fester Bestandteil geworden.
Das Engagement der jeweiligen Schulleitung, der Elternvertreter/ innen, der Schülervertreter/innen und der Kreispolitiker/ innen haben dazu beigetragen, dass auch mit dem Schuljahr 2001/2002 wieder über 110 junge Menschen aus dem Kreis Herzogtum Lauenburg, die in den 11. Jahrgang aufgenommen wurden, die Chance erhalten, auf dem Fachgymnasium in Mölln die allgemeine Hochschulreife zu erreichen.
Im Schuljahr 2001/02 vermittelt das Fachgymnasium Schülern und Schülerinnen mit einem überdurchschnittlichen Realschulabschluss [Voraussetzung für die Aufnahme ist ein Realschulabschluss mit einem Notendurchschnitt von besser als 3,0 in den Fächern der Stundentafel, außer den Noten der Fächer, die in der 9. und 8. Klasse abgegeben wurden] durch berufsbezogene und allgemeinbildende Unterrichtsinhalte eine Bildung, die den Anforderungen für die Aufnahme eines Hochschulstudiums und einer vergleichbaren Berufsaus- bildung entspricht. [§ 22, Schulgesetz Schleswig-Holstein].
Über die Einführung der Schwerpunkte Agrarwirtschaft, Gesundheit und Soziales sowie des Schwerpunktes Technik mit den profilgebenden 2. Leistungskursen Bautechnik und Datenverarbeitungstechnik wird fortwährend in den schulischen Entscheidungsgremien beraten.

Modell
Zwei Schülerinnen des Fachgymnasiums, wirtschaftlicher Zweig, 12. Jahrgang, Grundkurs Physik, bei der Erläuterung des Projektes "Sonne- Online" anlässlich der Tage der Tage der offenen Tür Anfang November 1998, gemeinsam und in Absprache geplant, konstruiert und gebaut mit den Mittelstufen der Elektroinstallateure und Energieelekroniker sowie der Gesellenstufe der Elektroinstallateure.

Es bleibt die Hoffnung, dass diese Einrichtung auch in den kommenden Jahren vielen jungen Menschen die Möglichkeit bieten kann, die allgemeine Hochschulreife, aufbauend auf dem Realschulabschluss bzw. dem Berufsausbildungs- abschluss mit der entsprechenden Zusatzqualifikation, zu erwerben.

Die Berufsfachschule für Kaufmännische Assistenten

Als in den 80er Jahren das Lehrstellenangebot zurückging und immer mehr Jugendliche keine Lehrstelle fanden, führte man 1986 atypisch zum dualen Ausbildungssystem den Wirtschaftsassistenten, eine zweijährige schulische Berufsausbildung, ein, um weiterhin einen qualifizierten kaufmännischen Nachwuchs auszubilden und Jugendlichen mit Realschulabschluss eine berufliche Perspektive zu bieten. Das Angebot wurde mehr der Not gehorchend denn aus Überzeugung angenommen und wurde in erster Linie zur Verbesserung der beruflichen Einstiegsmöglichkeiten genutzt. Attraktiv machte die Ausbildung zum staatlich geprüften Wirtschaftsassistenten die Möglichkeit, zeitgleich durch Belegung eines Zusatzangebotes den schulischen Teil der Fachhochschulreife zu erwerben. Nach einem mindestens halbjährigen Praktikum konnte so ein Studium an einer Fachhochschule aufgenommen werden.

1999 wurde die Ausbildung den geänderten Gegebenheiten angepasst. Ausgebildet wurde in 2 Jahren zum staatlich geprüften Kaufmännischen Assistenten in der Fachrichtung Fremdsprachen und in der Fachrichtung Informations- verarbeitung. Die "renovierte" Ausbildung findet in jüngerer Zeit mehr und mehr Anerkennung von Seiten der Wirtschaft, was die Attraktivität und damit auch die Bewerberzahlen steigen lässt. Nach wie vor liegt aber ein Schwerpunkt in der Möglichkeit, den schulischen Teil der Fachhochschulreife zu erwerben, um nach einem mindestens halbjährigen Praktikum ein Studium an einer Fachhochschule aufnehmen zu können. Die beiden Fachrichtungen setzen sehr unterschiedliche Akzente. Die Fachrichtung Fremdsprachen setzt deutlich auf Sprachkompetenz, angeboten werden zur Zeit Englisch, Spanisch und Französisch, während die Fachrichtung Informationsverarbeitung ganz auf Fachkompetenz im Umgang mit der modernen Informationstechnologie setzt. Beiden Fachrichtungen gemeinsam ist die Arbeit im Lernbüro, die den für die Berufsausbildung notwendigen fachpraktischen Teil abdeckt.

Modell
 
Modell
  Lernbüro

 
 
 

Die Fachoberschulen

Zur weiteren Verbesserung des zweiten Bildungsweges und als Teilalternative zum Fachgymnasium, wurde im Jahre 1990 in Mölln erstmalig eine Klasse der Fachoberschule Agrarwirtschaft eingerichtet, in der Schüler mit Mittlerer Reife und einer abgeschlossenen Berufsausbildung in einem landwirtschaftlichen Ausbildungsberuf innerhalb eines Jahres die Fachhochschulreife erwerben können. Bereits ein Jahr später wurde diese neue Berufsschulart erweitert durch die Einführung der Fachoberschule Technik für die Schüler, die einen technischen Beruf erlernt hatten. Wegen der anfänglich noch geringen Schülerzahlen im technischen Bereich erfolgte der Unterricht zunächst gemeinsam in einer Klasse, wobei nur die berufsspezifischen Fächer getrennt unterrichtet wurden. Bedingt durch die steigenden Schülerzahlen im Technikbereich erfolgte 1992 die Aufteilung in zwei getrennte

Klassen. Im Jahre 1993 wurde zusätzlich eine dritte Klasse für die neue Fachoberschule Wirtschaft eingerichtet, die bis heute fortbesteht. In den letzten Jahren sind die Schülerzahlen in der Fachoberschule Agrarwirtschaft leider so stark gesunken, dass diese wenigen Schüler in die Klasse der Fachoberschule Technik integriert werden mussten.
Nach erfolgreichem Abschluss der Fachoberschule kann, unter Voraussetzung eines entsprechenden Ausbildungs- berufes, eine Weiterqualifizierung an einer Berufsoberschule zur fachgebundenen Hochschulreife erfolgen.
Mit zusätzlichem Unterricht in einer zweiten Fremdsprache ist der Erwerb der Allgemeinen Hochschulreife möglich. Zur Zeit ist diese Schulart an den Beruflichen Schulen in Mölln jedoch noch nicht eingerichtet, da die Nachfrage für diese Berufsschulart im Kreis bisher leider noch zu gering ist.

Die Fachschule für Sozialpädagogik

1973 wurde nach Beschluss des Kreistages an den Beruflichen Schulen in Mölln die Fachschule für Sozialpädagogik einzügig eingerichtet. Aufnahmevoraus- setzung war damals die mittlere Reife und ein einjähriges schulbetreutes Vorpraktikum. Dann erfolgte eine zweijährige Schulzeit mit kleineren Praktikumseinheiten in beiden Schuljahren und die Abschlussprüfung. Erst nach erfolgreichem Ableisten eines Anerkennungsjahres konnte die staatliche Anerkennung ausgesprochen werden. Die gesamte Ausbildungszeit zum/zur Erzieher/in dauerte demnach vier Jahre.

1996 vollzog sich ein grundlegender Wandel im sozialpädagogischen Berufsfeld. Der Weg von der Kindergärtnerin zur Erzieherin wurde in Schleswig-Holstein konsequent beschritten. Der Ausgangspunkt für die Neuordnung der Erzieherausbildung war damit die Anpassung an die hohen beruflichen Anforderungen des veränderten sozial-pädagogischen Arbeitsfeldes. Gleichzeitig sollte eine Angleichung an europäische Standards erreicht werden, die bereits im Elementarbereich eine meist universitäre Ausbildung vorsehen.

In Mölln vermittelt die Fachschule für Sozialpädagogik seit 1996 eine umfassende sozialpädagogische Handlungs- kompetenz. Sie qualifiziert zu selbständigem, reflektiertem, konzeptionellem und innovativem Handeln in allen sozialpädagogischen Arbeitsfeldern. Geprägt wird der Unterricht durch die Arbeit in Lernbereichen, durch intensiv vorbereitete und betreute Praktika und durch ein hohes Maß an Projektarbeit.
Das bedeutet, dass auch für das Kollegium mit einem hohen Zeitaufwand innovative Arbeit im Team geleistet werden muss.

Die lebhafte, praxisorientierte und ganzheitliche Arbeit mit den
 

Schülern und Schülerinnen der Fachschule in Gruppenaufteilung fügt sich oft nur schwer in den Normbetrieb einer beruflichen Schule ein. Daher wird von der Fachgruppe ein unabhängiger Schulstandort, z.B. an der Landwirtschaftsschule angestrebt.

Dieses Vorhaben gewinnt auch an Bedeutung durch die geplante Zusammenlegung der Schulstandorte Mölln und Geesthacht im sozialpädagogischen Bereich. Im September 2000 konnten sich Schülerinnen und Schüler der Fachschule in einer Podiumsdiskussion, nach einem hervorragend gespielten Sketch zur Neuordnung der Erzieherausbildung, vor einer bundesweit zusammengesetzten Arbeitsgruppe des BLBS zum Thema Angleichung der Erzieherausbildung in den Bundesländern darstellen. Seitdem ist die Fachschule für Sozialpädagogik Mölln, beispielgebend für die Neuordnung der Erzieherausbildung, bundesweit in aller Munde.

Modell
Rollenspiel
Berufsfachschule Sozialpädagogik

An der Außenstelle in Geesthacht werden seit 1995, in Mölln seit 1996, in der zweijährigen Berufsfachschule Sozialpädagogik Sozialpädagogische Assistenten und Assistentinnen ausgebildet. Dieser Ausbildungsgang, der die Mittlere Reife voraussetzt, hat die alte Ausbildung zur Kinderpflegerin abgelöst, die nach dem Hauptschulabschluss begonnen werden konnte. Damit beschritt Schleswig-Holstein als eines der ersten Bundesländer einen neuen Weg in der europatauglichen Ausbildung in einem sozialpädagogischen Arbeitsfeld.

Das Team der jungen Kolleginnen und Kollegen im Fachbereich Sozialpädagogik an den Beruflichen Schulen Mölln haben sich dieser Aufgabe gestellt und bieten den Schülerinnen und Schülern der Fachschule und der Berufsfachschule ein vielfältiges Lernangebot. So konnte auch der dritte Ausbildungsjahrgang nahezu vollständig in die Berufstätigkeit, und oft gleich in leitende Funktionen, entlassen werden.
 
 

Die Berufsfachschulen Gesundheit/Ernährung, Technik, Wirtschaft

Die Entwicklung der Berufsfachschulen im Kreis hat wesentlich dazu beigetragen, die Bildungschancen und die Berufsmöglichkeiten der Hauptschülerinnen und Hauptschüler zu erweitern und gleichzeitig die Qualität der beruflichen Bildung zu verbessern. Mit der Einführung der Zweijährigen Handelsschule 1950 begann im Kreis die Entwicklung der Berufsfachschulen. Die Reformideen der 60iger Jahre wandte sich verstärkt den Berufschancen der Hauptschülerinnen und Hauptschüler zu. Dies führte zu einem Ausbau der Berufsfachschulen.

1972 wurde die Berufsfachschule Technik in den zwei Fachrichtungen Metalltechnik und Elektrotechnik in Mölln eingeführt. Die heutige Berufsfachschule Gesundheit und Ernährung hat ihren Ursprung in der alten Haus- haltungsschule und wird seit 1978 geführt. Alle 3 Zweige haben als Eingangsvoraussetzung den Hauptschulabschluss. Sie dauern 2 Jahre und enden mit einem "Realschul- abschluss". Mit diesem Abschluss verbessern und erweitern

Modell
Berufsfachschüler-Technik in der Metallwerkstatt

sich die Berufswahlmöglichkeiten erheblich. Er dient aber auch vielen Schülern dazu, die schulische Weiterbildungs- möglichkeiten an den Beruflichen Schulen in Mölln zu nutzen, z.B. das Fachgymnasium, Besuch der Berufsfachschule für Kaufmännische Assistenten, Besuch der Berufsfachschule für Sozialpädagogik oder nach einer Lehre Besuch der Berufsoberschule (Fachoberschule).

Von den 30 Wochenstunden Unterricht werden ca. die Hälfte der Stunden für eine erste Berufsorientierung/-einführung verwendet, während in den verbleibenden 15 Stunden allgemeinbildende Inhalte vertieft werden. Zur Zeit werden 3 Handelsschulklassen je 1 Klasse Berufsfachschule Technik - Fachrich tung Metalltechnik und Fachrichtung Elektrotechnik sowie 3 Klassen Berufsfachschule Gesundheit und Ernährung geführt. Die große Beliebtheit dieser Berufsfachschulen zeigt sich Jahr für Jahr in der großen Anzahl an Bewerbungen, die das schulische Platzangebot weit übersteigt.
 

Modell
Lehrküche

Innenansichten unserer Schule

Modell
Pausen- bzw. Mehrzweckhalle

 

Modell
Kiosk
Modell
Sitzecke im G-Trakt

 

Modell
Musikraum

Die Außenstelle Geesthacht

Modell
Außenstelle Geesthacht

Erste Ansätze einer Beruflichen Schule in Geesthacht, das bis 1937 zur Hansestadt Hamburg gehörte, führen zurück in die Zeit vor 1905, in der bereits eine Fortbildungsschule bestand. Unterbrochen durch den 1. Weltkrieg musste der Unterricht in den Jahren nach 1920 wieder aufgebaut und infolge steigender Lehrlingszahlen sowie der Schulpflicht für Mädchen unter 18 Jahren ausgebaut werden.

1938 überführte der Berufsschulzweckverband des Kreises Herzogtum Lauenburg, dem Geesthacht mittlerweile angehörte, die dortige Schule in eine Zweigschule seiner in Mölln errichteten Hauptschule. Mit Gründung der Kreisberufsschule am 01. Mai 1940 wurde sie dann deren Außenstelle Geesthacht. Der 2.Weltkrieg verhinderte ihren Aufbau. Erst 1946 konnte in Geesthacht wieder Berufsschulunterricht stattfinden, zunächst in ,,Düneberg 185" - dem Verwaltungsgebäude der ehemaligen Pulverfabrik, in dem der Kreis Unterrichtsräume gemietet hatte.

Das Berufsschulgesetz für Schleswig -Holstein von 1950 hatte auch einschneidende Folgen für die zukünftige Entwicklung der Außenstelle Geesthacht: Der Unterricht für die meisten Berufsschulklassen wurde in der Folgezeit am Hauptstandort in Mölln zentriert. In Geesthacht verblieb ein relativ kleiner Teilzeitbereich: zunächst im Wesentlichen die hauswirtschaftliche Berufsschule für Mädchen, die 1967 mit 8 Klassen am größten war und danach allmählich auch nach Mölln überging. Seit 1950 übernahm die Außenstelle den Berufsschulunterricht für die Jugendlichen im einjährigen Lehrgang des Jugendaufbauwerks Geesthacht, das bis heute stetig erweitert wurde. Gab es zunächst nur 1 Mädchenklasse mit einem Berufsschultag in der Woche, werden heute demgegenüber 4 Klassen mit insgesamt 60 Schülerinnen und Schülern an jeweils zwei Schultagen je Woche unterrichtet. Durch Zusatzunterricht in Deutsch und Mathematik wird ihnen angeboten, den Hauptschulabschluss nachzuholen. Kennzeichnend für die aktuelle Situation ist das Bemühen, fächerübergreifenden Projektunterricht in Zusammenarbeit mit den praktischen Unterweisungsbereichen im JAW zu entwickeln. Ein sichtbares Ergebnis dieser Arbeit - ein mannshohes Spiel ,,Vier gewinnt" - steht seit kurzem auf dem Schulhof der Außenstelle und lädt zum Spielen in den Pausen ein.
Der Schwerpunkt der Entwicklung der Außenstelle Geesthacht in den vergangenen 50 Jahren lag und liegt parallel zum großen Bevölkerungswachstum der Stadt im Auf- und Ausbau. Erste berufliche Vollzeitschulart in Geesthacht war 1954 die einjährige Haushaltungsschule. Im Jahre 1967 zog die Außenstelle in größere, von der Stadt gemietete Räume in der neu erbauten Pestalozzischule am Neuen Krug um, was die Mitbenutzung der dort vorhandenen Schulküche ermöglichte.
Die Haushaltungsschule wurde um 1980 zur zweijährigen Berufsfachschule Ernährung und Hauswirtschaft aufgestockt. Damit konnten Jugendliche mit Hauptschulabschluss erst- mals im Südkreis einen dem Realschulabschluss gleich- wertigen mittleren Bildungsabschluss mit beruflichem Schwerpunkt erlangen.

Im Jahre 1982 ließ der Kreis einen Neubau für die Außenstelle am Dösselbuschberg in der Geesthachter Oberstadt errichten, idyllisch am Rand der Feldmark gelegen, mit weitem Ausblick über die Felder aus fast allen Räumen sowie eigenem Biotop auf dem Gelände. 1987 wurde die Anlage ergänzt durch eine Turnhalle und ein Hausmeisterhaus. 8 Klassen- und 8 Fachräume boten damals großzügige Unterrichts- möglichkeiten. Mit dem Neubau wurde im Jahr 1982 auch die heute weiterhin bestehende Handelsschule als zweite Berufsfachschule vor Ort eröffnet. Von 1982 bis 1991 gab es ferner zwei einjährige Vollzeitschulen im Bereich Ernährung und Hauswirtschaft (AVJ u. BGJ).
Die Anzahl der Schüler und Schülerinnen wuchs von 137 in 1982 auf 163 im Schuljahr 1989/90, die in 6 Voll- und 3 Teilzeitklassen unterrichtet wurden.
Die fortgesetzt starke demographische und wirtschaftliche Entwicklung der Stadt Geesthacht und des Südkreises bedingte seit 1990 die kontinuierliche bedarfsgerechte Erweiterung der Außenstelle:
1991 wurde die Berufsfachschule Ernährung ergänzt um eine Klasse der Fachrichtung Gesundheit, ebenfalls für Hauptschulabsolventen. 1992 wurde die heutige Berufsfach- schule für Kaufmännische Assistenten - Fachrichtung Fremdsprachen in ihrer ersten Ausprägung (Fremdsprachen/ Sekretariat) eröffnet, 1995 folgte die Berufsfachschule für Sozialpädagogik. Beide Schularten tragen der wachsenden Zahl von Jugendlichen mit Realschulreife, die neben einer schulischen Erstausbildung noch einen höheren Schulabschluss (Fachhochschulreife) anstreben, Rechnung. Die Schülerzahl der Außenstelle wuchs entsprechend auf 287 im Schuljahr 2000/2001.
Heute werden 14 Klassen (10 Vollzeit- und 4 Teilzeitklassen) an der Außenstelle beschult, für die 9 Klassen-, aber nur noch 6 Fachräume zur Verfügung stehen.
Allein drei davon sind mit Computern ausgestattet; zwei verfügen über Internetanschluss, wobei dessen Nutzung vom GKSS-Forschungszentrum in Geesthacht großzügig unterstützt wird. Ein Computerraum ist zu einem modernen Lernbüro ausgestaltet, das dem fächerübergreifenden und praxisorientierten Unterricht im kaufmännischen Bereich dient: die Schüler und Schülerinnen lernen exemplarisch das Bearbeiten betrieblicher Vorgänge - z. B. Beschaffung von Rohstoffen - und führen alle erforderlichen Schritte unter Anwendung einer praxiserprobten Software durch.

Modell
Lernbüro in Geesthacht

Zukünftig ist vorgesehen, das Vollzeitschulangebot an der Außenstelle in den Bereichen Wirtschaft einerseits und Gesundheit und Ernährung/Pflege andererseits unter Einbeziehung der neuen Technologien noch stärker zu qualifizieren und nachfragegerecht zu erweitern. Dazu ist ein Anbau von Klassen-, Fach- und Nebenräumen in Planung, für den das vorhandene, große Grundstück hinreichend Platz bietet.
 
 

SV

Eine moderne und lebendige Schule braucht eine aktive Schülerinnen- und Schülervertretung. So ist auch die SV an den Beruflichen Schulen in Mölln eine feste Institution, die viel bewegt und stets ein offenes Ohr für die Belange ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler hat. Dabei ist gerade die SVArbeit durch die spezifischen Besonderheiten im Bereich der beruflichen Bildung nicht immer einfach zu koordinieren, da viele Schülerinnen und Schüler in der Dualen Ausbildung nur an einigen Tagen in der Schule sind. Trotz dieser Schwierigkeiten

stellen sich erfreulicherweise immer wieder motivierte Schülerinnen und Schüler für die SV-Tätigkeit zur Verfügung, die auch bereit sind Teile ihrer Freizeit für Veranstaltungen und Projekte zu opfern.
Ob es darum geht, den Lehrermangel anzuprangern, indem für die Übernahme von Referendaren in den Schuldienst protestiert wird oder Gelder für ein Jugendbegegnungshaus im Kosovo gesammelt werden - die Schülerinnen und Schüler der SV sind in vielfältiger Weise bereit sich zu engagieren.
 

Förderverein

Der Förderverein der Beruflichen Schulen wurde am 08. Mai 1984 gegründet.
Die derzeitigen etwa 240 Mitglieder setzen sich aus Firmen, Eltern und Lehrkräften zusammen. Mit den Spenden und Beiträgen können Projekte gefördert werden, für die weder der Kreis noch das Land aufkommt.
Auf der jährlichen Hauptversammlung haben die Mitglieder (Lehrer, Schüler, Eltern, Betriebe) die Gelegenheit, ihre Wünsche dem Vorstand vorzutragen. Dieser wiederum beschließt über die Förderungswürdigkeit, Reihenfolge und Höhe der Förderung.
Der Förderverein hat das Ziel, die Schulen in Mölln und Geesthacht attraktiv und interessant für die Schüler mitzugestalten, damit der Aufenthalt in diesen Bildungsstätten zeitlebens in schöner Erinnerung bleibt.

Förderungen

1985
 
12 Rechner, 3 Drucker, 1 Gartenbank, Herde und Geschirrspüler
1986
 
1 Multifunktionsblock, Pneumatik-Lehrmittel, Zuschuss Bootprojekt
1987 Mikroskope, Praxisschrank, Zeichentische, Waage
1988 Zuschuss zur Klassenfahrt der MBJ-Klassen
1989
 
Bücher, Computer, Zuschuss zur Klassenfahrt der MBJ-Klassen
1990
 
Computer, Zuschuss zur Klassenfahrt der MBJ-Klassen
1991 Aufstockung der Schülerbücherei
1992
 
 
Einrichtungsgegenstände für das Lernbüro, Anschaffung eines Systems "Steuerungs- und Meßtechnik Metall bzw. Holz
1993
 
Schulhofgestaltung, Aufstockung Schülerbücherei, zwei Videosysteme
1994
 
 
Tische und Stühle für den Schüleraufenthaltsbereich, Bänke und Papierkörbe im Außenbereich, ein Videosystem
1995
 
Förderung Geeste-Projekt, Schulhofgestaltung, ein Videosystem
1996
 
 
Mittelbereitstellung zur Einrichtung eines Internet- Anschlusses, Materialbeschaffung zur Schulhofgestaltung
1997
 
 
Übernahme von Internet-Unterhaltungskosten, Finanzierung von Stützkursen, Bänke und Papierkörbe für die Schulhofgestaltung
1998
 
 
 
 
Digitale Videokamera zur Erprobung von neuen Unterrichtsmethoden, Restaurierung der Figurengruppe in der Eingangshalle, Bezuschussung des Projekts Schulzeitung Bezuschussung einer Kulturfahrt ins Phantom der Oper
1999
 
 
 
Kulturfahrten: Buddy Holly und Glöckner von Notre Dame, Kostenübernahme für Internetzugänge, Unterstützung von JOA-Klassen, Anschaffung eines Zeichenprogramms
2000
 
 
Kulturfahrt: Tommy, Anschaffung einer modernen Präsentationsanlage (Beamer), Kauf einer Schullizenz von COREL DRAW 8
2001
 
Kultur Förderer BS Mölln, Projektsicherung Schulzeitung, Förderung Kanubau u.a.

Der Förderverein versucht, mit den zur Verfügung stehenden Beträgen möglichst viele Bereiche der Schule zu unterstützen.

Wir würden uns freuen, wenn auch Sie Mitglied des Fördervereins der Beruflichen Schulen werden und unsere Arbeit zugunsten der Schüler unterstützen. Der Mindestjahresbeitrag beträgt 20,00 DM. Sollten Sie sich nicht für eine Mitgliedschaft entschließen können, wären wir Ihnen auch für eine Spende dankbar.

  

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